Telis-Läuferquartett in der Welt der Großen angekommen

Ring_Harrer-Finale_EM2012_KiefnerfotoRegensburg. 3 Juli 2012 (orv) –  Es waren wohl die intensivsten Leichtathletiktage, die ich alter Hase dieser Sportart jemals mitgemacht habe. Im Wechselbad der Gefühle blieb wenig Raum mehr für die kühle Betrachtung. Schuld daran im finnischen Helsinki waren nicht zuletzt die vier Telis-Youngster, die losgezogen waren, die Welt der Großen der Leichtathletik zu ergründen. Am Ende der fünf Tage war ich innerlich leer, wie selten vorher, durcheinander gerüttelt, vom Zuschauer zum Akteur befördert, wenn auch nur im betreuenden Sinne. Aber das ist ja bekanntlich noch viel schwerer: Draußen zu sitzen und nichts machen zu können.

Meine Vier haben nun die Welt der Großen kennen gelernt, sich fast sprichwörtlich eine blutige Nase abgeholt und sind mit der Gewissheit zurück gekehrt, dass wohl hier doch nicht alles echt ist, was „groß“ rüberkommt. In diesem Zusammenhang mag bemerkt werden, dass im unmittelbaren Anschluss der EM ehemalige russische Medaillengewinnerinnen wieder einmal des Dopings überführt wurden und die türkische 1500m Siegerin ebenfalls schon dopingauffällig war. Aber wie sagte schon Claudia Gesell 2003 zu mir in Paris: „Schau sie Dir genau an und Du weißt, dass es am Besten ist, dich nur auf deine Leistung zu konzentrieren, sonst wirst du sehr betrübt.“

Betrübt war ich am Sonntag nach den 1500m Finals doch ein wenig. Im Fußball pfeift der Schiedsrichter nach einem solchen Foul Elfmeter, über 1500m wird einfach weitergelaufen. Im Nachhinein hat sich das aber wieder gelegt. Eine eingehende Analyse der bayerischen EM-Geschichte jüngerer Zeit lehrt mich, dass seit 1998 nur acht weißblaue Einzelstarter/Innen dabei waren (bei vier Events) und lediglich Fabian Schulze 2010 im Stabhochsprung als Sechster „Finalqualität“ hatte. 2012 waren vier Telis-Läufer/Innen im Finale. Die einen auf Grund der Gegebenheiten – lediglich ein Finale fand statt – die anderen nach glänzenden Vorstellungen in den Vorläufen. Der Vollständigkeit muss festgehalten werden, dass Philipp Pfliegers 15. Platz absoluten Endlaufcharakter auch bei Vorläufen gehabt hätte, weil eben über 5000m 15 ins Finale kommen.

Die letzten bayerischen Läufer mit Endlaufplatzierung waren demzufolge Konrad Dobler und Kurt Stenzel als 14. und 15. des Marathonlaufs von 1994, ebenfalls in Helsinki. Deshalb sind wir jetzt in Regensburg so richtig stolz auf unsere Vier, nicht zuletzt auch deswegen, dass Corinna Harrer auch noch als einzige bayerische Einzelstarterin bei Olympia am Start sein wird und Youngster Jonas Koller die Nominierung über 10.000m zur U20-WM in Barcelona geschafft hat. Das alles wäre wohl in der alten Römerstadt nicht möglich gewesen, wenn nicht viele weitere Hände dazu geholfen hätten, zu allererst die beiden Heimtrainer Klaus Bornmann und Arno Kosmider, aber auch Coach Doris Scheck in Regensburg, alle Helfer aus der medizinischen und physiotherapeutischen Fraktion. Mein ganz besonderer Dank gilt all diesen leidenschaftlich arbeitenden Mitarbeitern im Hintergrund.