Bei der Sparkassen Gala in Regensburg kamen neue Ideen gut an

Kürten, 27. Juni 2011 (pöhlitz) - Die Diskussion um die  Präsentation der Leichtathletik in Stadien und Hallen ist im Zusammenhang mit dem schwindenden Zuschauerinteresse und TV-Einschaltquoten immer wieder einmal Thema. Das kann man natürlich nicht, wie kürzlich bei der TEAM-EM in Stockholm, an solchen Hundstagen mit Kälte und Regen festmachen. Experimente in der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, dass die  Leichtathletik-Zuschauer in aller Welt nicht wegen Discomusik oder Entertainern aus Funk und Fernsehen in die Stadien kommen, sondern wegen dem „Wettstreit um den Sieg“ in einem jeweils ausgewogenen Programm aus vielen Disziplinen der Leichtathletik (bei 2 – 3 Std. Dauer). Da könnte man sich einmal fragen warum bei Amerikanischen Meisterschaften nicht selten mehrere Tage die Hütte voll ist.

In den Läufen kann schon einmal ein Taktikrennen dabei sein, wenn es für die Zuschauer sehr gut kommentiert wird. Immer mehr wenden sich aber inzwischen auch von den Läufen im TV ab, weil sie langweilig präsentiert werden, nach den ersten 200 m, weil zu langsam, bereits verkündet wird, dass kein Weltrekord mehr möglich ist oder auf den Plätzen 1-12 namenlose „Schwarze im gleichen Trikot“ einlaufen. Im TV werden neuerdings von den Langstrecken nur die finalen Runden gezeigt, die Moderatoren sind nicht selten überfordert mehr als den Ersten mit Namen zu nennen, Geschwindigkeiten die nicht auf ihrem Weltrekordplan stehen einzuordnen. Schon der Zweite ist uninteressant, der erste Verlierer! Werbung nach jedem Wurf, Sprung oder Lauf, oft in der mehrfachen Länge der Sportpräsentationen animieren immer öfter zum „zappen“. Der sportliche Wettkampf wird zum Beiwerk für die Werbung.

Die europäische und auch nationale Leichtathletik muss wieder besser zur Geltung kommen

Bei eurosport.com zeigt Sigi Heinrich am 20.6.2011 nach der TEAM-EM mit den Fingern u.a. auf die Läufer:  “Die Sportfans nehmen die Leichtathletik kaum noch wahr, zumal vor allem auf den Mittel- und Langstrecken kaum noch europäische Athleten zu sehen sind. Dort dominieren Ostafrikaner, denen es gegönnt sein möge, dass sie mit Laufen ihren Lebensunterhalt verdienen können. Aber es kann sich mit den vielen Läufern aus Kenia und Äthiopien niemand mehr identifizieren, zumal sie mittlerweile auswechselbar scheinen.“. Das könnte man auch als Ruf nach besserer Wettkampforganisation im Interesse der Zuschauer verstehen.

Am liebsten hätten nicht nur die Moderatoren starke deutsche Läufer oder fieberten die Leichtathletik - Fans mit ihnen, wenn sie in schnellen Rennen mit um den Sieg kämpfen könnten. Schade dass diese Mentalität derzeit etwas im Keller ist und die Läufer und ihre Trainer von offensiver Renngestaltung immer weniger halten. Kurt Ring – der Macher von Regensburg – formulierte dazu noch im Zusammenhang mit der letzten Gala: "Wir müssen wegkommen von den Antrottsgeldern und hin zu einem Leistungsprämiensystem“, und unterstrich dass sich da die Disziplinblöcke nicht unterscheiden. Ist das eine Ursache dass auch immer mehr Veranstalter passen?

