Deutschlands Laufauswanderer sorgen immer wieder für überraschende Ergebnisse

Regensburg, 7. April 2012 (orv) – Man hat sich inzwischen an die Erfolgsmeldungen deutscher Läufer/Innen aus den USA in der hierzulande noch schlummernden Saison gewöhnt. An diesem Wochenende tauchten die Namen Clarkson, Loy und Schrulle mit teilweise eklatanten Steigerungen ihrer bisherigen Hausrekorde auf. Ist nun an den Colleges in der USA vieles besser, wird dort konzentrierter trainiert oder gibt es ein anderes Wundermittel? Die Dinge hierzulande wären wohl einfach zu lösen, würde man sie endlich konzentriert anpacken.

Konzentration ist nicht nur ein Wort sondern muss im Bereich Lauf einfach einmal angepackt werden. Es gibt in dieser Republik immer weniger hochleistungsausgerichtete Gruppierungen, alles streut sich, der Leistungssport, hier der Mittel- und Langstreckenlauf, rückt an vierte, fünfte oder sechste Stelle der Prioritätenliste. Man redet viel bis in die höchsten Funktionärskreise, meist geschieht aber wenig und wenn, dann viel zu spät. Die Rivalität der amerikanischen Colleges untereinander, ihr Selbstverständnis über ein starkes Leichtathletikteam fehlt in Deutschland. Die Zusammenarbeit des Verbandes mit den deutschen Unis ist selten vorhanden, die Lobby der dort ansässigen Vereine viel zu gering.

Viel zu lange hat man sich hier im Verwalten des mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel zu Erreichenden abgegeben, man ist stolz, im Jugendaufbautraining mit drei, vielleicht vier Einheiten pro Woche in seiner Disziplin Primus inter pares zu sein und übersieht dabei, dass so manch schnell hochstilisiertes Talent lediglich der/die etwas beseere Nachwuchsathlet/In unter weit schwächeren ist. Ein Blick in die Bestenlisten des vergangenen Jahrhunderts zeigt, dass Steigerungen von jungen Läufer/Innen wie jene diesen Wochenendes normal sein müssen, wenn Deutschland im Konzert der Großen wieder Anschluss finden will. Dazu muss man eigentlich nur unter etwas Konkurrenzdruck mehr trainieren. Alles andere kommt von alleine.

Ein anderes Thema in diesem Zusammenhang bleibt die inzwischen marode Wettkampfsituation hierzulande. Das Problem schwehlt nicht erst seit dem kürzlichen Meetingsterben, das Problem existiert schon seit Jahrzehnten. Was früher oft schon eine Mund-zu-Mund Propaganda meist nur acht Tage vor einem interessanten Event löste, scheint in Zeiten von Facebook und Internet nicht mehr lösbar. Meiner Ansicht nach hält sich der Dachverband als regulierungsfähige Institution schon viel zu lange zurück, für ein staatenübergreifendes Arrangement in ganz Europa in Form eines leistungsadäquaten Ligensystems mit garantierten Läufen innerhalb einer bestimmten Zeitspanne ist es noch nicht zu spät. Es wäre eine Win-win-Situation, weil viele leistungsstarke Athleten/Innen des zweiten Gliedes Rennen ohne finanziellen Anspruch suchen, vielen Meetings diese Massierung von Gleichstarken fehlt. Irgendwas läuft da nicht in die richtige Richtung.