oder die Schnelllebigkeit unserer Zeit

Regensburg, 6. Februar 2012 (orv) – Heute war kein guter Tag für "meine" Leichtathletik – ich hatte auf dringliches Anraten meiner Frau die Aufgabe, meine Bücherregale wieder einmal auf Vordermann zu bringen. Erstens steht da viel von der Leichtathletik herum, zweitens nimmt man dann im wahrsten Sinne des Wortes wieder ein Buch zur Hand und dann kann es dauern … mit dem Aufräumen. Weil das bei mir eben so ist, tritt mir in solchen Fällen immer ein bisschen der Angstschweiß auf die Stirn. Zunächst einmal der ständige Zweifel „Kann ich das wegwerfen und wann hast du das Buch ein letztes Mal in der Hand gehalten“. Dann die Heiß-kalt-Dusche zwischen Triumpf „der neuen Ordnung“ und Chaos „des Fehlens von totsicher gehabten Exemplaren“, die einfach nicht mehr zu finden sind. Eigentlich hat dieses Drama schon jeder erlebt, der zu der Spezies der „Aufheber“ gehört.

Das alles hätte mir aber meinen Tag als Leichtathletik-Verrückter noch nicht vermiesen können. Dafür war ein anderer Umstand von Nöten, der aber auch etwas mit Gedrucktem zu tun hat. Als ich meine DLV-Jahrbücher und –Bestenlisten wieder säuberlich in Reih und Glied gebracht hatte, fiel mir auf, dass der Jahrgang 2011 noch abgängig war. Aha, da war doch was mit einem E-Paper auf leichtathletik.de und einer gedruckten Version, die mir schon bei der Erstbetrachtung  mit 34,95 Euro als sehr teuer erschien? Ein Anruf  bei der DLV-Zentrale brachte Genaueres zu Tage. Es wird 2011 nur noch wenige Einzelexemplare des Jahrbuchs geben – jedes Buch extra hergestellt. Die Bestenliste gibt es in Buchform hingegen gar nicht mehr.

Schuld  ist daran sicher die neue mediale Welt, die hauptsächlich über das Internet abläuft. Ob man nun das gut findet oder nicht: Die Bestenliste mal im Sessel in aller Ruhe zur Hand nehmen, das ist passé, zumindest ab 2011. Also ran an die elektronische Glotze, wenn man statistische Informationen zu den letzten Jahren – in diesem Fall Gott sei Dank erst nur für 2011 – braucht.  Ansonsten ist das, was war, eh anscheinend nur noch Schnee von gestern. Schnelllebig ist das alles geworden in Zeiten von Facebook und sonstigen Communities. Was der andere nicht im nächsten Moment weiß, ist sicher schon wieder ein alter Hut.

Dabei könnte man aus Büchern so viel lernen, auch aus Jahrbüchern!  Zum Beispiel, dass die deutsche Leichtathletik an gehobener Masse ganz schön geschrumpft ist und der Verlust an Klasse wahrscheinlich daraus eine Folge sein wird. Das alles hat nichts mit Doping oder der Überlegenheit von Ostafrikanern im Lauf zu tun – das ist ganz einfach Schwund bei unserer eigenen Leichtathletik, schwarz auf weiß nachzulesen.  Die junge Generation wird sich nicht die Mühe machen zurückzublättern, zumal dann nicht, wenn man im Internet erst mühevoll suchen muss. Da tu ich mich noch leichter. Ein Griff und ich habe die Bestenliste von 1978 oder 79 oder auch 75. Was ich dann dort lese, macht mich erst richtig nachdenklich. Ist es derzeit nur ein Wellental oder geht’s tatsächlich bergab?

Kurt Ring