Wann endet das Seuchenjahr der Telis-Laufgarde?

pfliegerphilipp4-intRegensburg, 7. Juli 2011 –  Eigentlich müsste sich Telis-Teamchef Kurt Ring derzeit als glücklicher Mann schätzen, hat doch sein Edelstückchen Corinna Harrer einen Lauf, wie man ihn sich nur wünschen kann. Neuzugang Julian Flügel setzt  zudem mit zwei, bereits gewonnenen DM-Einzelmedaillen zum Höhenflug an, Steffi Volke holt sensationell den Marathon-Titel und Felix Plinke steigt zur nationalen Spitze auf. So wechselhaft wie der Sommer, einmal strahlender Sonnenschein, dann wieder dunkle Gewitterwolken am Himmel, ist derzeit auch Rings Stimmungslage. Schuld daran sind die Sorgen um seine vier Ausnahmeläufer/Innen Philipp Pflieger, Florian Orth, David Fiegen und Christiane Danner. Das Quartett ist derzeit „out of order“ und das nicht nur für vierzehn Tage.

„Chancen für drei Männertitel bei Pflieger, ebenso nationale Ehren für Florian Orth, dazu der schon lange erwartete und im Winter immer wahrscheinlicher werdende läuferische Durchbruch einer Christiane Danner beziehungsweise das Comeback von David Fiegen haben sich verflüchtigt wie der letzte Schnee in der warmen Frühlingssonne. Schafft nicht Florian Orth doch noch die Kurve, fällt auch die Titelverteidigung der 3x1000 m Staffel bei den Deutschen Meisterschaften im August ins Wasser“, grübelt der Telis-Teamchef über das Übel der Saison 2011. „Am schlimmsten ist das Warten auf die Genesung und die immer wieder dominoartig eintretenden Ketten von Verletzungen und Erkrankungen. Philipp Pflieger, Florian Orth und Chrissy Danner können heuer davon nicht nur ein Lied singen. David Fiegen, mühsam aber dennoch stetig an seinem Comeback arbeitend, hat es nun auch wieder mit einer gesundheitlichen Schwäche aus der Bahn geworfen, groß genug aber, dass hinter dem Start bei den in zwanzig Tagen stattfindenden Deutschen Meisterschaften ein ganz dickes Fragezeichen steht. Chrissy Danner legte letzte Woche die Bahnsaison auch ad acta: „Die Plantarsehnenverletzung muss jetzt einfach total auskuriert werden.“

Florian Orth hingegen hofft noch. Schweren Herzens musste er auf die Junioren-Europameisterschaften in Ostrava verzichten. Im Vorfeld dort mit großen Chancen sogar auf Edelmetall gehandelt, bleibt dem Regensburger nur die bittere Pille, am Fernseher zuzusehen, was denn möglich gewesen wäre. Ob’s nun zu den Deutschen Meisterschaften am 23./24. Juli in Kassel zumindest zu einem „Probestart“ reicht, wissen die Götter. Zumindest jene „Götter in Weiß“, zu denen der Zahnmedizinstudent einmal selbst gehören wird, tun sich derzeit schwer, woher sein Malheur am Rippenbogen überhaupt kommt. Trainingskumpel Felix Plinke hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben: „Bei der Staffel im August ist der Flo wieder fit.“

Am Ende jeder Dunkelheit kommt auch wieder Licht, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Licht, wenn auch nur spärlich, sieht der Teamchef jetzt wieder am Horizont. „Ich muss mich wundern, wo Chrissy und Philipp die Motivation hernehmen, anstatt zu jammern, planen sie bereits die nächste Saison.“ Bei seinem Musterschüler Philipp Pflieger huscht ihm ein kleines Lächeln übers Gesicht: „Er läuft wieder, nur alle zwei Tage und nur eine halbe Stunde, aber der Fuß hält.“ Fragt man den Schwabenpfeil selbst, bekommt man eine erstaunliche Antwort: „Natürlich tut mir am Anfang des Trainingsprozesses derzeit alles weh, aber nicht mein gebrochener Fuß. Am 12. Juli kommt die Schraube heraus, dann sehen wir weiter. Im Oktober möchte ich fit sein für das volle Trainingsprogramm und diesmal schaffe ich das gesamte Wintertraining. Die Olympianorm haben sie auf 13:27 abgeschwächt. Der Mensch braucht Ziele, das ist eines.“
Wie gesagt, alles ist nur ein Lichtstreif im Gedankengut des Lauftrainers Kurt Ring. Aber irgendwie ist es ein gutes Gefühl. Stück für Stück merkt er, dass „seine Truppe“ wieder zum echten Team zusammenwächst und irgendwie weiß er, dass er mit den Verletzten absolute Teamplayer in seinen Reihen hat. Die Talsohle scheint durchschritten zu sein, der Gipfelsturm kann beginnen.