Corinna Harrer darf die Bronzemedaille behalten, wird aber als Vierte gewertet

Harrer,Corinna_Berlin2008Regensburg/Leipzig, 24. Februar 2009 (mz/pinzer) – Corinna Harrer darf die Bronzemedaille behalten, wird aber als Vierte gewertet. Sie nimmt es mit Humor: Ähnliches ist ihr schon einmal passiert. Am Montag hatte Corinna Harrer ihren Humor und ihr Lachen bereits wieder gefunden. Am Sonntag war ihr das Lachen bei den deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Leipzig kurzzeitig abhandengekommen.

Die junge Läuferin der LG Telis Finanz Regensburg startete zum zweiten Mal im Frauenbereich bei deutschen Meisterschaften. Vergangenes Jahr waren es die 800 Meter, diesmal sollten es die 1500 Meter sein. Als Vierte querte die Gymnasiastin aus Wenzenbach die Ziellinie. Auch wenn der vierte Platz der sogenannte undankbare Platz ist: 4:27,71 Minuten bedeuteten neue persönliche Bestzeit. „Ich war völlig zufrieden“, sagt Harrer. Zumal die Drittplatzierte Kristina Schadt von der TSG Heilbronn mit etwas über zwei Sekunden Vorsprung ins Ziel gekommen war. Doch dann begannen die Irrungen und Wirrungen: Schadt wurde disqualifiziert. Die Heilbronnerin soll beim Wechsel auf die Innenbahn eine Linie übertreten haben, Harrer rückte auf den Bronzerang vor. „Natürlich habe ich mich gefreut, mit einer Medaille hatte ich ja nie gerechnet“, sagt Harrer. Die Siegerehrung folgte, auf dem Podest stand eine strahlende Telis-Läuferin, bekam die Medaille um den Hals gehängt und es flossen auch ein paar Freudentränen.

Zwischenzeitlich hatte jedoch Schadts Trainer gegen die Disqualifikation seines Schützlings protestiert. Nicht schriftlich wie vorgeschrieben, und normalerweise muss ein Protest auch ausgehängt werden. Als Entlastungsmaterial dienten Videoaufzeichnungen, die während des Laufs gemacht worden waren – und die sich das Kampfgericht vorher wohl nicht angesehen hat. Zwei Stunden daerte die Ungewissheit, dann revidierte die Jury ihre Entscheidung. Harrer war wieder Vierte, Schadt Dritte. Statt Freudentränen flossen jetzt Tränen der Enttäuschung. LG-Teamchef Kurt Ring kann Schadts Trainer verstehen: „Ich hätte an seiner Stelle das Gleiche gemacht. Aber als Kampfgericht muss ich mich anders verhalten und erst prüfen. Das ist inkompetent“, kritisiert er: „So fließen bei der einen Läuferin unnötig Tränen, die andere Läuferin wird um ihre Siegerehrung gebracht und kann nun warten, bis ihre Medaille mit der Post zu Hause ankommt.“

Die Medaille musste Corinna Harrer nicht zurückgeben. Die darf sie behalten, „auch wenn sie nicht zählt“. Aber das kennt die Zwölftklässlerin leider schon. Vor geraumer Zeit, bei den Bayerischen Meisterschaften der Frauen war die 17-Jährige über 200 Meter Zweite geworden. Diese Platzierung zählte damals ebenfalls nicht. Begründung: Zu jung. Harrer nimmt die Angelegenheit mit Humor: „Vielleicht sollte ich mir eine Kiste einrichten, in der ich alle Medaillen sammle, die nicht zählen.“

Was bleibt von dem Wochenende in Leipzig? Bis auf diese nervenaufreibenden Stunden war es eine „insgesamt sehr schöne Hallenmeisterschaft“, sagt Harrer. Das findet auch Kurt Ring, der mit den Leistungen seiner Schützlinge zufrieden ist. Außer Corinna war über die 1500 Meter Christiane Danner am Start. Sie wurde Neunte. Manuel Ziegler landete im Dreisprung knapp hinter Andreas Pohle auf dem vierten Platz. Hürdensprinterin Pamela Spindler wurde Sechste.