Zwischenruf von Kurt Ring

ring_k_foto_privatRegensburg, 14. Mai 2011 –  Die Welt braucht Sensationen. Und wenn diese einfach mal nicht vorrätig sind, wird zum Skurrilen und  Absonderlichen gegriffen. Yellowpress eben – das Geschäft muss weiter gehen. Nach Beispielen braucht man da nicht lange zu suchen. Auch in der Welt des Sports finden sich viele „Öffentlichkeitsgeile“, die zwar nicht unbedingt Maden futtern, um in die Schlagzeilen zu kommen, aber ansonsten auf die absonderlichsten Ideen kommen. Jüngstes Beispiel ist Rückwärtsläufer Thomas Dold, aus sportlicher Sicht eher ein unbedeutender Mitläufer, PR-technisch aber ein ganz „Großer“.

Zu solchen News gehören immer zwei. Derjenige, der unbedingt in die Gazetten will, koste es was es wolle, und die diejenigen die auf jenes seichte Gehabe erbarmungslos reinfallen. Bei der schreibenden Zunft sind das nicht wenige und selbst ein angesehenes Fachportal wie leichtathletik.de macht da keine Ausnahme. Fragt man interessierte Leser/Innen aus dem erweiterten Spektrum der Geschehnisse – im Fall Rückwärtslaufen jene aus der Laufszene – interessieren solche Berichte keinen und das nicht im Geringsten.

Anstatt einmal mühevoll tiefgründig Interessantes zu recherchieren, wird jede Chance genutzt, Kirmessensationen an den Mann zu bringen. Freilich jene, die solche Meldungen anbringen wollen, verpacken ihr Produkt inzwischen recht geschickt. Erinnern wir uns nur noch an den Fall Jule Assmann, eine Zehnjährige, die ihr eigener Vater durch einen Marathon trieb, mit eigener Homepage prangte und von einem seriösen Institut, wie der Sporthochschule Köln zu einer medienträchtigen Studie benutzt wurde.

Schaut man sich diese etwas genauer an, entdeckt man wenig Wissenschaftliches und schon gar nichts zum Netzwerk von Einflüssen, die sportliches Talent ausmachen. Im Überfluss war dagegen die Wichtigtuerei der Schutz befohlenen Erwachsenen, angefangen von den Eltern bis hin zu den wissenschaftlichen Mitarbeitern der Uni Köln, zu bemerken. Schonungslos wurde das noch vorpubertäre Mädchen als Gallionsfigur einer mehr als dünnen wissenschaftlichen Studio sogar ins Fernsehen gezerrt. Inzwischen ist die Karriere des als „Jahrhundertalent des Deutschen Laufs“ gepriesenen  Mädchens im zarten Alter von 17 Jahren zwecks Erfolgslosigkeit von ihr selbst beendet worden.

So bleibt denn die Tatsache, dass gemeines Leservolk längst nicht so doof ist, wie es anscheinend von der Medien gehalten wird. Es ist einfach nicht so, dass grundsätzlich das in den Schlagzeilen steht, was „Mensch“ draußen lesen will. Der Verdacht erhärtet sich immer mehr, das „Journalist“ inzwischen über jeden PR-Mist, der ihm aufgetischt wird, drüber fällt. „Tiefgründig Interessantes“ ist eben nicht so leicht zu haben, meist versteckt wie wertvolle Trüffel im Waldboden. Im Falle des Rückwärtsläufers Dold kommt hier daher von mir, als einem, der sich in der Laufszene bestens auskennt ein klares Nein. Nein, das wollen wir einfach nicht mehr lesen, hören oder auch sehen!

Von Kurt Ring