Zur Verantwortung für grenzwertige Belastungen von Unvorbereiteten

poehlitz-foto2010-1Kürten, 4. Mai 2010 (Pöhlitz) - Als am 30.4.2010 bei leichtathletik.de der Slogan „Laufen, aber härter!“ ins Auge fiel waren mit mir sicher nicht wenige verwundert und im ersten Moment erschrocken, weil man zunächst glauben konnte, dass der verantwortliche Bundestrainer nach den Frühjahrmarathonergebnissen in Bonn, Hamburg, Leipzig, Hannover, Düsseldorf und im Ausland einen Aufruf an seine Läufer und Trainer publizierte und nun eine neue Zeitrechnung unter dem Motto „auch wir trainieren demnächst für das Weltniveau“ einläuten wollte. Streckenrekorde, Bestleistungen überall, in Amerika läuft „ein Neuer - ein Weißer“ - Chris Solinsky 26:59,60 - und wir?

Nachdem man aber etwas weiter unten in den Text eingetaucht war, erkannte man, dass mit diesem Slogan „einige Tausend Extremsportler und hartgesottene Langstreckenläufer“ zu einer neuen Sportveranstaltung gelockt werden sollen. Da wurde auch schnell klar, dass es nicht um schneller, sondern eben um härter für diejenigen ging, die sonst bei den großen Marathons nicht mit der Spitze mitlaufen können. Man hätte auch das Motto „Quäl Dich Du Sau“ wählen können für die „harten Männer und Frauen, die sich der Herausforderung „Laufen, aber härter!“ am 19. September stellen und sich durch Wasser und Schlamm kämpfen, steile Hügel und abgefahrene Hindernisse bewältigen und auch sonst ausreichend Ausdauer für die 16 Kilometer lange Strecke durch den Tagebau mitbringen“ sollen. Schließlich kann es sich ja nicht um die handeln, die sich gerade nicht für die EM in Barcelona empfohlen haben und sich in der Vorbereitung auf den eine Woche später stattfindenden Berlin – Marathon am 26.9.2010 befinden, um vielleicht dort eine neue persönliche Bestleistung aufzustellen. Da wird einfach der Versuch unternommen, einen 16 km Lauf durch einen Tagebau zum Event für Läufer hochzupushen und mit der Herausforderung für einen Marathon oder Halbmarathon verglichen, bei denen das Ergebnis immer mit einer in Zeiten zu messenden Leistung verbunden ist. Eine neue Form des Cross, bei dem immer einer Sieger ist, ohne dass man seine Leistung bewerten oder mit einem anderen Wettkampf vergleichen kann.

Sicher sind da auch immer welche dabei, die sich verdienen einmal in ihrer Kreiszeitung zu stehen oder einfach nur Spaß an ihrer oft schlecht vorbereiteten Quälerei haben und sich nicht bewusst sind welche gesundheitlichen Schäden sie nicht nur im fortgeschrittenen Alter davontragen können. Ich habe nicht nur einmal bei den großen Marathons am Straßenrand um die Gesundheit der vielen schlecht- bzw. unvorbereiteten Männer und Frauen gebangt und mich um den Sinn einer Siegerehrung mit dem einen Teilnehmer in der M > 75 oder noch älter gefragt. Ich habe ihnen in die „gläsernen“ Augen auf der Pritsche im Physiotherapiezelt blicken dürfen und immer gehofft, dass irgendjemand einmal diesen Schauspielen ein Ende bereiten würde. Ich habe gesehen wie sie nach zwei Stunden – die Siegerehrungen waren schon lange vorbei – noch immer fast bewegungsunfähig in der Ecke lagen. Nun soll mit solchen Rennen dem Ganzen wohl noch die Krone aufgesetzt werden.

Sie sollten sich zu ihrem eigenen Schutz die Frage stellen, ob es für ihre Gesundheit nicht besser wäre, wenn sie 3 x wöchentlich oder auch mehr, auf ihrem Niveau eine Stunde – wenn sie wollen auch anspruchsvoll „schnell“ – durch den Wald laufen. Es ist die Wette um den Kasten Bier nicht wert ihre Gesundheit auch weiterhin aufs Spiel zu setzen.

Man darf aber auch die schon oft gestellte Frage noch einmal wiederholen welche Verantwortung die Veranstalter ob der ungewöhnlichen Herausforderungen an Ausdauer und Kraft sie für die Gesundheit der Teilnehmer übernehmen. Dafür reicht, wie im Falle des Tagebaulaufs, der Veranstalter - Qualitätsbegriff „Klaus Malorny, der ehemalige Ironman“, doch nicht aus. Auch an die Marathon-Veranstalter und das Referat Lauf - Breitensport beim DLV kann man bei dieser Gelegenheit noch einmal appellieren über ihre Verantwortung in dieser Hinsicht, nicht nur für die Senioren, ein zweites Mal nachzudenken. Sind nicht auch für solche Veranstaltungen Genehmigungen erforderlich? Es war sicher nicht das Anliegen derjenigen die die ersten leichtathletischen Laufdisziplinen vor 100 oder mehr Jahren veranstalteten, dass eines Tages die für solche Herausforderungen in der Regel ungenügend Vorbereiteten ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und dem Spitzensport die Show stehlen.

ein Kommentar von Lothar Pöhlitz