Die Deutschen Straßenmeisterschaften werden medial links liegen gelassen

Regensburg, 13. September 2010 (orv) – Die deutsche Leichtathletik wird immer mehr von einem schwarzen Medienloch verschluckt, verschwindet quasi Stück für Stück aus der Öffentlichkeit. So ist das wieder einmal an diesem Wochenende auch mit den Deutschen Straßenlaufmeisterschaften über 10 km geschehen. Ein kurzer Bericht auf leichtathletik.de mit dem Einlauf der ersten Drei, zwei kleine Siegerinterviews, die Ergebnisliste – und die ist anfangs noch falsch - das war’s!

Selbst googeln hilft da nicht viel weiter. Die üblichen Verdächtigen: Die Seite von German Road Races weiß zwar vom Stockholmer Halbmarathon und vom Alsterlauf in Hamburg was zu berichten, die DM 10 km aber fehlt. LaufReport vermeldet außer den ersten Drei (auch hier falsche Angaben) bis Montagmittag nichts. Als einzige mit wirklich ausführlichen Laufberichten werden sie in den nächsten Tagen nachziehen, wenigstens das! Livestream, Laufvideos oder ganz vermessen Fernsehbilder erwartet man von solchen Ereignissen sowieso schon nicht mehr.

Es ist ja nicht so, dass man nichts schreiben könnte: Europameister Jan Fitschen endlich wieder on top – eine Jugendliche wird Zweite – zwei groß angekündigte Deutsche Meisterinnen werden durchgereicht – Simret Restle gewinnt ihren ersten Deutschen Meistertitel – Problemfeld Strecke und Siegerehrungen usw.. usw. … Bei dem Käse, was PR-Profis in anderen Bereichen so alles veröffentlichen, ließe sich auch hier eine entsprechende Öffentlichkeitskampagne stricken, zuerst intern auf leichtathletik.de und vor allem mit anderen Schwerpunkten im Leichtathletik magazin.

Vielleicht greift dann auch mal die externe Presse besser zu. Wenn’s der Landschaftsmarathon durch die Médoc mit seiner Weinverkostung am heutigen Montag mit einer Drittelseite in den Magazinteil der Mittelbayerischen Zeitung schafft, sollte doch auch mit der deutschen Leichtathletik der eine oder andere Treffer gelandet werden können.

Im Zeitalter der Reality-Shows packt es inzwischen eine ganze Armee von Köchen in die verschiedensten Fernsehprogramme, das Volk ist scharf auf Geschichten und Histörchen, man muss sie eben nur produzieren – zumindest wenigstens anfangen damit. Ausschlachten nennt man das und wenn man in den Chefetagen des Verbandes mal nachdenken und mit dem „Ausschlachten“ beginnen würde, könnte man wahrscheinlich so manches Filetstück entdecken.

Einzelne Top-Athleten wie Tim Lobinger haben das schon in Eigeninitiative vollzogen und es muss nicht immer der Stein der Weisen dahinter versteckt sein. Bei Tim reichte es schon mal, einfach die Hose runter zu lassen. Ganz egal, welches Profil er auch immer damit angestrebt hat, sein Bekanntheitsgrad ist inzwischen hoch gestiegen und das keineswegs nur wegen der heruntergelassenen Hose. Gesichter bekommt die Leichtathletik erst, wenn man sie zeigt.

Das Argument der Verbandsoberen, wir hätten zu wenig Weltklasseathleten, ist völlig am Thema vorbei geredet. Durch knallharte Öffentlichkeitsarbeit, Fanbetreuung und offensives Zugehen auf potentielle Betrachter schaffen es selbst drittklassige Sportarten, eine Öffentlichkeitswirkung zu erreichen, von der wir Leichtathleten nur träumen.