Es ist schon spät im Jahr - aber es ist noch nicht zu spät

pflieger1_dm-aktive-kiefnerfotoKürten, 27. Oktober 2010 (pöhlitz) - In einem BILD - Interview vom 22.10.2010 antwortete der 33 jährige Raúl nach einem beeindruckenden Spiel in der Fußball - Champions League auf die Frage nach seiner Fitness: “Ich fühle mich viel, viel jünger, mindestens 5 Jahre, weil wir bei Felix Magath sehr hart trainieren!“ Als ich dies las fiel mir spontan ein, dass der DLV den Läufern zum 1.Januar 2011 einen neuen Cheftrainer versprochen hat für den die Finanzierungszusage durch den DOSB schon vorliegen soll. Beim derzeit großen Abstand der Mittel-, Langstreckler und Marathonis zur Weltspitze und auch zu Medaillen bei den nächsten Olympischen Spielen scheinen Wunder bzw. schnelle Lösungen der Probleme fast unmöglich. Helfen kann der Neue nur, wenn Athleten und Heimtrainer auch bereit sind ihre Hausaufgaben besser als bisher zu machen.

Wer beispielsweise nach verspätetem Beginn des neuen Trainingsjahres jetzt im November wo schon der erste Schnee fällt, mit der Basisarbeit für die neue Saison noch nicht so recht in Gang gekommen ist, schon mehrere Wochen des Wintertrainings „ein wenig verschlafen hat“, der muß jetzt aber schnell aus dem Keller kommen. Es ist noch nicht zu spät, wenn ab sofort das Training in den Mittelpunkt gerückt,  nicht gleich an die nächsten Wettkämpfe gedacht und der verbleibende Rest des Wintertrainings innerhalb einer Einfachperiodisierung (ohne Hallensaison) dazu genutzt wird, die beschlossenen Konsequenzen, die bei der sicher umfangreichen Bestandsaufnahme Anfang September fixiert wurden, aufzuarbeiten. Nur wer etwas ändert und in der Belastung und Organisation seines Trainings neue Wege geht, wird sich, wie Raúl bei Schalke, danach einige Jahre jünger und auch leistungsfähiger fühlen. Vielleicht schon im Sommer 2011.

Wunder sind in Kürze auch von einem kompetenten Lauf – Chef nicht zu erwarten

Die vom gesuchten Lauf – Chef benötigten Fähigkeiten, wie Fach- und Führungskompetenz, Organisations- und Managerfähigkeiten, Wissen und Erfahrungen im modernen Hochleistungs- und Nachwuchstraining, Arbeit mit den Heimtrainern, Praxiserfahrungen mit Höhenketten und die notwendige Härte gegenüber den Besten, um möglichst schnell die in den letzten Jahren zugelassenen Versäumnisse in der Belastung aufzuarbeiten, werden kaum in einer Person vereint zu haben sein. Wenn er dazu noch inhaltlich etwas ändern will und wie in der Weltspitze üblich, 4 -5 Trainingslager – am besten im Höhentraining - über jeweils mehrere Wochen mit seinen Kaderathleten durchzuführen gedenkt, braucht es Geduld, die Bereitschaft aller und wie man weiß : für professionelles Training die dafür notwendigen Sponsoren (Geldgeber), die er nicht auch noch selbst mitbringen kann.

Warum haben wir keine Fortschritte erzielt, wir haben doch gut trainiert

Es gibt sicher einige Trainer und Athleten die am Ende des letzten Trainings- und Wettkampfjahres mit ihren Leistungsfortschritten nicht so recht zufrieden waren. Hoffentlich waren die individuellen Analysen, die genannten Ursachen für die Stagnation nicht ähnlich lau wie die Lauf-Disziplineinschätzungen bei leichtathletik.de. Die Bestenlisten signalisieren, dass nicht nur die Ergebnisse auf der Spezialstrecke viele Wünsche offen ließen, auch die Unter- und Überdistanzen lassen für demnächst keine Wunder zu. Wenn man sich dann auch noch in die Tasche lügt, weil man meint eigentlich gut trainiert zu haben besteht die Gefahr, dass die erforderliche gründliche Analyse beiderseits nicht zu besonderen Schlussfolgerungen geführt hat, nicht ehrlich ausgefallen ist. Auf der einen Seite durch den Trainer, auf der anderen aber auch durch den Athleten. Natürlich gibt es da immer Ausnahmen. Nicht selten bleibt offen, ob der Athlet bei den wichtigen Wettkämpfen mental alles so in die Reihe bekommen hat, wie er das von sich glaubte. Die Konsequenzen zu einem neuen härteren Weg sind oft nur verbal, nach wenigen Wochen schon nicht mehr präsent. Spätestens vor Beginn der „Frühjahrsoffensive“ sollten sie noch einmal aufgefrischt werden. Auch die Fragen nach den individuellen Stärken und Schwächen gehören dazu. Keine Analyse, keine Konsequenzen, keine Orientierung an den Besten. Man kann nur hoffen, das dass neue Trainingsjahr nicht begonnen hat wie das alte endete.

Teamarbeit, Leidenschaft, Talent und  Wissen sind wichtige Schlüssel


Der Weg in neue Leistungsdimensionen blieb deutschen Läufern in den letzten Jahren zu oft verschlossen. Hat die Teamarbeit nicht funktioniert, fehlte die Leidenschaft, das Talent oder das Wissen? Es besteht die Gefahr, dass alle nicht ehrlich und offen ausgesprochenen Probleme dazu führen, dass der unzufriedene Athlet immer öfter zweifelt, sich immer weniger engagiert, immer weniger oder auch lustloser trainiert, über einen Vereinswechsel, zu einem scheinbar besseren Trainer oder einem besseren Team, zumindest erst einmal nachdenkt. Keiner sollte seine Schwächen weiterhin verstecken um weitere 1 – 2 Jahre im Mittelmaß zu überstehen. Warum fühlt sich Raúl mit 33 schon nach wenigen Monaten mehrere Jahre jünger und fitter? Auch der neue Laufchef kann nur erfolgreich sein, wenn alle bereit sind in einem Boot mit ihm gemeinsam in eine Richtung zu „laufen“. In die die den Lauf aus der Krise führt. Deshalb ist erste Voraussetzung für zukünftige Erfolge:

Geht es nicht vorwärts muss „man“ etwas ändern