Athleten tun sich oft schwer, ihre finanziellen Quellen im Sport richtig einzuordnen

Regensburg, 11. Mai 2011 –  Fast immer schauen Leichtathleten neidisch auf die Fußballer, wenn es um’s leidige Geld geht. „Der spielt in der Kreisliga und bekommt zehnmal so viel wie ich als Deutscher Juniorenmeister“, so oder ähnlich heißen dann die Sätze, die etwas gefrustete Jungstars gerne in den Mund nehmen, „ungerecht sei das und real überhaupt nicht nachvollziehbar.“ Bei Betrachtung der zu vergleichenden Leistungen mag man den jungen Sportlern sogar recht geben. Bei näherem Hinsehen muss aber festgehalten werden, dass alles was mit Geld zu tun hat, eben doch ein Geschäft ist. Ein Geschäft braucht aber einen Markt. Zum einen ein gutes Angebot, was man bei ausgezeichneten Leichtathleten keineswegs ausschließen mag, zum anderen aber eine rege Nachfrage, die bei Läufern, Springern und Werfern im Gegensatz zu den Ballspielarten eher suboptimal ausgeprägt ist. Dröseln wir dennoch jenes Gewirr der Athletenzuwendungen ein wenig auf.

Da wären zum einen mal die in vielen Vereinen noch üblichen Aufwandsentschädungen für Wettkampffahrten, Übernachtungen und Startgebühren. Bei einem Jahresmitgliedsbeitrag zwischen 40 und 120 Euro je Verein pro Mitglied ergibt sich hier schon ein opulentes Ungleichgewicht zu Lasten der Vereine. Bei einem guten Athleten kommen da im Jahr oft gut und gerne 2000 bis 3000 Euro an Wettkampfauslagen zusammen. Wen wundert’s, dass viele kleine Vereine hier schon Einschnitte machen müssen, weil einfach die nötigen Mittel nicht vorhanden sind. Selbst einige „Große“ haben sich inzwischen nur noch auf Meisterschaftsersatz verständigt. Das alles ist aber nur ein kleiner Teil des Kuchens. Selten denken Athleten an jenen geldwerten Ersatz, der ihnen über kostenloses Training, Platzbenützung und Bekleidungsüberlassung zu Gute kommt. Wer jemals einen Verein geführt hat, weiß, was das alles kostet. Allein die Platz- und Hallenmieten machen vierstellige Beträge pro Jahr aus, für die Betreuung müssen zusätzlich Trainer bezahlt werden, für die die öffentliche Hand derzeit pro gehaltener Stunde mit viel Glück um die drei Euro beisteuert. Wären da nicht absolut leidensfähige Übungsleiter, oft sogar mit Hochschulabschluss als Sportlehrer, würde der Sportbetrieb eh schon längst stehen. Denkt man dann noch an die Sportbekleidung, von der selbst der Jüngste in unserem Klub, der LG Telis Finanz, das Wettkampfset aus kurzer Hose und Trikot umsonst und den Rest zum halben Preis bekommt, ergibt sich auch daraus eine erkleckliche Summe.

Glücklich sollten sich jene Athleten/Innen schätzen, die zudem noch in den Genuss von Förderungen, seien sie aus öffentlicher Hand oder eben auch aus dem Clubsäckel, erhalten. Allein die Prämien für Meisterschaftserfolge machen da bei einem Verein wie der LG Telis Finanz Regensburg ganz schnell eine fünfstellige Eurosumme pro Jahr aus und auch hier wird sehr schnell die Zusatzförderungen Vereinsphysios, Studiobenützungen, Auslandstrainingslagerzuschüssen, medizinische Betreuung, Ernährungsberatung etc. als „Kohle, die man bekommt“ vergessen. In Regensburg gibt’s für einige Auserwählte, die oft einmal einfach „zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“ waren ebenfalls bezuschusste Wohnmöglichkeiten im Athletenhaus, weil eben gerade mal wieder ein Zimmer frei geworden ist. Letztendlich gilt aber auch noch immer das Gleichheitsprinzip analog des Beispiels „ein dritter Platz bei Deutschen Meisterschaften ist in der Regel gleich viel wert, ganz egal, ob im Marathon oder im Hochsprung erzielt.

Wenden wir uns nun der dritten Säule der finanziellen Zuwendungen für Athleten zu. Besonders stolz sind aufstrebende Jungstars, wenn sie ihren ersten Sponsoringvertrag unterschrieben haben. Nicht selten vergessen sie aber dann, dass sie nun endgültig im Geldgeschäft angekommen sind. Ein Sponsorvertrag ist ein Geschäft, das zwei Partner untereinander abschließen. Der eine hat was zu bieten in Form seiner sportlichen Leistung und der damit verbundenen Öffentlichkeitswirkung, der andere hat einen Bedarf in Richtung Werbung für sein Unternehmen. Jeder der beiden will natürlich für sich das Beste herausholen. Pech für die Leichtathletik ist nur, dass die olympische Sportart Nummer eins für fast alle ihre Protagonisten keinen Marktwert hat. Ausnahmen wie Lauf-Olympiasieger Dieter Baumann und Stabhochspringer Tim Lobinger bestätigen nur die Regel, wiesen aber als Leistungssportler auch exorbitante Leistungen auf. Gerade hier im Sponsorenbereich kommt dann so manche Athletenseele ins Wanken und fühlt sich benachteiligt, zumal, „wo man doch jeden Tag hier und dort so einiges hört über Geldzuwendungen, von denen man selbst nur träumt“. Da werden dann Äpfel mit Birnen verglichen. Doch gemach: Das Vertragspapier, ausgerichtet auf die Bedürfnisse des Zahlenden (!!) kann man unterschreiben oder auch nicht.  Das Gleichheitsprinzip spielt zumindest hier nicht mehr die geringste Rolle, einzig allein das Geschick der jeweiligen Verhandelnden ist entscheidend. Das ist weder kriminell oder unsozial, und im Gegensatz zu den durchaus zu veröffentlichen Förderungen eines System unterliegen diese vertraglichen Abmachungen der strengen Vertraulichkeit.

Von Kurt Ring