Die Deutschen Meisterschaften im Freien und in der Halle sollen attraktiver werden

Regensburg, 26. Dezember 2010 (orv) - Die Deutschen Meisterschaften in der Halle und im Freien sollen attraktiver und planbarer werden. Dieses Vorhaben geht der Bundesausschuss Wettkampforganisation im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) mit einem Konzeptpapier und Blick auf die Jahre 2011 und 2012 an. Manches ist dabei schon recht konkret, anderes noch in einer heißen Diskussion. „Wir wollen nicht alles ganz anders machen, sondern nur einiges anders zusammenfügen“, erklärt Frank O. Hamm, Vorsitzender Bundesausschuss Wettkampforganisation, der zunächst einmal Denkansätze liefern möchte.

Seit gut zwei Jahren gärt der Erneuerungsprozess nun in den Köpfen der AG Wettkampfwesen um ihren Vorsitzenden Frank O. Hamm. Der Elefant hat gekreißt und herausgekommen ist weniger als eine Laus. Die Titelkämpfe sollen eine Wochenend-Veranstaltung bleiben, aber gestrafft werden. Damit die Deutschen Meisterschaften insgesamt planbarer werden, sollen künftig die Teilnehmerfelder von vornherein beschränkt werden: 24 Starter aus den Blöcken, deren 20 auf den Mittel- und Langstrecken sowie 14 in den technischen Disziplinen sind angedacht. Macht man sich die Mühe und arbeitet sich durch Ergebnisliste der diesjährigen Braunschweiger DM-Ergebnisliste durch, kommt man zu folgender revolutionären Einsicht: In 40 Wettbewerben läge hier nur über 800 m der Männer (22 statt der geforderten 20) und im Stabhoch- und Weitsprung der Frauen (15 bzw. 17 anstatt der geforderten 14) Handlungsbedarf vor.

Der fast schon lächerliche Ansatz, über die Einschrumpfung der Siegerehrungen von acht Geehrten auf nun drei Geehrte, Zeit zu sparen, leuchtet auf dem Papier ein, in der Realität schaut’s indessen ganz anders aus. Im Grunde kann das jetzige verantwortliche DLV-Organisationsteam geradezu froh sein, an vielen Stellen jene lange dauernden Siegerehrungen in peto zu haben, ansonsten würde sich noch mehr Langeweile breit machen. Wer jenen unsinnigen, zeitraubenden Meisterschaftsprotokollismus je im Detail kennen gelernt hat, wendet sich ab mit Grausen. Mit Verlaub, als örtlich Leitender bei der Ausrichtung von drei Cross-DM, einer Straßen-DM und zuletzt den Deutschen Juniorenmeisterschaften sehe ich mich in der Lage, so ein Urteil abzugeben. Jedes Mal musste um eine Kürzung des Zeitplans mit den DLV-Verantwortlichen gekämpft werden, zuletzt gelang uns in Regensburg eine Reduzierung um 45 Minuten, die von uns angesetzten 90 Minuten wären genauso locker drin gewesen. Den Veranstaltungen hat dies nie geschadet, im Gegenteil, alle fünf wurden als „vorbildlich“ gehandelt.

Wer zur Durchführung eines 60 m Finales in der Halle (2010) geschlagene 35 Minuten braucht, sollte sich nicht unbedingt Gedanken über die Zulassungseinschränkungen bei Athleten machen. In den letzten Jahren gilt eh schon das Motto: „Man stelle sich vor, Deutsche Meisterschaften finden statt und keiner fährt hin.“ Vielmehr sollte er über seinen eigenen Organisationsfilz – im Innenraum stehen meist mehr Offizielle als Wettkämpfer – nachdenken. „Nur keinem weh tun“ hilft sicher dem sozialen Klima im Funktionärsstaat aber keineswegs der Sache. Funktionäre sollten eigentlich funktionieren, wie mein alter Freund Ex-Bundestrainer Lothar Pöhlitz gerne zu sagen pflegt und sich nicht ständig im Wege stehen.