Wo laufen sie denn? Crosslauf in Deutschland am Scheideweg

cross-dm05-startRegensburg, 7. März 2011 –  Vom eigenen Verband stiefmütterlich behandelt, aufopferungsvoll vom örtlichen Ausrichter aufgepäppelt und dennoch eine Randerscheinung in der großen Leichtathletik geblieben – das waren die Deutschen Crosslaufmeisterschaften vom 5. März 2011 in Löningen. Wir Regensburger meinen – nicht nur deshalb, weil wir selbst die Titelkämpfe dreimal ausgerichtet haben und ein stark lauforientierter Club sind: Schade!!! Am Rande der Titelkämpfe, ziemlich am Ende der Veranstaltung, führte ich ein interessiertes Gespräch mit einem Bundestrainer. Was heißt eigentlich Gespräch, es war ein zehnminütiger Monolog, in dem der gute Mann völlig zurecht und voll treffend die Misere beim Namen nannte.

„Unsere Läufer/Innen sind gar nicht so schlecht. Sie werden samt ihren Veranstaltungen einfach miserabel verkauft. Was läge denn dran, wenn der DLV für solche Veranstaltungen einen Truck mit technischen Ausrüstungen zur Verfügung stellen würde, zudem die Veranstaltung als Event von fachkundigen Moderatoren kommentieren ließe. Siegerehrungen in der Halle, Läufe zum selben Zeitpunkt auf dem Parcours, das ist doch Quatsch! Ergebnisdienst und Information für die Zuschauer müssen einfach verbessert werden. Selbst eine Videowall sollte nicht unerschwinglich sein“, so der Kern seiner Ausführung.

Dem ist schon fast nichts mehr hinzuzufügen. Ohne den ewigen Klumpfuß des Weltrekordvergleiches ist der Cross eine Veranstaltungsperle, attraktiv, spannend und spektakulär. Man müsste ihn nur ins Bild setzen – zum Beispiel mit einem Livestream. Dazu muss man allerdings ein wenig Geld in die Hand nehmen. Lässt das vielleicht das „Krämerdenken“ der altbackenen Funktionärsgarde nicht zu? Jeder Geschäftsmann weiß: Wenn ich nicht investiere, werde ich meine Firma nicht weiter bringen. Die Bremser vom Dienst, welche Namen sie auch immer in den riesigen Funktionärsgremien haben, sollten mal schleunigst aufwachen.

Nicht der Sport ist schlecht, sondern dessen Präsentation – altbacken, konservativ und aus der Zeit. Der ewige Schrei nach grundlegenden Regel- und Wettkampfänderungen ist wildes Geheule jener, die im Eventmanagement grundsätzlich überfordert sind. Hie und da ein paar Korrekturen und schon läuft der Laden gleich besser. Als da wäre ein strafferer Zeitplan, die Verkürzung so manchen Nachwuchswettbewerbes, weil dessen Ausgang unter den Top-ten in der Regel schon bei Hälfte feststeht.

Der Hinweis auf die internationalen Rennen und die dort verwendeten Längen ist derzeit einfach nicht passend. Die Handvoll von Athleten/Innen mit internationalem Zuschnitt brauchen zur Formgewinnung ganz andere Rennen als die nationalen Titelkämpfe und sind vielleicht froh über ein Unterdistanzrennen in Vorbereitung auf das Großevent. Zudem werden es später vor allem die schnellen Leute sein, die vier, fünf Jahre später dann vielleicht international punkten werden. Die findet man am allerwenigsten bei 17-jährigen Trainingsweltmeistern, deren hervorstechendstes Merkmal ihr „langsamer“ Fuß ist.

Wer einmal bei einer Cross-EM dabei war, weiß, was Cross sein kann. Ob Brüssel, ob Dublin oder Albufeira – es war Laufsport pur. Nur in Darmstadt scheint diese Erkenntnis noch nicht angekommen zu sein. Eigentlich bräuchten die Herrschaften nur jedes Jahr Ende November auf die Lichtwiese hinaus wandern, um zu sehen, was endlich in Gang zu bringen ist.