Der Telis-Läufer läuft in Heusden-Zolder 5000 m Bestzeit trotz Widrigkeiten

pflieger_gala09_bruesselfotoHeusden-Zolder, 10. Juli 2010 (orv) – Es ist kurz vor sechs Uhr abends bei der Anfahrt zum internationalen Meeting nach Heusden Zolder. Für Telis-Athlet Philipp Pflieger war diese Samstagnacht im Belgischen als erfolgreiche angedacht, doch der zufällige Blick auf eine digitale Temperaturanzeige am Straßenrand versprach Ungemach. 40 Grad im Schatten – kein Wetter für 5000 m Läufer. Der Trainer legt jedes Wort bei der Rennvorbesprechung auf die Goldwaage.

Von „vorsichtig von hinten heraus laufen“ ist da die Rede, öfter als sonst. Die Auslegung der Strategie ist bei Athlet und Coach aber eine ganz andere. Philipp Pflieger denkt an sein Regensburger Rennen, wo er seinen viel zu forschen Beginn mit einer zähen zweiten Hälfte büßen musste. Der Trainer denkt indessen an die läuferfeindlichen Temperaturen und wie dort sein Schützling drei Stunden später überleben sollte.

20 Uhr: Teamkollegin Corinna Harrer gewinnt abgeklärt vor zirka 10.000 Zuschauern das 800 m Rennen der U23 und lässt der Fünften der U20-EM Sofia Öberg aus Schweden mit harten letzten zweihundert Metern in etwas weniger als dreißig Sekunden und bestzeitnahen 2:04,89 nicht den Hauch einer Chance. Sie fühlt sich kurz vor der Abreise zur Junioren-WM nach Moncton in Form, liebt solche heißen Temperaturen. Der Himmel hat sich jetzt zwar etwas zugezogen, es hat aber immer noch schwüle 35 Grad.

Indessen schwadroniert Philipp Pflieger am Einlaufplatz permanent von einer neuen Bestzeit, möglichst zehn Sekunden schneller als in Regensburg. Schließlich „hat er im Vorfeld so gut trainiert wie nie zuvor“. Sein Coach geht weg in eine andere Ecke und träumt vom Regentanz seines Schützlings, den jener vor dem Hotel beim morgendlichen Auftakt spaßhaft angesetzt hatte. „Ein paar Grad könnten es schon weniger sein, heute Abend“, sein Argument für die ungewöhnliche Tanzeinlage. Der Blick zum Himmel bringt eine Spur von Hoffnung. Irgendwo muss ein Gewitter runter gekommen sein. Eine etwas kühlere Brise setzt ein.

Im Stadion steckt EM-Starter Arne Gabius beim sensationellen A-Lauf mit einer Siegerzeit von unter 13 Minuten nach 3000 m entkräftet auf. Die Haut erzeugt schon beim Rumstehen leichten kühlenden Schweiß. Wenigstens die Sonne hat sich endgültig verzogen und das Thermometer ist endlich knapp unter die Dreißiger-Marke gerutscht. Dafür werden die Windböen immer heftiger. Der Schuss zum B-Lauf über 5000 m fällt, Philipp Pflieger ist mittendrin im hinteren Bereich des Dreißiger-Feldes, so, wie er sich das vorgenommen hatte.

Die ersten beiden Kilometer passen, dann fordern die ungewöhnlichen Umstände ihren Tribut. Die Fahrt wird deutlich langsamer. 8:20 für die 3 km-Marke, wo sein deutscher Kollege, der ehemalige 13:25-Mann Sebastian Hallmann aus München aussteigt, sind auch für Philipp Pflieger zu langsam. Einer der stärkeren Kaliber im Feld erbarmt sich und verschärft Kilometer vier in Richtung 2:45. Der Regensburger beißt, es wird hart, aber er lässt nicht abreißen.

Zwei Runden vor Schluss beginnt er zu fliegen. Die letzten Tausend in 2:40, die letzte Runde unter sechzig Sekunden. Der schon weit einteilte Führungspulk kommt immer näher. Letztendlich bleiben die Uhren für den Telis-Mann bei 13:46,02 stehen, mehr als sechs Sekunden schneller als je zuvor. Dem Coach fällt ein Stein vom Herzen, dem Schützling ist mal kurzfristig ein wenig übel. Dann geht’s wieder los: „Bei diesen Temperaturen sind eigentlich 13:45 recht cool, aber Kurt, was muss ich bloß machen, um 13:30 zu laufen. Echt hart das Ganze. Ich wusste, ich hab heute die 13:45 drauf, hast Du etwa gezweifelt?“ Die Antwort spart der Trainer aus, der Beweis des unerschütterlichen Glaubens seines Schützlings an sich selbst erstaunt ihn immer wieder auf’s Neue.