Talente machen aber Hoffnung für 2012 und danach

Orth_Florian_dm_kassel_vorlauf_kiefnerfoto

Kürten, 5. August 2011 (pöhlitz) - Viele Medien haben sich in den letzten Wochen Sorgen um die Läufer gemacht, dabei kam fälschlicherweise in Mode zum Laufbereich einfach auch die schwächelnden Sprinter hinzuzuzählen. Solange man denken kann wird aber im DLV in den Bereichen Sprint / Hürden – Lauf  / Gehen – Sprung / Mehrkampf – und Wurf / Stoß organisiert. Lauf / Gehen – die Disziplinen von 800 m bis zum Marathon – haben nach einem langen Weg ins Tal erst zu Beginn des Jahres 2011 mit der Neubesetzung der Aufgaben eines Cheftrainers mit dem Wattenscheider Coach Tono Kirschbaum erste Schritte zum Weg aus diesen Tal zurück ins Weltniveau für diesen Bereich eingeleitet. Die Monate bis hierher haben aber gezeigt, das der Baustellen viele sind und er es auch weiterhin mit den in den letzten Jahren kaum geführten Trainern seines Bereiches schwer haben wird den Hebel zur Teamarbeit einfach so umzulegen. Es fehlte vielerorts nicht nur im Spitzenbereich an Orientierung und Bereitschaft den Weltbesten im Training zu folgen, es gelten auch im Nachwuchstraining noch 19 Jahre alte RTP - Lauforientierungen aus der Ära Winfried Joch, die, wie der Stand 2011 zeigt, offensichtlich nicht auf das Hochleistungstraining vorbereiteten – wie es als Ziel damals formuliert wurde. Der „Neue“  - Lauf – Nachwuchs – RTP – seit Jahren angekündigt, fehlt noch immer. Das zeigt – das ohne in der Vergangenheit fehlende Führungsqualitäten für das mitarbeitende Personal – Veränderungen keine Selbstläufer sind.

Auch die nationale Langstreckenelite sollte die Nähe der Fans wieder suchen

In einem Beitrag von Michael Reinsch in der Frankfurter Allgemeinen vom 25.7.2011 wird thematisiert dass die Leichtathleten in Städten und Provinzen auf die Straße gehen – Marktplatzspringen – Kugelstoßen nahe der Fußgängerzonen – Diskuswerfen auf Dorfwiesen und beklagt, dass nur das ISTAF von den großen Events in Deutschland überlebt hat. Dafür werden vom DLV-Präsidenten Prokop Olympische Spiele oder eine Leichtathletik-EM 2018 in Deutschland ins Gespräch gebracht. Sollte der materielle und personelle Aufwand dafür nicht besser in die Nachwuchsarbeit, die Talentsuche oder in den dringend zu renovierenden Schulsport (ein Sportlehrer erzählte mir kürzlich, dass er für dringend benötigte Bälle einen Sponsor selbst suchen musste!) oder in ein wieder funktionierendes nationales Wettkampfsystem investiert werden.

Für den Laufbereich ist zwar erfreulich, dass 2011 wieder verstärkt deutsche Läufer Auslandsstarts wahrnahmen, ein wesentlicher Grund dafür, so hört man, ist wohl auch eine kaum wirksame Organisation der Wettkampfleistung mit dem Ziel Spitzenleistungen zu erzielen. Dazu gehört auch, dass es für deutsche Langstreckler ein leistungsorientiertes Citylauf-Wettkampfsystem auf abgemessenen Strecken „nahe bei den Leuten“ nicht mehr gibt. Sicher auch, weil der inzwischen abgelöste DLV-Trainer Detlef Uhlemann jahrelang den Cross favorisierte, bei dem immer einer gewinnt, ohne dass die jeweilige Leistung konkret zu bemessen oder sachlich zu bewerten ist. Die Springer und Werfer gehen auf die Straßen, es wird Zeit, dass auch die Läufer sich diesen Fanzuspruch vorrangig für unsere nationale Elite kombiniert mit Talent-Events in den Städten zurückerobern. Vielleicht kann man doch ein „GermanRoadRace - Citylauf-Programm“ schon für den kommenden Winter organisieren und dies gleich mit der Suche nach echten Langstreckentalenten verbinden? Das wäre ein der Praxis helfender Beitrag zum Wiederaufstieg auch der schnellen Langstrecken.

Nur 3 B – Norm - Läufer zur WM nach Daegu – trotzdem Hoffnung für 2012

Zweifellos bleibt es für alle diejenigen ein Erfolg, die sich für eine Weltmeisterschaft qualifizieren, auch wenn es „nur“ über eine B-Norm ist. Glückwunsch an Jana Sussmann, Steffen Uliczka und Carsten Schlangen, auch wenn sie es mit ihrer Ausgangsposition schwer haben werden mehr als neue Wettkampferfahrungen für die Olympischen Spiele 2012 zu sammeln. Jedenfalls bekommen sie eine große Aufgabe mit, stellvertretend für diejenigen zu kämpfen, die keinen der nun frei bleibenden 33 Plätze in 12 Frauen- / und Männerlauf-disziplinen erlaufen konnten.

