Goooood quality – goooood quantity – goooood race – goooood price

pflieger2_koblenz_foto-schaakeKürten, 9. Februar 2011 (pöhlitz) - Die Signale aus den Höhen von Südafrika und Kenia machen nicht nur Hoffnung, sondern sollten auch den daheim Trainierenden, für die ein Höhentraining noch zu früh käme, Antrieb zum nächsten Schritt sein. Seit Ron Weigel bei den Straßenläufern das Kommando übernommen hat, scheint der Hebel umgelegt. Aus den Berichten in Leichtathletik 5/2011 und auf den Homepages von Jan Fitschen und Sebastian Hallmann gewinnt man den Eindruck, dass endlich ein frischer Wind weht und die Athleten auch bereit sind, erhöhten Forderungen zu folgen. Aus der Höhe von Dullstroom / Südafrika – wo ein „reanimierter“ André Pollmächer gemeinsam mit Sabrina Mockenhaupt (die sich nach ihrem Trainer-wechsel glücklicherweise nun auch fürs Höhentraining entschieden hat) unter Leitung von Weigel im Training neue Grenzerfahrungen machten, erfährt man, dass sie sich auch schon über einen noch höheren Anspruch, für ein Training bis 3000 m Höhe rund um Toluca / Mexico, verabredet haben. Da haben bekanntlich Katrin Dörre-Heinig und viele andere ihre guten Leistungen in der Vergangenheit schon vorbereitet.

Wer gefördert werden will muss sich auch Forderungen stellen

Auch die Versäumnisse der Vergangenheit werden öffentlich gemacht. Angemahnt wird nicht nur mehr Training, sondern auch verdeutlicht, das die Kaderathleten zukünftig mit einer zentralen Trainingsdatendokumentation zu leben haben. In den 90iger Jahren gab es das schon einmal. Da muss doch zwischenzeitlich jemand seiner Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sein. Schließlich liest man immer wieder, dass, wer gefördert werden will, sich auch Forderungen unterwerfen muss. Diese Logik ist alt und sollte auch aktuell für alle Läufer gelten. Auch früher gab es schon Versuche, die Kadervorteile des Verbandes in Anspruch zu nehmen, aber z.B. nur dort Marathon zu laufen, wo auch die Prämien stimmten. Um die EM, WM oder OS im Nationaltrikot zu umgehen, halfen kleine Wehwehchen, der Rücken oder andere muskuläre Probleme. Die waren dann bis zum nächsten großen Citymarathon wieder weg. Weil das Anspruchsniveau die Trainingsbelastungen bestimmt, gibt es auch für die Nominierungsnormen neue höhere Orientierungen. Gut. Wer beim derzeitigen Niveau in der Welt die deutschen Läufer angemessen repräsentieren will und dafür nicht Zeiten unter 2:12 anbieten kann, endet bei großen Marathon-Events im letzten Drittel und hat auch keinen Anspruch auf eine Olympianominierung. Da kann man dem neuen Bundestrainer nur zustimmen.

Auch die Kunde aus Iten/Eldoret stimmt optimistisch

Wer Leistungssport lebt wird auch die Berichte von Jan Fitschen und Sebastian Hallmann aus Kenia, wo sich im Januar geschätzte 500 Läufer aus aller Welt „fortbildeten“, aufmerksam gelesen haben. Jan hatte schon aus seinem ersten Höhenaufenthalt in der 2011 – Vorbereitung aus Flagstaff / USA im November berichtet, dass er die von Trainer Tono Kirschbaum verordnete Verlängerung der normalen Dauerläufe von 15 auf 20 km und der langen von 30 auf 35 km letztendlich bewältigt hat. Das sind die Basisstrecken für den Marathon. Im zweiten Schritt darf aber die Geschwindigkeitsentwicklung auf diesen Strecken zum Wettkampf hin nicht vernachlässigt werden. Marathontraining bedeutet, im hohen Trainingsumfang die Geschwindigkeit zu entwickeln, aber dabei die langen Strecken nicht zu vernachlässigen.

500 Läufer um Eldoret / Iten machen deutlich: alle Geheimnisse sind öffentlich


Wer jetzt noch zu wenige Kilometer zu langsam läuft sollte sich nicht schämen, er/sie muss nur etwas ändern! Jan und Sebastian lassen alle teilhaben an den Geschehnissen in Afrika. Da wird deutlich, dass wir über das notwendige Wissen um das trainingsmethodische Vorgehen auf den Langstrecken verfügen, man spürt aber auch, dass unser derzeitiges Niveau noch kein Gruppentraining mit den guten Kenianern zulässt. Deshalb sollten sich unsere Erwartungen in Richtung Leistungsfortschritt zunächst noch in Grenzen halten. Erst müssen noch die Bremser aus dem Weg geräumt werden. Dann müssen weitere Läufer solchen Investitionen folgen, auch noch im Jahr 2012, damit sich keiner nur für die Einkleidung der Olympiamannschaft qualifiziert.

Die Besten haben immer auch außergewöhnlich trainiert

Was aus Südafrika und Kenia berichtet wird, kann Vorbild für alle sein: „mehr - schneller – länger – profiliert – leichtfüßig – in Gruppen und immer öfter in Höhen zwischen 2000 – 3000 m“.Die vor Ort beobachteten Zugwiderstandsläufe mit einem Autoreifen auf einer unebenen Wiese über 3 x 1600 m zeigen, welche Anstrengungen „unsere zukünftigen Gegner“ machen, um Einladungen für die großen Marathons zu erhalten. Der Schlüssel ist die Qualität in der Quantität, eine systematische Geschwindigkeitsentwicklung in einem hohen Trainingsumfang.Immer länger in der Zielgeschwindigkeit steht dabei im Mittelpunkt der vielfältig zu lösenden Aufgaben. Da sind uns die Weltbesten um Jahre voraus. Jan Fitschen ist mit seinen Umfängen um 200 km schon auf einem guten Wege. Wünschen wir allen Langstrecklern ähnliche Konsequenzen. Die Zweifel, ob vielleicht nicht weniger,dafür aber schneller besser ist, wurden in der Geschichte des Langstrecken- und Marathontrainings immer wieder widerlegt. Die Besten haben immer auch außergewöhnlich trainiert. Die übermittelten Sprüche aus dem Kenia-Alltag  „goooood quality – goooood price“ kann man auch gut auf die Trainingsmethodik übertragen. In der Überschrift habe ich es versucht.