Zuschauerinformation ist wichtig

Die Leistungspräsentation, die Informationen während der Wettkämpfe, Zwischenzeiten oder die schnelle Anteilnahme an positiven oder auch negativen Ergebnissen ihrer Idole in und nach den Rennen wecken Emotionen, Diskussionen, Freude oder auch Enttäuschungen über die Zeiten und Platzierungen. Deshalb müssen die Zuschauer anders als bisher, stets aktuell von jeder Wettkampfanlage (Sprünge , Würfe, Läufe) über die Ergebnisse, Zwischenstände, aktuelle Veränderungen nach jedem Versuch, auch nach jeder Runde in den Laufdisziplinen auf günstig platzierten Anzeigetafeln informiert werden. Sie wollen nicht nur Fragmente eines gelungenen oder missratenen Versuchs eines Sprunges oder Wurfes sehen, verwirrende Zusammenschnitte übereifriger Regisseure oder mitten im Versuch den Schwenk zur Werbung. Der Kampf um den Sieg hat auch Verlierer, erst dadurch werden die Wettkämpfe spannend.(Beispiel Biathlon oder Skilanglauf im TV) Es kann doch im Elektronikzeitalter nicht unmöglich sein, Informationstafeln zu entwickeln, auf denen stets der Stand der z.B. ersten 8 – auch im Lauf  nach jeder Runde - abzulesen ist. Dabei sollte überlegt werden, ob neben zu vielen „Innenraumspaziergängern“ diese Informationstafeln zusätzlich im Innenraum die Sicht versperren, in der Nähe der Wettkampfstätten am Boden platziert werden müssen. Gleichzeitig würde dies die Möglichkeit einräumen, die Rolle der meist nicht vernetzten „Ansager“, die meist auch nur die zwei Besten kennen und nennen, zu überdenken. Auch die Fernsehanstalten sollten dringend ihre Präsentationsmethoden auf den Prüfstand stellen und nicht nur den Schwarzen Peter den Veranstaltern zuschieben.

Wieder etwas Neues bei der Gala

Mit einer neuen Form der Ergebnispräsentation zeitnah nach den Zieleinläufen bzw. nach Wettkampfende oder als Zwischenstände in den technischen Disziplinen auf einer großen Elektronik-Tafel vor der Haupttribüne hat Kurt Ring seine Zuschauer bei der Regensburg – Gala 2011 wieder einmal überrascht. Toll. Da wird sich doch eine Firma finden, die solche Anlagen in einem ersten Schritt nach den Regensburg-Erfahrungen weiter vervollkommnet und den wichtigsten Veranstaltern vermietet. Außerdem kann es nicht oft genug unterstrichen werden wie gut wiederum das Angebot Spitze und Nachwuchs gleichermaßen zu präsentieren angenommen wurde. Da könnte man sich wünschen, dass zur dringend notwendigen Talentpflege bei allen „Galas“ wenigstens je eine Sprint-, Lauf-, oder Sprungdisziplin für die Schüler parallel durchgeführt wird.

Medienschwachstelle Ergebnisübermittlung

Eine bessere Ergebnisübermittlung wäre nicht nur für die Fans toll sondern auch eine wesentliche Hilfe für die Medien, vor allem auch für das oft „lieblose“ Niveau der Fernsehübertragungen. Sie haben derzeit ein großes Problem, weil bei den Übertragungen die Werbezeiten große Teile des Events verdrängen. Es schalten aber Leichtathletik-Fans ein , die sich nicht nur für den Namen und das Ergebnis des Siegers, die Übergabe der Blumen oder der Wasserflasche mit Werbung interessieren sondern auch den Einlauf wenigstens der ersten 8 sehen wollen und die sich nach dem Wettkampf für die vollständigen Ergebnisse interessieren, sie aber bei den oft nur Sekundeneinblendungen nicht erfassen bzw. sie in Ruhe lesen können. Leichtathletikpräsentation muß Ergebnispräsentation auch derer hinter den Siegern sein. Wett“kampf“ bedeutete früher einmal Kampf um Plätze und den Sieg.

Im Biathlon und Skilanglauf geht es doch auch, im Skispringen interessieren sich die Zuschauer immer auch für die 30 Bestplatzierten und die ständige Ergebnis- u. Zwischen-standeinblendungen (besonders beeindruckend die Schießstand- und Zwischenzeiten-präsentation im Biathlon und Skilanglauf ) hat wesentlich zur Steigerung der Einschaltquoten und des Interesses an „ganztägigen Wintersportübertragungen“ (!) bei Zuschauern geführt. Da weiß man am Ende der Veranstaltung sogar wo sich der Fünfte deutsche Starter platziert hat. Das sollte auch für wieder bessere Übertragungen der  Leichtathletik Vorbild sein. Qualität darf nicht nur von den Sportlern erwartet werden.