DLV Wettkampforganisation ringt sich ein Meisterschafts-„Reförmchen“ ab

Regensburg, 21. Juli 2011 -  Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) will seine nationalen Titelkämpfe in der Halle und im Freien attraktiver gestalten. Dabei gilt die Devise: Evolution statt Revolution. "Wir werden kleine Schritte nach vorne machen", sagt Frank O. Hamm, Vorsitzender des Bundesausschuss Wettkampforganisation des DLV. Der Verbandsrat soll ein entsprechendes Konzeptpapier in Kassel verabschieden. Statt einer umfassenden Reform ist nach langer Diskussion nur eine Neuausrichtung herausgekommen. Soweit jene Presseerklärung zur Präsentation von Deutschen Leichtathletik Meisterschaften.

Frank O. Hamm ist mit seiner Vermutung, Meisterschaften würden in der Leichtathletik zu lange dauern, sicher auf der richtigen Spur. Für die Therapie jenes Malheurs setzt er aber die falschen Mittel ein. Das Teilnehmerfeld will er beschränken. Analysiert man die Braunschweiger Meisterschaften 2010, liegen von über 40 Disziplinen nur vier jeweils geringfügig über seinen geforderten Zahlen. Die dabei vermeintlich gewonnene Zeit wird sich also gegen Null minimieren, ein Einsparen über einen absolut möglichen flotteren Zeitplan aber viel mehr bringen. Frank O. Hamm und seine Mitarbeiter sollten sich nicht an den Meldezahlen, sondern vielmehr an den Ergebnislisten, also den tatsächlich gestarteten Athleten ausrichten. Eine schlechte Recherche ist einfach keine Basis für eine erfolgsversprechende Analyse.

Dass sich der DLV bei immer größerer schwindenden Talentzahlen mit solchen Maßnahmen selbst ins Bein schießt, ist jenen Herrn der Wettkampforganisation anscheinend entgangen. Auf den Mittelstrecken drohen die Vorläufe bereits auszufallen, bestimmte Disziplinen leben nur noch von einigen Leichtathletik-„Nestern“, wie zum Beispiel das Gehen. Jener protokollarische Wahnsinn, der organisatorisch alle Durchführungen von Deutschen Meisterschaften begleitet, hemmt die Meisterschaften viel mehr, als ein zwei Athleten pro Disziplin dazu. Die vor zwanzig Jahren bei technischen Disziplinen absolut üblichen „Qualifikationen“ zur Ermittlung des Vor- bzw. Endkampffeldes gehören schon lang der Vergangenheit an, weil der Aderlass von Spitzenathleten zwar schleichend, aber dennoch immerwährend zunimmt.

Der Deutsche Leichtathletik Verband sollte sich einmal überlegen, wie er seine kommenden Spitzenleute präsentiert. Anstatt „Yellow-press“-Berichte in seinem Fachmagazin „Leichtathletik“ in Hülle und Fülle anzubieten, wäre es dringend nötig, hier wieder Hintergrund und Fachspezifik anzubieten. Leichtathletikfans sind keine Fußballfans und lassen sich so auch immer weniger als „dumm“ verkaufen. Mut zur Qualität wäre hier gefragt. Kein Reförmchen, sondern Fleiß, fachspezifische Intelligenz und vor allem Eigenkritik würde hier sicher weiterhelfen. Mitarbeiter, die solch „Schwieriges“ zu erledigen haben, sollten aus dem Managerbereich geholt werden und nicht über die unendliche Funktionärsschiene in ein Amt gewählt werden, das sie sich vor lauter Angst, etwas falsch zum machen, nur zögernd ausführen trauen. Wie gesagt, der Elefant kreißte und heraus kam wieder einmal eine Maus. Oder andersrum gesagt: „The same procedure as every year ….

Kommentar von Kurt Ring