Für die Sechste der Junioren-WM gibt’s auch im vierten Jugendjahr Gold, diesmal über 1500 m

harrercorinna5_dmjugend10_kiefnerfotoUlm, 8. August 2010 (orv) – Es war alles angerichtet im Donau-Stadion zu Ulm, anlässlich der Deutschen Jugendmeisterschaften, für die Sechste der Junioren-Weltmeisterschaften Corinna Harrer (LG Telis Finanz) auf den Mittelstrecken der Mädels. Am Ende wurde es nur halbes Gold vom doppelt angestrebten Titelgewinn über 800 m und 1500 m. Der Tritt einer Konkurrentin in Harrers Wade beim 800 m Vorlauf machte aus den geplanten Spaziergängen einen schmerzhaften Finalauftritt. Ganz ohne Weh und Pein brachten dagegen die drei Telis-Goldjungs Felix Plinke, Philipp Pflieger und Florian Orth ihren golden glänzenden Staffelstab in der 3x1000 m Entscheidung der Männer völlig unerwartet als erste ins Ziel. Einen weiteren fünften Platz steuerte Langstreckler Lukas Kellner (LG Telis Finanz) über 3000 m (8:48,26) der männlichen Jugend A bei, während sich Teamkollege Jonas Koller in der U18 auf gleicher Distanz nach einem Sturz mit Platz neun (8:54,92) zufrieden geben musste.

Die Konkurrenz schwächelte, die Vorläufe über 1500 m und 800 m liefen für Corinna Harrer mit klaren, locker herausgelaufenen Siegen optimal. Fast, wie man im Telis-Lager Stunden später schmerzlich zur Kenntnis nehmen musste. Nur am Rande bemerkten aufmerksame Betrachter, dass das Regensburger Talent im 800 m Vorlauf von einer übereifrigen Konkurrentin beim Scheren der Bahnen fast zu Fall gebracht worden wäre. Mit dem nötigen Adrenalinausstoß, den selbst Vorentscheidungen erzeugen, wurde jener Vorfall, der sich später als heftiger „Pferdekuss“ in der Wade rausstellen sollte, von der Athletin zunächst gar nicht wahrgenommen.

Übernacht wurde jene für Läuferinnen aber so wichtige Körperpartie zur Problemstelle – es schmerzte und krampfte und wenn die Wenzenbacherin einmal das Gesicht verzieht, ist meist Schlimmes im Anzug. Letztendlich wurde dann doch noch am letzten Meisterschaftstag mit minimalen Einsatz über einen 200 m Spurt wenigstens 1500 m Gold (4:30,58) an Land gezogen mit einer Leistung, die Corinna Harrer ansonsten zu jeder Tag- und Nachtzeit anbieten kann. „Ich freue mich so sehr auf die nächsten Rennen, schon nächste Woche bei der Heim-Junioren-DM im Uni-Stadion, dann im legendären Letzgrund in Zürich und auf’s Meeting im italienischen Rovereto. Ich will jetzt einfach nichts riskieren und durch einen Zweitstart über 800 m die Wade nicht endgültig kaputt laufen“, begründete sie ihre 800 m Absage. So blieb denn am Ende der zwei Runden nur Harrers Bestzeit vom Vorlauf übrig, die im Finale keine der deutschen Konkurrentinnen toppen konnte.

Jenen Titel über 3x1000 m hatten die Telis-Läufer eigentlich schon Anfang Juni abgeschrieben, als ihre etatmäßige Nummer drei Sebastian Zundler wegen einer schweren Verletzung für den Rest der Saison ausgefallen war. Je näher es an die Meisterschaften ranging, umso optimistischer wurde man wieder im Telis-Lager, weil auch die übrige Konkurrenz um Titelverteidiger Erfurt Verletzungssorgen hatte. Wer dann kurz vor Ulm den „Optimisten vom Dienst“ Philipp Pflieger fragte, bekam immer die selbe Antwort: „Die putzen wir alle weg“. Bei gebotener Objektivität entlockte jene Kampfansage aber den meisten Experten meist auch nur ein müdes Lächeln.

Im Rennen selbst erwischte Startläufer Felix Plinke einen sehr guten Tag, vielleicht sogar den allerbesten seiner bisherigen Läuferkarriere. Mit hauchdünnem Rückstand auf die führenden Kölner übergab er als Zweiter an Philipp Pflieger. Der musste zunächst erkennen, dass der Führungsläufer während der nächsten zwei Runden einfach nicht zu packen war und der Vorsprung sich konstant bei zwanzig Metern einpendelte. Auf den letzten hundert Metern drehte der Telis Mann dann aber so auf, dass er letztendlich doch noch an die Polepostion vorlaufen konnte, im Schlepptau die Fürther Staffel. Ein vor Selbstbewusstsein strotzender Schlussmann Florian Orth ließ der Quelle Nummer drei Martin Conrad im Schlusspurt jedoch nicht die geringste Chance. Sieg, Gold und Bayerischer Rekord mit 7:12,25 befanden sich nun in Regensburger Händen, unerwartet und vom Regensburger Häuflein, bestehend aus den übrig gebliebenen Athleten, Eltern und Freundinnen, enthusiastisch gefeiert.

Für den übrigen Regensburger Nachwuchs wurden die Ulmer Tage eher noch zum Lehrstück. Am besten zogen sich noch B-Jugendsprinterin Luka Krampert, die mit ihren 12,26 (pers. Bestzeit) über 100 m immerhin den Zwischenlauf erreichte und der A-Jugendliche Lukas Zweck (beide LG Telis Finanz) mit seinem 400 m-Hausrekord von 49,87 aus der Affäre.