Corinna Harrer als einzige deutsche Mittelstrecklerin bei Junioren-WM in Moncton

harrercorinna-novisad-11_henselfotoRegensburg, 15. Juli 2010 (orv) – Corinna Harrer, die Vizemeisterin bei den letzten Deutschen Leichtathletik Meisterschaften über 1500 m, fehlt in der diesjährigen Nennliste der DM in Braunschweig. Das hat einen ganz bestimmten Grund. Die Telis-Läuferin ist bereits mit der deutschen U20-Nationalmannschaft nach Moncton in den kanadischen Osten abgereist. Dort finden vom 19. bis 25. Juli die U20-Junioren-Weltmeisterschaften statt und die Regensburgerin vertritt dort ihr Land als einzige Mittelstrecklerin überhaupt. Nach ihrem sensationellen zweiten Platz bei der letztjährigen U20-EM über 800 m dachten schon viele, die Qualifikation für die darauffolgende WM sei ein Selbstläufer. Tatsächlich verlief das Ganze aber dann doch nicht so reibungslos.

Abiturjahre sind nicht einfach. Darüber gibt es viele Beweise im Leben von jungen Leistungssportlern aus der näheren und ferneren Vergangenheit. Ob das nun bei Corinna Harrer hinsichtlich ihres etwas holprigen Bahnsaisonstarts die Hauptrolle gespielt hat, mag dahin gestellt sein. In erster Linie ist eine Neunzehnjährige eben noch nicht fertig in ihrer Entwicklung und wenn der Körper hierin einmal eine kleine Pause einlegt, muss dies erst im Kopf einer ehrgeizigen Himmelstürmerin ankommen. So sind auch Corinna Harrers erste Saisonrennen zu verstehen, die kein Jota schlechter waren als im Vorjahr, aber auf Grund der Silbermedaille nun als „schlechte“ Ergebnisse gefühlt wurden, zumal alle Trainingswerte schnellere Zeiten versprachen. Inzwischen hat sich das Telis-Nesthäkchen wieder gefangen und geht mit zwei internationalen Siegen im absoluten Bestleistungsbereich zur WM. Nebenbei mag festgehalten werden, dass die Regensburgerin mit einer etwas schnelleren Zeit allein in Europa kurz vorm Saisonhöhepunkt vor einem Jahr weiter hinten lag, als diesmal in der ganzen Welt. Ihre 2:04,61 über 800 m in der bereinigten diesjährigen Weltbestenliste der „juniors“ bedeuten immerhin Platz acht.

Corinna Harrer reiht sich inzwischen nahtlos in eine ganze Serie von Regensburger U20-WM-Teilnahmen ein. 2002 lief Viertelmeiler Stephan Wittl in Kingston/Jamaika die deutsche 4x400 m Staffel ins Finale, um dann übernacht 40 Grad Fieber zu bekommen und zuschauen zu müssen. 2006 reiste Susi Lutz nach EM-Bronze über 3000 m Hindernis in Kaunas, 2005 zum Traumziel Peking, um dort ebenfalls zu erkranken und nicht am Start zu sein. 2008 machte ihr Julia Kick auf genau derselben Strecke das Kunststück in Bydgoszcz/Polen nach, blieb aber knapp im Vorlauf hängen. Alle drei hatten vorher internationale EM- und WM-Luft, teils sogar recht erfolgreich geschnuppert, doch EM ist nicht gleich WM. Deshalb sollten die Erwartungen in Coco Harrer auf ein vernünftiges Maß reduziert werden. „Die Finalteilnahme ist zunächst das Non-plus-ultra“, so ihr Trainergespann Doris Scheck und Kurt Ring, „alles andere wäre ein Traum.“

Dabei hat die Wenzenbacherin zwei Chancen. Dienstag und Mittwoch geht es durch die Vor- und Zwischenläufe über 800 m. Übersteht sie diese, stünde sie am Donnerstag im Finale. Am Freitag steht dann der Vorläuf für den Fall der Fälle zur Erledigung bereit. Ruft sie dort nur ihren diesjährigen Standard von um die 4:20 ab, winkt auch da der Endlauf. Mit Überseeflug, jetlag und nervlicher Anspannung vor einer WM ist das ein Monsterprogramm. Da gilt es von Tag zu Tag zu entscheiden, was richtig und falsch ist. Die Bundestrainer Andy Knauer (den sie noch aus ihrer 400 m Zeit gut kennt) und Lutz Zauber werden ihr mit allen Kräften helfen und vielleicht gelingt es ihr, als erste Regensburgerin, die schlechte Regensburger Serie bei Junioren-WM’s zu durchbrechen. Was ihr dabei hilft, ist sicher die geographische Lage von Moncton mit klimatischen Verhältnissen wie zu Hause.

Natürlich wird schon nächsten Montag kurz nach neun Uhr Ortszeit und 15 Uhr Regensburger Zeit in der Heimat die Website der IAAF hochgefahren, um via live-Ergebnisse Coco’s Vorlauf festzuhalten. So bleibt letztendlich zu hoffen, dass das Telis-Talent dann ein „runner’s high“ wie im letzten Jahr erreicht und fortan nicht mehr aufzuhalten ist. Viel Glück also, kleines Mädel aus dem kleinen Regensburg im furchtbar großen Kanada – wir halten Dir die Daumen.