Ungereimtheiten der Deutschen 10 km Meisterschaften

Ohrdruf, 12. September 2010 (orv) –  Eine Ergebnisliste ist ein Protokoll, sozusagen die verbriefte Urkunde des Geschehenen. In dieser Eigenschaft sollte sie auch richtig sein, wenn sie von offizieller Seite an die Öffentlichkeit weitergegeben wird, sie ins Netz gestellt wird. Nicht so geschehen ist es nach den diesjährigen Deutschen 10 km Meisterschaften am letzten Samstag in Ohrdruf. Verwundert rieb man sich die Augen, als in der Frauenklasse der Eintrag Restle vor Schulz und Haug zu lesen war. Wieder einmal hatte man vergessen, die Junioren/innen und Senioren/innen einzuwerten, obwohl dies ganz klar in den Bestimmungen und der Ausschreibung vermerkt war. Eigentlich ganz einfach: Wer zuerst ins Ziel kommt, ist Erster. Besonders bedauerlich ist dies, weil jener Fauxpas in den letzten Jahren bei den einzelnen Straßen- und Crosswettbewerben immer wieder gemacht worden ist.
Wo war denn hier in Ohrdruf der offizielle DLV-Wettkampfleiter? Im Wissen, dass dies von den auswertenden Systemen immer wieder falsch gemacht wird, muss er sich fragen lassen, ob er grob fahrlässig, im Volksmund gesagt „einfach geschlafen“ bzw. gehandelt hat oder schlicht und einfach in diesen Sachen des Laufregulariums inkompent ist. Beides ist schlimm genug.

Schlimm ist aber auch, dass nie Proiritäten bei der Streckenwahl gesucht werden. Straßenlauf ist nicht Biathlon, auch nicht Crosslauf oder Skilanglauf, wo eine malerische Strecke und ein erschwerendes Gelände durchaus öffentlichkeitswirksam sein können. Bei Straßenläufern folgt nach der Frage „Wer hat gewonnen?“ in aller Regel eine zweite: „Wie schnell ist er gelaufen?“ Erst aus der Summe der Aussagen wird das Ergebnis qualitativ gewertet. Straßenläufer hängen daher in ihrer Vermarktung auch von den gelaufenen Zeiten ab und je länger die Distanz, desto geringer ist die Möglichkeit mehrmals im Jahr wirklich zu glänzen.

Ganz abgesehen, dass sich auch die Medien ob eines solchen falschen Protokoll gern ins Bockshorn jagen lassen, vorausgesetzt, sie berichten überhaupt noch darüber. Straßenrennen können auf Grund ihrer sehr einfachen Regeln sehr attraktiv sein. Eine Attraktivität, die der DLV anscheinend gar nicht erkennt und jene Titelkämpfe den Lobbyisten aus dem Hochleistungssport, Breitensport und Seniorensport überlässt, was in aller Regel zu einer Unkenntlichmachung des Events führt.

Man möge sich dazu mal nur die „atemberaubend“ langatmigen Siegerehrungen im Anschluss solcher Titelkämpfe über alle Altersklassen gestreut, teilweise noch mit eingefügten Landesmeisterschaften garniert, im Zeitfenster von bis zu drei Stunden antun. Am Ende weiß man gar nicht mehr, wer eigentlich vor wem ins Ziel gekommen ist. Man darf sich daher nicht wundern, dass von solchen Veranstaltung praktisch keine laufenden Bilder mehr zu sehen sind. Eine echte Klassifizierung der Leistungen fällt dann auch selbst dem besten Moderator schwer. Daher ist es um so erstaunlicher, dass immer noch eine Vielzahl der deutschen Laufelite am Start ist und im Falle Ohrdruf wieder mal auf Grund der „unpassenden“ Strecke um einen Teil des verdienten Lohn gebracht wurde. Die dafür zuständigen Bundestrainer scheint das auch nicht zu scheren, jedenfalls war gestern keiner vorort.

Mag einer noch so viel über den deutschen Lauf schimpfen und bisweilen auch recht haben: Festgehlalten muss   werden, dass ein Unternehmen immer nur so stark (in diesem Falle schwach) ist, wie der Kopf, der es leitet.