„Gschaftlhuberei“ im Kampfrichterwesen hilft niemand weiter

Regensburg, 17. Juni 2010 (orv) – Philipp Pflieger ist in der Regel ein absolut freundlicher und entgegenkommender Zeitgenosse. Selbst dann, wenn dem redseligen Schwaben ganz persönlich Ungemach widerfährt. Jene Grenzsituationen des Hochleistungssports meistert er mit großer Gelassenheit, immer motiviert und positiv eingestellt. Wenn ihn etwas aus der inneren Ruhe bringt, muss schon Außergewöhnliches passiert sein. Am Mittwochabend im schon düsteren und verregneten Münchner Dantestadion war solches geschehen, keineswegs begründbar aus seinem eigenen inneren Frust. Den hatte er nicht, war er doch wenige Zeit vorher unter keineswegs idealen Verhältnissen 800 m Bestzeit gelaufen.

Eigentlich war das Ganze erst in der „Nachspielzeit“ passiert. Wie bei solchen Meetings üblich, betätigte sich der Schlacks anschließend noch wie einige andere auch bei ausdrücklicher Erlaubnis durch den Veranstaltungsleiter als Tempomacher. Susi Lutz, seine bessere Hälfte, wollte mitten im harten Trainingseinerlei 1500 m laufen und dies bei fehlender Konkurrenz nicht mutterseelenallein erledigen. Es bot sich also an, den eigenen Freund für solche Dienste einzusetzen und der machte seine Aufgabe gut, wenn auch das Ergebnis noch keineswegs den Anforderungen entsprach, denen Susi Lutz in den nächsten kommenden Wochen bei besserem Anlass, bei Topform und leistungsfördernderen Bedingungen gerecht werden will und auch kann.

Da der junge Schwabe, eben nur in außergewöhnlichen Situationen nicht „schwätzt“, wie inzwischen ganz Bayern weiß, redete er während des Rennens auch seiner Freundin aufmunternd zu. Das erregte eine selbst ernannte (Schieds)“richterin“, eigentlich in der Zeitnahme tätig, so, dass sie ihn nach dem Rennen anschnauzte, ihm einige internationale Regeln an den Kopf warf und ihm mit Disqualifikation drohte. Die war nun gänzlich unangebracht, weil der Regensburger schon hundert Meter vor dem Ziel aus dem Rennen gegangen war. Jene „Oberlehrerin“ wollte ihm aber fortan nicht mehr aus dem Kopf, überzeugt davon, dass er niemand unrecht getan hatte. Den eigenen Trainer darauf angesprochen, wusste dieser sofort, wer gemeint war. Schließlich kennt der von vielen Meetings und Meisterschaften entsprechende Schäflein.

Menschen, die in aller Regel ihren Dienst an der Leichtathletik nicht als Dienen am Sport und an seinen Athleten, sondern vielmehr als Macht ob ihres verliehenen Amtes ansehen. Der Athlet dein Feind – auf der einen Seite und anders herum betrachtet, der Kampfrichter dein Feind, ist keine Lösung für die eh schon am Krückstock gehende Basis-Leichtathletik. Regeln hin, Regeln her, sie werden selbst bei Weltmeisterschaften bisweilen kräftig verbogen. Als Beispiel mag jene Abkürzungsaktion vieler 10.000 m Läuferinnen im Finale von Berlin gelten, die sich mit ihrem Verhalten sogar einen kleinen Vorteil gegenüber den korrekt laufenden Konkurrentinnen verschafft hatten.

Dass jene Münchner Kampfrichterin dann im anschließend geführten Gespräch erneut unflätig ausrastete, beweist nur ihre fehlende Stressfähigkeit in Grenzsituationen. Das kann passieren, sollte aber überdacht werden. Zumal dann, wenn entsprechende Person bei höheren Meisterschaften für jene Einrichtung „Callroom“ zuständig ist, dort eigentlich vor Aufregung bibbernde Athleten/Innen eher zu beruhigen als zu maßregeln hätte. So bedeutend ist jener Posten nicht, wo es gilt, in der Hauptsache die Startnummern auf ihre Richtigkeit und ihre richtige Anordnung zu überprüfen und die Vollständigkeit des Disziplinfeldes sicher zu stellen. Ein gerütteltes Maß an vernünftiger Zurückhaltung ist hier durchaus wünschenswert und der sturen Durchsetzung von eh nur peripher zutreffenden Regeln vorzuziehen.