Leistung lässt sich nicht immer vergleichen, in der Regel aber ernsthaft bemessen

weitzelmichelle2_nord-blv_kiefnerfotoRegensburg, 24. November 2010 (orv) – Der Herbst ist schon fast wieder vorbei, die Leichtathletik atmet tief durch und die Analysen schießen ins Kraut. Zeit also, dass auch von unserer Seite, gemeint ist jene der LG Telis Finanz Regensburg, der Wahrheit ins Gesicht geschaut wird. Viel Lob ist uns in den letzten beiden Jahren zuteil geworden. Mit Recht sind wir stolz auf unsere Talente, was uns aber nicht hindern sollte, ihre zukünftigen Möglichkeiten kritisch zu durchleuchten.

Angetreten mit dem Ziel, jungen Talenten den Weg in die Spitze zu ebnen, braucht man nicht lange zu fabulieren. Spitze heißt in diesem Fall Internationalität und damit sind nicht potentielle Wegbereiter wie Junioren-EM’s und WM’s gemeint, sondern jene Hauptevents, die da heißen Olympische Spiele, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften. Aus dieser Kategorie sind die nächsten die Weltmeisterschaften im koreanischen Daegu, Anfang September des kommenden Jahres stattfindend. Bei genauerer Betrachtung unseres Talentschuppens muss sich nach Lage der Dinge bisher keiner der Telis-Talentsternchen ernsthaft mit diesem fernöstlichen Event beschäftigen, in aller Regel werden die 2012 in Helsinki stattfindenden Europameisterschaften im Fokus unserer Leute stehen.

Da muss man dann nicht lange um den Brei herumreden. Es gibt internationale Normen, die aber Schall und Rauch sind, weil der nationale Verband eben auf die Erfüllung der eigenen, etwas höheren Normen besteht. Dies mussten in diesem Jahr schon Philipp Pflieger und Florian Orth zur Kenntnis nehmen. Beiden, im Besitz der internationalen EM-Norm, blieb Barcelona versagt, weil die nationale Norm eben noch ein Stückchen höher war und letzterer auch noch drei Athleten vor der Nase hatte, die schneller liefen als er.

Trotzdem haben Philipp Pflieger, Florian Orth, Michelle Weitzel, Susi Lutz, Corinna Harrer, Manuel Ziegler, Felix Hentschel und vielleicht auch die Dauerverletzten Stefan Matula bzw. Christiane Danner ihre Chance, wenn die beiden ihre empfindlichen Körper in den Griff bekommen. Und das ist klar und deutlich an den Norm-Leistungen von 2010 festzumachen. In der Reihenfolge der Namen heißt die Formel 13:35,00 – 3:37,00 – 6,60 – 9:48,00 – 2:01,00 oder 4:08,00 – 16,80 – 8:28,00 – 8000 – 4:08,00. Nicht mehr und nicht weniger, für die einen ist dies noch ein weiter Schritt, für die anderen eine ganz nahe Marke. Zurückhaltung in der Einschätzung ist dennoch geboten: Manchmal ist der letzte winzige Schritt der beschwerlichste.

Mögen die Neun in den nächsten Jahren noch so viele DM-Medaillen sammeln, ihr Talent gibt den Anspruch in Richtung der angegebenen Formel als Hauptziel vor, alles dazwischen kann nur schmückendes Beiwerk sein. Entgegen der derzeit vertretenen allgemeinen Meinung, man könne solche Ziele manchmal einfach so nebenbei oder „mit ein bisschen weniger als bisher“ erreichen, sind wir der Meinung, dass die Neun für das oben genannte Ziel, wenn’s denn in den Jahren darauf zum dauerhaften werden soll, vollen Einsatz gehen werden müssen, das heißt, sich persönlich in Grenzbereiche des sportlichen Tuns bewegen zu müssen – nicht mehr und nicht weniger.

Beileibe wollen wir die Mädels und Jungs damit nicht unter Druck setzen, doch wer stets den Spatz in der Hand pflegt, sollte nicht von der Taube auf dem Dach träumen. Wenn denn am Ende doch „nur“ nationales Top-Niveau herauskommt, ist dies auch absolut in Ordnung und förderungswürdig. Allein der Versuch schon, „es einmal probiert zu haben“ und das mit aller Konsequenz, zeigt die besondere Klasse solcher Leute. Wir meinen, diese neun Telis-Talente gehören dazu.