Die deutsche Quadratur des Kreises bei der EM-Qualifikation

Regensburg, 13. Juni 2010 (ring) – Deutsche neigen von je her zu komplizierten Lösungen. Da nehmen sich deutsche Funktionäre, zumal sie der alten Dame Leichtathletik angehören, nicht aus. Jedes Mal, wenn es zu internationalen Events geht, doktert der DLV an den von den internationalen Verbänden aufgestellten Normleistungen noch extra rum. Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen hat dies inzwischen die Realität überflüssig gemacht. Der Weltstandard ist so hoch, dass unsere deutschen Athleten/Innen alle Hände voll zu tun haben, um die internationalen Standards zu erreichen. Bei Kontinentalmeisterschaften ist das Gott sei Dank noch ein bisschen anders, weil auch die übrigen Nationen des alten Erdteils ähnliche Schwierigkeiten wie wir Deutsche haben, der entsprechende Leistungslevel allgemein tiefer liegt.

Das kommt speziell jenen „Oberfunktionären“ des DLV gerade recht. Endlich kann man sich wieder mit A- und B-Normen, mit U25 bzw Ü25-Schranken, einmal, zweimal oder dreimal erfüllt, austoben und all den Dingen mehr, die in den letzten Jahren erfunden wurden, um möglichst viele Athleten vom Championat abzuhalten. Von einem positiven Auftreten über möglichst nur starke Leistungen beim internationalen Event ist dann die Rede, wobei niemand beweisen kann, dass es bei einer größeren Mannschaft genau umgekehrt wäre. Nur, weil 1995 ein maximal bestücktes Team einmal daneben lag, liegt über Deutschlands Athleten seitdem der Bann von eigenen Normen, sofern dies irgendwie vertretbar ist.

Dabei macht sich keiner auch nur ernsthafte Gedanken über die Gleichwertigkeit der Normen in den einzelnen Disziplinen. Man redet dann zwar von Endkampfchance und setzt das dennoch recht ungleich um. 13:35 für 5000 m sind nicht mit 28:45 über 10.000 m vergleichbar und jene Endkampfchance ist gerade in diesen Disziplinen Makulatur, wenn taktisches Verhalten ins Rennen gebracht wird. Jene Vorausnominierung eines deutschen Marathonteams, das im Grunde jetzt schon keins mehr ist, setzt dann jeglicher objektiver Betrachtung die Krone auf. So jagt man Deutschlands Athleten immer wieder in Normenschlachten unterschiedlichster Anforderung von Ende April bis Mitte Juli und wundert sich stets, dass bei derlei Gehetze viel mehr auf der Strecke bleiben als eigentlich müssten. Der Wettkampf als edelste Form des leichtathletischen Vergleichs wird ad absurdum geführt, wenn Tempomacher, Segelflugwiesen und sonstige normunterstützende Maßnahmen fröhliche Umständ feiern.

Dabei wäre alles so einfach. Mit den erfüllten internationalen Normen als Grundlage könnte man in einem über zwei Wettkämpfe plus Meisterschaften gehenden Trialsystem jene Athleten/Innen finden, die sich im Wettkampf durchsetzen können. Das müssen im Übrigen nicht immer die Schnellsten oder die am weitesten oder am höchsten springenden oder werfenden Sportler sein. Wie schön das sein kann, zeigen immer noch die wenigen starken Disziplinen, bei denen allein am Ende das Abschneiden bei den Deutschen Meisterschaften entscheidet.