DLV muss im Kampfrichterwesen etwas verändern

Regensburg, 30. August 2012 (orv) - Der schreckliche Unfall mit Todesfolge bei einem Speerwurfwettkampf hat ganz Leichtathletik-Deutschland erschüttert. Gott sei Dank passiert solches nicht alle Tage, ein Einzelfall ist es allerdings nicht. Es grenzt bisweilen an ein Wunder, dass im Wurfbereich nicht mehr passiert. Bei den Sicherheitsbestimmungen von Wurfkäfigen hat sich inzwischen viel getan. Die neuesten Schutzeinrichtungen sind aber auch sündteuer und gehören nicht zum Inventar jeder Sportanlage mit Werfern. Nicht selten tummeln sich die verschiedensten Gruppen, darunter spielende Kinder und werfende Jugendliche, im Infield einer Leichtathletik-Anlage. Die Gefahr lauert überall, nicht nur beim Messen eines Speerwurfs.

Längst wäre der DLV angehalten, hier strenge Maßnahmen zum Schutz seiner Mitglieder einzuführen. Der Fußball machst bei seinen Referees vor. Weil er Menschen älteren Jahrgangs den schnellen Einsatz seiner fünf Sinne nicht mehr zutraut, setzt er für Bundesliga-Schiedsrichter eine Altersbeschränkung bei 40 Jahren fest. Viele Nationen lassen inzwischen ihre älteren Autofahrern einen jährlichen Test unterziehen, um unter anderem auch deren Reaktionsfähigkeiten zu testen. Ein 75-Jähriger hat hier gegen einen jungen Mann deutliche Nachteile. Die Leichtathletik verhält sich dagegen umgekehrt. Je höher das Event, desto älter die Kampfrichter. Man tut damit weder den einen noch der Sportart selbst einen Gefallen.

Im Falle des Bereichs Wurf muss sich der Verband hier zumindest Fahrlässigkeit vorwerfen zu lassen. Ältere Menschen haben in dieser "roten Zone" genauso wenig zu suchen wie zu Fußgänger auf einer viel befahrenen Autobahn. Das Messen von Wurfgeräten - und dabei geht es eigentlich nur um das Festhalten der Bodenberührung des Wurfgerätes - kann von jeder jungen Hilfskraft mit einer kurzen Einführung vollzogen werden. Auch im Übungsbereich vieler kleiner Vereine muss sich da drastisch etwas ändern. Wurfgruppen gehören unter Aufsicht eines lizenzierten Übungsleiters auf ein gesondertes und auch hinlänglich gesichertes Wurffeld. Ist dies nicht vorhanden, müssen eben andere Übungszeiten außerhalb der übrigen Leichtathletik angesetzt werden. Bedauern und Mitgefühl bei jedem scheren Unfall zu bekunden ist zu wenig, es muss hier mit entsprechenden Regelverordnungen gehandelt werden.