Trotzdem ist 2011 Bewegung in die Lauf-Stagnation gekommen, als auffälligste Disziplin muß man wohl die 1500 m der Frauen nennen, deren Spitzenreiterin die junge Corinna Harrer mit 4:08,63 (verbesserte sich gegenüber 2010 um knapp 11 (!) Sekunden) nicht nur Olympia näher kam, sondern bereits eine hohe Stabiltät in diesem Leistungsbereich zeigte. Weitere 3 liefen bis 4:10,80 und die 14. noch unter 4:20! Es geht doch. Leider haben keine „Neuen“ in den Männerdisziplinen und auch der Langstreckenbereich der Frauen solche Fortschritte zeigen können.

Den Winter nutzen – das Frühjahrstraining durch eine neue Basis vorbereiten

Aus gegenwärtiger Sicht bedarf es außerordentlicher Anstrengungen im kommenden Winter 2011 / 2012 wenn die Nominierungsausbeute für London ein mehr als befriedigend ergeben soll. Ich würde es für möglich halten das -  bei den kürzlich veröffentlichten Nominierungs-normen des DLV – die durchaus Anforderungen Olympischer Spiele gerecht werden - André Pollmächer – Sabrina Mockenhaupt – Corinna Harrer – Jana Hartmann – Gesa Felicitas Krause und Irina Mikitenko (wenn sie sich tatsächlich für Olympia entscheiden sollte) neben den oben genannten WM-Fahrern ein Ticket buchen könnten. Jede weitere Überraschung wäre natürlich herzlich willkommen. Die DLV-Normen für Olympia setzen aber eine Basis -Qualitätsoffensive schon im Winter voraus

Talente für nach 2012 ab sofort qualitativ besser im Team ausbilden

Nicht nur bei den internationalen U – Höhepunkten 2011 hat sich gezeigt, dass es auch im Laufbereich Talente für höhere Aufgaben gibt. Dabei sollten sich die Ausbildungsaufgaben der schon „Älteren“ wie Timo Benitz (91), Musa Roba-Kinkal (89) und Anne Kesselring (89) beispielsweise von denen aus dem U-18 Bereich wie Christine Gess (94) oder Maya Rehberg (94) noch deutlich unterscheiden, während das Entwicklungstempo, ihr bisheriger Trainingsaufbau, die bisher absolvierten Ausbildungsjahre und die individuelle Bereitschaft eines Marcel Fehr (92), Alexander Schwab (92), Hanna Klein (93), Lisa Jäsert (92), Lisa Ollesch (93) oder Regina Neumeyer (92) und die Trainingsbelastbarkeit im nun folgenden Anschlusstraining darüber entscheiden werden, wie schnell  und ob sie Anschluss nach oben finden. Die durch die DLV-Trainer gegebenen Hilfen in der Organisation des Trainings und der Wettkampfleistungen und ein zu organisierendes gemeinsames Training werden entscheiden, ob die Talententwicklung zukünftig schneller gelingt als in den letzten Jahren. Vielleicht nehmen sich alle Corinna Harrer zum Vorbild, es sieht so aus als wolle sie schon 2012 zu den Olympischen Spielen. 

Vor allem Zeitgewinn ermöglicht Leistungsgewinn

Mein Tipp: Entwicklung braucht Veränderungen – die Deutschen Meisterschaften 2012 finden „ungewohnt“ bereits am 16. / 17. Juni statt – überdenken sie ihre gewohnte Periodisierung. Athleten die nicht bei der WM sind beenden deshalb, wenn möglich, die Wettkampfsaison früh, um das neue Trainingsjahr am besten schon Anfang September zu beginnen. Es ist eine Kunst heute die Voraussetzungen für Morgen zu trainieren. In 3 Monaten Basisarbeit zu Beginn eines Trainingsjahres muß eine gegenüber dem Vorjahr höhere Leistungsfähigkeit erarbeitet werden. Nutzen Sie das Winterhalbjahr zu neuen Investitionen, dann können sie im Frühjahr noch besser trainieren als im Herbst. Persönliche Bestleistungen setzen persönliche Bestleistungen im Training voraus. Für den „noch nicht olympiareifen Nachwuchs“ machen sie sich schon bald Gedanken, wie die Sommersaison nach den DM Anfang Juni trotzdem zu einer guten „Ernte“ führen kann. Für sie beginnt die Olympiavorbereitung 2016 bereits jetzt!