Nur R. Harting, C. Nytra, S. Spiegelburg und A. Friedrich zeigten EM-Medaillenreife

Kürten, 30. Juni 2010 (Pöhlitz) - „Es ist angerichtet. Die Vorbereitungen für die DAK Leichtathletik-Gala in Bochum-Wattenscheid am kommenden Samstag (26. Juni) sind so gut wie abgeschlossen – es kann losgehen. Die Wettervorhersage ist bestens, die Anlage top in Schuss“, berichtete Frank Kowalski, Veranstaltungsdirektor im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). „Es spricht also nichts dagegen, dass wir die beste Gala erleben, die es in Wattenscheid je gegeben hat.“ So die Vorschau bei leichtathletik.de (24.06.2010 | DLV News | Anja Herrlitz).Am Ende bleibt Ernüchterung. Und die TV-Moderatoren bei eurosport legten dazu noch resignierend die Finger in die Wunden. Sprint und Lauf sind international nicht konkurrenzfähig.

Die erträumte beste DLV-Gala versank im Mittelmaß. Nur in 4 von 38 Leichtathletik-Einzeldisziplinen (ohne Staffeln und Straßenwettbewerbe  Ariane Friedrich, Silke Spiegelburg, Caroline Nytra und Robert Harting) wurden die schon nicht hoch gesteckten Erwartungen und die Hoffnung auf breitere deutsche Konkurrenzfähigkeit bei der Europameisterschaft mit Medaillen schon Ende Juli, erfüllt. Und ein Trend setzt sich fort: die Zuschauer kehren der Leichtathletik den Rücken und stehen zu Hunderttausenden vor den Videowänden um sich am Fußball zu erfreuen. Dabei haben die Deutschen gar nicht gespielt.

Auch DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen hatte im Vorfeld Optimismus verbreitet: „Der dritte Platz bei der Team-EM in Bergen war ein gutes Ergebnis. Unsere Athleten sind hoch motiviert, die Leistungsträger haben in Bergen überzeugt und werden sicherlich auch bei der DAK Leichtathletik-Gala das Leistungsbild bestimmen. Und dies bedeutet Leichtathletik auf erstklassigem Niveau“. Die Optimismus-Funktionäre aus dem Vorfeld werden ernüchtert nach Hause gefahren sein. Ob sie auch zur Überzeugung gekommen sind dass es nun langsam ernst wird, zumal sich auch die erwünschten Aufsteiger aus dem Aufbau- und Anschlusstraining bei dieser DLV-Bestandsaufnahme keineswegs aufgedrängt haben.

Mitten in der Hochsaison der Leichtathletik lobt Vizepräsident Leistungssport Lohre „die vielen Saisonbestleistungen“.Der Maßstab für den Bereich Leistungssport sollten doch wohl die möglichen Medaillen bei der EM und nicht die Anzahl der Qualifizierten sein, wenn schon nicht über den Weltmaßstab gesprochen wird. Dabei sind die nächsten Olympischen Spiele schon recht nahe. Wird 2010 von Ausnahmen abgesehen ein verlorenes Jahr? Natürlich ist mit dieser DLV-Gala für Deutschland bei der EM in wenigen Wochen noch nichts verloren. Frank Kowalski, die immer noch Leichtathletik-Fans und auch die Moderatoren von eurosport jedenfalls hatten sich in Wattenscheid Leichtathletik auf erstklassigem Niveau erhofft.

Sprint, Sprung und Wurf wurden in der oben genannten Vorschau dargestellt, die Leistungsträger mit hohen Erwartungen konfrontiert, der Laufbereich verschwiegen. Offensichtlich lässt der DLV einen ganzen Disziplinbereich links liegen, da schweigt des Verbandes Führungsriege. Für das Wetter ist Petrus zuständig, für die Top-Anlagen der TV Wattenscheid. Der Wert einer „besten Gala“ aber wird an den Leistungen der Athleten gemessen und für die fühlen sich doch hoffentlich immer noch der DLV und seine Mitarbeiter verantwortlich. Dazu gehört auch die Organisation der Wettkampfleistung, vor allem in den Läufen. Da muß man einmal fragen dürfen wer für den Einkauf dieser unfähigen Pacemaker für die Laufdisziplinen zuständig war? Auch wenn die Tempomacher bei weitem nicht vom Feinsten waren, die Läufer zeigten bei diesem ersten DLV-Jahreshöhepunkt aber auch nicht, dass sie derzeit bei der EM-erfolgreich sein könnten.

Es sollte aber auch niemand behaupten dass  es unseren Sprintern gut geht. Eine Schwalbe (Nytra) macht noch keinen Sommer. Um 10,30 s liefen in Wattenscheid die Männer, um 11,30 s die Frauen. Wo beginnt denn gleich das internationale Spitzenniveau? 4 Sprint - Staffeln mit 24 Nominierten sichern wie immer, auch 2010, im Vergleich zu den nicht erfolgreichen anderen Einzeldisziplinen, die Reisekosten für Bundes- und Verbandstrainer.

Nicht nur die Gala, auch die Bestenlisten zeigen in vielen Disziplinen Ende Juni, vor allem aber im Mittel- und Langstreckenlauf Stagnation, es hat sich kaum etwas verändert, der Ruck ist ausgeblieben, Mittelmaß. Neue Konzepte, kompetentes Personal, Motivation der Kader, organisatorische Veränderungen, Arbeit im Team, Konzentration der Kräfte, Organisation des Trainings- und der Wettkampfleistungen, wirksames Höhentraining wären beispielsweise Diskussionsthemen? Öffentlich wurde davon wenig. Das muß aber nicht heißen, dass die Problematik nicht erkannt ist. Nicht nur die EM, auch die Olympischen Spiele sind nahe, seit Peking sind schon wieder 2 Jahre vergangen.