Deutsche Läufer/Innen bei nationalen Titelkämpfen meist ohne Chance auf gute Leistungen

Regensburg, 13. Juli 2010 (orv) – Über die deutschen Langstreckler/Innen auf der 5000 m Strecke zu lamentieren ist eine Sache, sie in ihrer derzeit misslichen Lage zu verstehen, eine andere. Außer den seit Jahren bekannten Protagonisten Sabrina Mockenhaupt und Arne Gabius hat noch keiner an der EM-Norm gekratzt. Bei den Hindernissen schaut’s ähnlich aus, die 10.000 m erlebten im zeitigen Frühjahr ein Hoch mit drei Normerfüllern bei den Männern, das mit der großen Zeitspanne hin in Richtung Barcelona sehr leicht zum Damoklesschwert werden kann. Oberste Priorität für eine Nominierung haben laut Nominierungsrichtlinien die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig. Doch wer bei den derzeitigen hochsommerlichen Verhältnissen auf die Startzeiten schaut, wird jeden Optimismus begraben.

Selbst um 19 Uhr steht die Sonne derzeit noch wacker am Firmament und Temperaturen jenseits der 30 Grad sind keine Seltenheit. Dabei sind Hitze und direkte Sonneneinstrahlung des Läufers größter Feind. Anders als in den sonnenverwöhnten Ländern Italien, Spanien und Frankreich, wo man Langstreckenentscheidungen zumindestens bei allen Meetings in die Nacht verschiebt, bleibt man hier altbackenen deutschen Traditionen treu. Am Samstag von zehn bis neunzehn Uhr durchgehend, am Sonntag vom frühen Mittag bis sechs Uhr am Abend, viele Jahre schon plätschern so die Meisterschaftstage über die Bühne. Wer dann das Hochfest der deutschen Leichtathletik auf einer schwülen Südtribüne überleben will und vielleicht sogar in voller Länge genießen möchte, braucht einen guten Kreislauf.

Die dann stattfindenden Langstreckenentscheidungen mutieren zur läuferischen Farce. Wer am Ende eine Medaille bei minderer Leistung um den Hals hängen hat, kann sich als Sieger fühlen. Den deutschen Lauf hat das Ganze wieder einmal keinen Millimeter weitergebracht. Die Regenerationszeiten verlängern sich, nicht selten, dass so manches hoffnungsvolles Talent für den Rest der Saison die Schnauze voll hat. Die Gelegenheiten, schon vorher auf seine Fortschritte aufmerksam zu machen, haben junge Talente in der Regel nur wenige. Langstreckenläufe mit guter Qualität sind in Deutschland rar geworden, für die Hindernisse gilt dies noch in verschärfter Form.

Von einer Initiative „Lauf“ ist auch heuer wieder die Rede. Damit hat man schon einmal vor zirka vier Jahren begonnen. Raus gekommen ist wenig. Dabei wären Ansätze zum Besseren so einfach. Die wenig guten Meetings sortieren, die immer spärlicher werdenden qualitativ guten deutschen Felder konzentrieren, die Startzeiten in die frühe Nacht verlegen sind Dinge, die der Verband einfach in die Hände nehmen muss. Es ist schon längst fünf vor zwölf und das ewige Argument, wegen des Fernsehens ginge keine DM bis 22 Uhr mit allen Langstrecken darin, ist einfach nur eine billige Ausrede. Bei der derzeitigen Qualität der deutschen Langstreckler/Innen von einigen Ausnahmen abgesehen, reißt sich kein Sender um die Übertragung deren Entscheidungen. Für bessere Leistungen brauchen die Langstreckler aber optimale Bedingungen. Die gilt es zu schaffen, ohne Wenn und Aber.