Traditionsverein und Neukömmling nutzen ihren Infrastrukturvorteil nicht

weitzelmichelle6_blv-halle11_kiefnerfotoRegensburg, 27. Januar 2011 (orv) – In München und Fürth stehen derzeit Bayerns einzige Leichtathletikhallen. In Fürth gab seit Jahrzehnten Traditionsverein LAC Quelle Fürth, viele Jahre noch verstärkt durch die Leistungsabteilung des TSV 1860 München, den Ton in Bayerns Hallen vor. In den letzten beiden Jahren schicken sich die Hauptstädter von der LG Stadtwerke München an, dies kräftig zu ändern, nicht zuletzt mit namhaften Zugängen aus dem gesamten Bundesgebiet. Dazwischen liegt irgendwo am nördlichsten Punkt der Donau ein gallisches Leichtathletik-Widerstandsnest. Deren Athleten/Innen der LG Telis Finanz holten wie schon im letzten Jahr trotz mangelhafter winterlicher Trainingsmöglichkeiten den Löwenanteil der Bayerischen Meisterschaften unterm Hallendach. Sieben Goldene bei sechzehn Mal Edelmetall waren am letzten Wochenende in der Werner-von-Linde-Halle von der Münchner (4/12)  und Fürther Konkurrenz (2/6) nicht zu toppen.

lutzsusi1_blvhalle11_lutzfotoWie die Regensburger das wieder trotz ihres Winterhandicaps gemacht haben, konnte sich selbst deren Teamchef Kurt Ring nicht so ganz erklären. Die Formel „ein starker Block Lauf plus eine Springerin“ wäre zu einfach, weil gerade bei der langatmigen Abteilung sich die Oberbayern und Franken auch deutscher Spitze erfreuen. Teamgeist ist da schon ein anderes Wort. Wer bei den Donaustädtern einigermaßen gesunde Beine hatte, setzte die siegbringend ein. Reserven waren zudem noch vorhanden. Mittelstrecken-Kronprinz Flo Orth musste nicht einmal auf seiner Spezialstrecke, den 1500 m ran, weil seine Kollegen Plinke und Hentschel dies auch ohne ihn mit einem Doppelsieg meisterten und die Truppe aus Regensburg bei sechs möglichen Titeloptionen fünf nützte, drei mit Doppelsiegen und eine sogar mit einem Sweep.

Natürlich glänzen Namen wie Mohr, Schulze und Unger noch in einem anderen Licht. Die langsam groß werdenden Talente Lutz, Harrer, Orth und Weitzel verkaufen sich inzwischen auch nicht schlecht und was vielleicht das Wichtigste ist: Ihnen gehört auf Grund ihres noch geringen Leistungs-Lebensalter die Zukunft. Das häßliche Gerangel um’s – wieder einmal – liebe Geld in der Stabi-Fraktion der Münchner mag da auch nicht dienlich sein und trägt sicher nicht zum Image-Gewinn bei. Die Fürther, unverschuldet durch den jahrzehntelangen Kopfsponsor „Quelle“ in Not geraten suchen noch nach Antworten in den nun wieder niedrigeren Gefilden und taten sich mit den sechs Medaillen schwerer als angenommen.

dannerchristiane3_blv-halle11_kiefnerfotoDass Regensburger Siege nur durch ein Ausfüllen des derzeitigen oberbayerisch-fränkischen Leistungsvakuums entstanden seien, widerlegt der Blick in die derzeitige deutsche Bestenliste. Dort haben sich etliche Telis-Akteure schon mal unter den Top-ten eingemeißelt, auch wenn Laufcoach Kurt Ring auf Grund der Gegebenheiten auf eine komplette Hallensaison verzichtet, sie letztendlich nur zum Formtesten nutzt. So lang dies auf so hohem Niveau geschieht, kann dies für die Leichtathletik in Bayern nur gut sein. Und ganz so stringent ist jene Strategie dann doch nicht. Edelmittelstreckler David Fiegen düst drei Mal die Woche nach Fürth um den Traum von einem starken Comeback schon im Winter zu verwirklichen. Die schnellen Damen Susi Zimanyi und Pamela Spindler können ebenso wie Mittelstreckler Florian Orth auf Grund ihres derzeitigen Lebensmittelpunktes die Münchner Halle nutzen und basteln deshalb auch an einer Wintersaison.