Telis-Youngster läuft heute um 21 Uhr bei der Junioren-WM die 10.000m

Koller9_BLV10000m2012_VolkefotoBarcelona, 10. Juli 2012 (orv) - Es gibt leichtere Strecken für einen 19-Jährigen als die 25 Runden auf der Bahn. Vor allem dann, wenn die Gegnerschaft aus dem übermächtigen Hochland Ostafrikas kommt. Dort sind allerdings auch die Wurzeln des Telis-Shootingstars Jonas Koller. Das war es aber dann auch schon mit afrikanischen Analogien. Aufgewachsen ist der Junge urbajuwarisch in Velburg, so zwischen Regensburg und Nürnberg gelegen, am ehesten bekannt durch die König-Otto-Tropfsteinhöhle. Barcelona kannte er bisher nur vom Urlaub, das leere Olympiastadion hatte er sich dennoch schon einmal angeschaut.

Jetzt steht er heute abends, exakt um 21 Uhr an jener besagten Stelle, an der Dieter Baumann seinen legendären Olymiasieg eingefahren hat. Der Anlass ist kein geringer. Die U20-Weltmeisterschaften stehen an und Jonas Koller ist einer der ersten deutschen Athleten, die auf den Prüfstand gestellt werden. Für Urlauber wird es eine laue Nacht, für Langstreckler eher ein heißer Ritt. Der Wetterdienst sagt 24-30 Grad voraus. Bestzeiten werden bei anderen Temperaturen gestrickt, auch für Afrikaner mit bayerischer Erziehung. Jonas Koller wird wie immer sein Bestes geben, sich irgendwo im übermächtigen Feld reinhängen und versuchen zu überleben. Es ist sein erster Auftritt auf der ganz großen Bühne und es wird bestimmt kein leichter.

Heere Vorsätze sind die eine Sache. Die sollte jeder Leistungssportler haben, die Realität bei solchen Events, bei denen es Ostafrikas Favoriten mit der Altersangabe nicht immer so genau nehmen und meist älter sind als ihre übrige Konkurrenz, ist eine ganz andere. "Bestzeit nahe dreißig Minuten und ein Platz unter den ersten Fünfzehn wäre das Ungewöhnliche", meint sein Trainer Kurt Ring. Gespannt wird auch er die Übertragung auf Eurosport verfolgen und sich klar sein, dass nach einiger Zeit nur noch Kollers Platz vermutet werden kann, weil die Spitze mit Meldezeiten um die 28 Minuten enteilt sein wird. So ist sie eben, die harte Realität eines bundesdeutschen Nachwuchslangstrecklers auf Weltebene.

Jonas Koller ist auch ewst einer aus dem Regensburger Talentschuppen, der sich gerademal auf den Weg gemacht hat, seine läuferischen Grenzen zu ergründen. Einer wie Corinna Harrer, Philipp Pflieger, Florian Orth oder Maren Kock, die ein wenig an der großen weiten Läuferwelt geschnüffelt haben und festgestellt haben, dass es dort recht hart und vor allem absolut professionell zugeht. Sie alle haben noch Jahre mit viel Arbeit vor sich, selbst jene, die mit 21 Jahren in Kürze den Olymp besteigen wird. Die Öffentlichkeit hat sie entdeckt, das ist im ersten Moment absolut wunderbar. Im zweiten kann es ganz schön belasten, die Beine noch schwerer werden lassen, wenn es mal nicht so läuft. Habt also noch ein wenig Geduld, damit aus dem hoffnungsvollen Telis-Talentschuppen auch ein Elitehaufen werden kann..