Sparkassen Meeting Direktor Kurt Ring im Interview beim Leichtathletik Magazin

ring-gala10_kiefnerfotoRegensburg, 16. Juni 2011 (leichtathletik-magazin/geihs) - Am 4. Juni fand sie Sparkassen Gala im Regensburger Uni-Stadion statt. Am Start war ein Großteil der deutschen Spitze sowie Athleten aus 25 Nationen. Wie konnte sich die Gala innerhalb weniger Jahre als eines der wichtigsten deutschen Meetings etablieren? Steffi Geihs von der Fachzeitschrift Leichtathletik Magazin befragte den Regensburger Macher während der Sparkassen Gala.Viele Fragen des für Deutschland doch recht ungewöhnlichen Meetings wurden erörtert.Letztendlich erlebte die Veranstaltung ihren Urknall als der damalige leitende Bundestrainer Jürgen Mallow 2006 während der Fußball-WM mangels anderer Ausrichter fast die gesamte Qualifikation für die Team-EM nach Regensburg verlegte. "Das ist eine einmalige Chance - macht was draus", meinte er dazu. Hier geht's zum Interview ...

Herr Ring, momentan läuft das Vorprogramm. Was erwarten Sie sich von der heutigen Veranstaltung?
Ich hoffe, dass die Gala problemlos abläuft, dass gute Leistungen erzielt werden und Athleten sowie Zuschauer zufrieden sind.

Wie zufrieden sind sie selbst mit dem bisherigen Verlauf?
Ich bin sehr zufrieden. Das Vorprogramm ist ein Test für die Hauptveranstaltung und es läuft trotz Schwierigkeiten gut. Aber ich würde mir wünschen, dass der Wind weg geht. Das Wetter ist leider nicht ideal.

Das Meeting gibt es nun schon seit über zehn Jahren. War es Ihr Plan, die Gala als einen der wichtigsten Wettkämpfe im Bundesgebiet zu etablieren?
Nein, das ist gewachsen, wir haben klein angefangen. Ich bin Trainer eines Lang- und Mittelstreckenteams. Früher fand ich für meine ersten guten Läufer nie vernünftige Wettkämpfe. Weil es nichts Passendes gab, habe ich ein eigenes Meeting aufgebaut.

Wie konnte es dermaßen wachsen?
Der Knotenpunkt war 2006, als die Ausscheidung für die Team-Europameisterschaft in Regensburg stattfand und fast die ganze Nationalmannschaft anwesend war. Zu diesem Zeitpunkt wollte niemand anderes eine Großveranstaltung ausrichten, weil gerade Fußballweltmeisterschaften in Deutschland waren.

Viele Athleten sind Ihnen treu geblieben. Und das, obwohl sie kaum Antrittsgelder zahlen …
Das ist nicht richtig, das muss ich revidieren. Wir zahlen sehr wohl Antrittsgelder. Inzwischen geben wir gut die Hälfte des Etats für die Athleten aus, und der ist gar nicht mehr so klein.

Sie setzen auf regionale Förderung und auf Topathleten
Ja, beides ist wichtig. Die Leichtathletik ist eine große Familie und bei einem großen Fest gehören beide – der Nachwuchs und die regionalen Athleten/Innen auf der einen Seite, soweie die Topathleten auf der anderen Seite dazu.

Was waren Ihre persönlichen Highlights der Gala?
Da gibt es viele. Höhepunkte sind natürlich auch, wenn eigene Athleten gewinnen. Wir gestalten die Wettbewerbe so, dass unsere Sportler – sofern sie der deutschen Spitze angehören – vorne mitmischen können. Wir nehmen von ausländischen Athleten Abstand, die unsere Teilnehmer vorführen würden, sondern suchen leistungsadäquate Gegner, die auch schlagbar sein könnten.

Das alles ist mühsame Organisationsarbeit. Wie viele Arbeitstunden stecken in der Veranstaltung?
Es ist Ganzjahresarbeit. Eigentlich geht es morgen wieder los und hört erst mit der nächsten Gala auf. Ich bin kein professioneller Veranstalter, erst als ich pensioniert wurde, wurde das Ganze einfacher. Und ich habe 100 bis 120 ehrenamtliche Mitarbeiter, auch viele Mütter und Väter von Athleten/Innen aus dem Verein. Sie sind mit dem Herzen dabei, darauf bin ich stolz.

Wie sieht die Zukunft der Gala aus?
Sie soll ein Meeting in dieser Größenordnung bleiben. Auch die Läufernacht, die dieses Jahr erstmalig ausgetragen wurde, soll im Programm bleiben. Aber ich würde es gut finden, wenn wir noch den ein oder anderen Topwettkampf integrieren könnten. Zum Beispiel die Deutschen Meisterschaften über 10.000 Meter. Die finden oft ganz ohne Publikum statt, dabei wäre hier in Regensburg eine tolle Atmosphäre.

Haben Sie ein Geheimrezept, wie sie es schaffen, die Veranstaltung für die Zuschauer attraktiv zu gestalten?
Ich habe zwei Kernsätze. Der erste lautet: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Und der zweite: „Wer etwas ändern will, muss auch etwas verändern.“ Es wird nicht gelingen, die Leichtathletik nur punktuell und schnell mal zu verändern. Stattdessen muss man alte Zöpfe abschneiden. Das gelingt uns hier mit einem sehr engen Zeitplan. Beim ersten Mal haben die Moderatoren noch gesagt, wir werden eineinhalb Stunden Verspätung bekommen. Doch wir hatten keine. Es geht durchaus. Gut, es ist Stress für uns Veranstalter. Aber nur für uns. Die Zuschauer lieben das straffe Programm.

Wie zufrieden sind Sie mit der Zuschauerresonanz?
Bisher sind zwischen 2.000 und 2.500 Zuschauer gekommen, das schwankt von Jahr zu Jahr. Für das, was auf der Gala geboten wird, ist die Resonanz aber schlecht. Diesbezüglich sind wir noch nicht professionell genug. Wir bräuchten eine Vermarktungsagentur, aber das nötige Geld haben wir momentan nicht zur Verfügung. Generell kommt die Leichtathletik nicht mehr an ihre alten Zuschauerzahlen heran, weil sie über Rekordhatz und Größenwahn die Fans vergessen hat. In der Leichtathletik haben wir leider die Identifikation der Fans mit dem Verein verloren. Daran sind wir eindeutig selbst schuld.

Wäre es Ihrer Meinung nach möglich, wieder höhere Zuschauerzahlen zu erreichen?
Alles wäre möglich, man muss nur etwas ändern. Wenn man in der Schleife mitläuft, die keinen Erfolg hat, dann wird man selbst auch keinen Erfolg haben.

Was genau bedarf der Veränderung?
Erstens muss die Organisation eines Meetings straff sein, auch wir müssen unser Programm noch überdenken. Und zweitens brauchen wir ein Qualifikations- und Ligensystem, bei dem es Aufstiege gibt. Es darf nicht immer nur die Bestzeit zählen, denn die ist abhängig von den relativen Bedingungen. Es muss wieder viel mehr um Sieg und Platzierungen gehen.

Wie könnte man Ihre Wünsche realisieren?
Es müsste auf vielen Organisationsebenen in der Leichtathletik Änderungen geben. Keiner spricht Klartext, weil keiner dem anderen weh tun will. Wir brauchen eine Sachkritik und den Mut, etwas zu verändern. Dann können wir das Beste herausholen.