Michelle Weitzel und Florian Orth wagen schon mehr als einen Blick zur Hallen-EM

weitzelmichelle2_blv-halle11_kiefnerfotoStuttgart/Neukirchen, 5. Februar 2011 –  Der Blick zum Regensburger Leichtathletik-Himmel war selten so klar wie in diesen Tagen. Langsam, aber unaufhörlich leuchtet ein Stern nach dem anderen hell auf. An der Stetigkeit ihrer Leuchtkraft kann man schnell ausmachen, dass es sich nicht um schnell verglühende Kometen, vielmehr um Fixsterne in der olympischen Kernsportart Nummer eins handelt. Da haut Weitspringerin Michelle Weitzel ein Feuerwerk von erstklassigen Serien im Sechseinhalb-Meter-Bereich heraus, Mittelstreckler Florian Orth kommt in Stuttgart als Sieger des Nachwuchsrennens in Bereiche von Vize-Europameister Carsten Schlangen und Laufküken Corinna Harrer verprügelt bereits Silvester als deutsche Mittelstreckenhoffnung auf unsäglich langen 11,2 Kilometern die fast ganz anwesende deutsche Langstreckenprominenz. Immer mehr kommt auch800 m Mann David Fiegen in Schwung, auch wenn die 1:49,86 von Wien nur erahnen lassen, welch Potential in dem Telis-Mann steckt.

Die letzten Tage waren wieder einmal ein deutliches Indiz für diesen Trend. Angefangen hat’s bereits am letzten Dienstag in der österreichischen Hauptstadt. An Robin Schembera und Sebastian Keiner wird David Fiegen in drei Wochen bei der Hallen-DM wohl noch nicht vorbeikommen, angeklopft hat er allemal und wenn man Vater und Trainer Romain Fiegen glaubt, „wird man den richtigen David erst wieder im Sommer sehen.“ Es könnte durchaus der Fall eintreten, dass dann ein Luxemburger aus Regensburg um den DM-Titel über 800 m mitkämpft.

Weiter ging’s zwei Tage später in Linz. Michelle Weitzel, um es vorweg zu nehmen, hat dort die EM-Norm wieder verpasst aber dennoch ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Mit 6,38 wurde sie Zweite im internationalen Feld, lag aber damit vor Vize-Weltmeisterin und Sieben-Meter-Springerin Naide Gomes. Wieder zwei Tage später, beim weltbesten Hallensportfest überhaupt, dem Sparkassen-Meeting in der Stuttgarter Schleyer-Halle durfte Telis-Mittelstreckler Florian Orth ran, erstmals in seiner Spezialdisziplin 1500 m. Im Nachwuchsrennen der U23 erhielt er eine Chance und nutzte sie gleich so gut, dass zumindest für eine Stunde die neue deutsche Jahresbestzeit von 3:41,29 heraussprang. Auf dem Papier eine trockene Zahl, die aber spätestens im Vergleich mit der DLV-Hallen-EM-Norm von 3:41,00 großes Gewicht erlangt. Wer weiß, ob der Regensburger diese 29 Hundertstel im Hauptlauf, indem dann Vize-Europameister Carsten Schlangen nur gut eine Sekunde schneller war (3:39,93) nicht sogar noch herausgelaufen hätte.

In der Crossszene, in der auch Regensburgs Laufasse einen immer besseren Namen machen, gab Telis-Neuzugang Julian Flügel bei der Abschlussveranstaltung des Deutschen Cross-Cups, dem Energie-Cross in Neukirchen, als Sechster eine gute Vorstellung ab. Nur 50 Sekunden hinter dem Zwölften der Cross-EM Steffen Uliczka kam der Regensburger ins Ziel. Es sollten nicht die einzigen Fixpunkte des Leichtathletik-Winters bleiben, das Saatgut ist bestens, wie die internationalen Achtungserfolge der vergangenen Jahre im Nachwuchsbereich zeigten, der Riese im Dunkeln erwacht. Wie stark und wie oft er leuchtet, wird der kommende Sommer noch zeigen.