Deutsches Marathon Team durch Cierpinski-Absage für die EM endgültig geplatzt

cierpinski_f_10kdm08_foto_kiefnerRegensburg, 23. Juli 2010 (Kurt Ring) –  Es war nur eine Kurzmeldung auf leichtathletik.de und sie kam nicht einmal aus der eigenen Presseabteilung. Die Sportinformation gab bekannt: „Marathonläufer Falk Cierpinski (SG Spergau) hat seine Teilnahme an der EM in Barcelona (Spanien; 27. Juli bis 1. August) abgesagt. Das bestätigte Bundestrainer Rüdiger Harksen am Donnerstag im Leistungszentrum Kienbaum, wo sich das DLV-Team auf die Titelkämpfe vorbereitet.“ Damit ist der schon länger schwelenden Todeskampf des Marathon Teams Deutschland beendet. Im Sinne der „Angehörigen“ solle die „Beisetzung“ nun in aller Stille stattfinden.

Was vor einigen Jahren als große Initiative in Richtung eines Zurückfindens zu alten Laufstärken ins Leben gerufen wurde, endete nun im Desaster. Ein damals starkes Läuferinnenpotential sollte die schon länger schwächelnden Männer mit nach oben ziehen. Die Marathon-Teamwettbewerbe bei Welt- und Europameisterschaften schienen als Bühne dafür bestens geeignet. Was daraus geworden ist, ist nicht erst am endgültigen Ableben des Marathon-Teams abzulesen. Fakt ist, in Barcelona wird weder ein Frauen- noch ein Männerteam am Start sein. Die übrig gebliebenen beiden Einzelstarter dürfen sich als Glückspilze fühlen. Keinem im 72 Athleten umfassenden Team wurde es so leicht gemacht, wie den beiden. Die eigentliche Zielsetzung, bei erleichterten Qualifikationshürden in Spanien als Mannschaft zumindest präsent zu sein, ist kläglich gescheitert.

Auch das System der frühen Qualifikation in Verbindung mit einer vorzeitigen Nominierung und Leistungsnachweisen im eigentlichen Meisterschaftsjahr muss gründlich hinterfragt werden, schon in Hinblick dessen, dass über 10.000 m vielleicht ebenfalls der falsche Mann den dritten Startplatz erhalten hat. Trainingsmethodisch sind jedenfalls Leistungs-Tops im Mai und Ende Juli mit dazwischen einem gefühlten Nichts nur schwer realisierbar und Deutschlands verbliebene Langstreckler, fünf an der Zahl (Marathon/10.000 m) konnten gut eineinhalb Wochen vor dem Großevent mit Ausnahme des gelernten Hindernismannes Filmon Ghirmai wenig Vertrauenerweckendes vorzeigen, sofern sie überhaupt angetreten sind bei den nationalen Titelkämpfen in Braunschweig. Filmon Ghirmai hat indessen einfach die letzte Chance gepackt, am Ende seiner Karriere noch einmal bei einer EM dabei sein, ganz egal ob über 3000 m Hindernis, 10.000 m oder auf der halb so langen Distanz. Die 25 Runden waren dabei der einfachste Weg, weil eben die Norm bereits seit 1. Mai in trockenen Tüchern war.

Von einem Masterplan, die gezählten Teilnahmen in Erfolge umzuwandeln, ist wenig zu bemerken. Man lebt von der Hand in den Mund, springt schnell auf, wo frischer Erfolg zu vermuten ist. Langstrecke ist aber ein langer Prozess, dem zumindest ein richtungsweisendes Papier nicht schaden könnte. Somit die Fernziele strategisch anzugehen, wäre eine Grundforderung. Dies gelingt aber derzeit nicht einmal bei Nahzielen und  im Kleinen. Womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären. Deutsche Marathon-Zielsetzung für die diesjährigen Europameisterschaften war letztendlich und ausschließlich bei den Männern die Teilnahme eines Marathon-Teams. Warum man dann in Anbetracht der schon im Winter aufkeimenden Schwierigkeiten nur drei Läufer für das Championat benannt hat und einen amtierenden Deutschen Meister mit einem annähernd gleichem Leistungsprofil wie das der Nummer drei Tobias Sauter zu Hause lässt, kann letztendlich nur der zuständige Bundestrainer beantworten. Dass dieser Marathoni ausgerechnet aus den Reihen meines Clubs kommt, ist Zufall und spielt bei der objektiven Betrachtung des Ganzen ganz sicher keine Rolle.