Deutschlands Langstrecklerinnen kämpfen mit der 16 Minuten Grenze

lutzsusi1_bremen_dm10tausend09_boydefotoRegensburg, 28. November 2010 (orv) – Deutschlands Langstreckenläuferinnen auf der Bahn sind international gesehen eine aussterbende Rasse. Wenn nun auch noch Sabrina Mockenhaupt auf die Straße geht, wird’s eng für die Langstrecklerinnen hierzulande. International gesehen muss die 15-Minutengrenze über 5000 m angestrebt werden, national kämpft das Gros der deutschen Spitzenläuferinnen mit den 16 Minuten und mit Simret Restle, die in den letzten Jahren öfter mal in den 15er-Bereich vorgestoßen ist, liebäugelt schon die Nächste mit der Straße.

Aufsehen hat in diesem Jahr auch die Aufnahme der Kölnerin Lisa Jaschke in den Marathon-B-Kader erregt. Viele Insider kannten sie nicht einmal. Die ehemalige Handball-Torhüterin hat die längste olympische Disziplin zwar noch nicht in Angriff genommen, aber auf der halben Distanz gleich mit einer für 20-Jährige ordentlichen 1:19:58 überzeugt. Ihre Unterdistanzleistungen sind allerdings mit 17:20 und 36:15 noch stark ausbaufähig.

So zieht sich denn die fehlende Schnelligkeit durch alle deutschen Laufdisziplinen, sieht man einmal von den beiden 800 m „Schnüfflerinnen“ Fabienne Kohlmann und Claudia Hoffmann ab. Eben jene schnelle Unterdistanz bringt auch Hindernismeisterin Antje Möldner mit, der zu wünschen ist, dass sie ihre schwere Erkrankung nun überwunden hat.

Hindernisbundestrainer Werner Klein hat deshalb in seiner Disziplin den Schluss gezogen, den 1500 m mehr Bedeutung zu geben. Er macht dabei meines Erachtens aber einen Denkfehler: Um über die 3000 m Hindernis wirklich erfolgreich zu sein, muss eher ein 5000 m-Training als jenes über 1500 m eingesetzt werden. Die schnelle 1500 m Leistung muss als Grundlage einfach vorhanden sein.

Es macht daher auch gar keinen Sinn, schon in jungen Jahren einen DLV-Langstreckenkader aufzubauen, weil jene Mädels, die später auf den längeren Distanzen erfolgreich sein können, auf Grund ihrer Unterdistanz-Fähigkeiten sich dann noch in den Mittelstrecken- bzw. vielleicht sogar noch Langsprintkadern befinden. Bei aller Zuversicht, Ausdauer später über die Jahre am besten entwickeln zu können, bleibt die unverrückbare Verbindlichkeit der Strecken untereinander. Mit 60 Sekunden über die Stadionrunde ist nur schwerlich eine Zeit unter 2:10 über die doppelte Distanz zu erzielen und mit eben jener 2:12 oder 2:13 kann man nur im äußersten Fall Richtung 4:20 laufen. Eine 4:20 reicht aber hinten und vorne nicht, jene 15 Minuten über 5.000 m anzugreifen. Es stimmt schon, eine Marathonzeit um die 2:30 ist auch mit einer 9:30 bzw. 16:10 realisierbar. Wenn’s jedoch schneller werden soll, braucht es mehr im Unter-Distanzbereich.

So muss denn hierzulande eine ganz andere Strategie gesucht werden, die da heißt: In jungen Jahren solide Mittelstrecklerinnen ausbilden und bei erkennbarer Affinität zur Langstrecke, diese Inhalte parallel und komplex dazu über Jahre mittrainieren. Das hat doch früher auch bestens funktioniert. Die Älteren unter uns werden sich sicher erinnern, dass eine Irina Mikitenko auch zuerst die 1500 m gelaufen ist und das unter 4:10. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts war dies eine gängige Methode: Wessinghage und Co. lassen grüßen und auch Olympiasieger Dieter Baumann fing mit den 1500 m an. Dazu müssen die Aspiranten/Innen aber über jene Anzahl von schnellen Muskelfasern verfügen, so einfach antrainieren kann man die nicht.