Vom Wirrwarr einer überforderten Jury anlässlich des 1500 m Finales

Leipzig, 22. Februar 2009 (orv) – Die dominierende Farbe im Innenraum der wunderschönen Leipzig-Arena war in der Regel das Weiß der immer in Überstärke vertretenen Kampfrichtergilde mit einem garantierten Durchschnittsalter von über sechzig Jahren im konstanten Verhältnis von etwa fünf Ordnungswächtern für einen aktiv beteiligten Athleten. Gott sei Dank ist die Technik im Hintergrund inzwischen so gut, dass so manches inkompetente Gewedel einer gelben, roten und vielleicht auch weißen Fahne nicht arg ins Gewicht fiel. Jede Hürde wurde akribisch von einem Herrn in Weiß bewacht und auch das Lattenauflegen auf luftige fünfeinhalb Meter klappte trotz aller altersgemäßen kleinlichen Nicklichkeiten noch ausgesprochen gut.

Wenn’s jedoch um schnelle Entscheidungen ging, tat man sich bisweilen schwer. Ausgestattet mit dem typisch deutschen Obrigkeits-Hörigkeitsgen traut man sich selten, Entscheidungen für den Athleten und gegen eine obskure Regel zu treffen, auch dann nicht, wenn sich besagter Athlet durch die Verletzung jener Regel keinerlei Vorteile verschafft hat. So gesehen hat jener Tatendrang eines WM-gebrievten Bahnobmannes beim 1500 m Finale der Deutschen Hallenmeisterschaften für reichlich Verwirrung gesorgt. Auf der äußeren Evolvente gestartet, soll die letztendlich Dritte Kristina Schadt beim Übergang zur Innenbahn auf die Linie getreten sein. Das war der große Tag für einen, der sich schon seit zwei Tagen die Füße platt stand, einzig auf die eine Aufgabe fixiert, in fünf oder sechs Läufen mit Evolventenstart jene problematische Linie zu überwachen. Endlich war seine Stunde gekommen.

Ohne den Vorfall mit den vorhandenen Videoaufzeichnungen zu überprüfen, wurde eiskalt der Vollzug eingeleitet: Disqualifikation – Siegerehrung mit einer anderen Läuferin, noch dazu dem Nesthäkchen des ganzen Feldes und Pressemitteilung. Erst als sich geschädigte Seite zu Recht wehrte, wurde man gewahr, dass wohl übereifrige Ordnungstätigkeit doch noch nicht abgeschlossen war. Also wieder retour mit der ganzen Sache. Die Kleinste im Feld war ihre Bronzemedaille wieder los samt vieler eigentlich unnötiger erzeugter Tränen der Enttäuschung, die eigentlich Dritte wurde zur Gewinnerin am grünen Tisch, voll berechtigt, aber ohne Siegerehrung und mit nachgeschickter Medaille und verunsicherte Presse fragte, was denn nun eigentlich Sache wäre.

Irgendwie wollte wieder keiner die Verantwortung übernehmen, man schob das Problem zwei Stunden vor sich her und jene, die sich bei solchen Veranstaltung gerne als Leiter verstehen, hielten sich erneut mehr an ihrem bedeutungsgebenden Headset als an ihrer dazu notwendigen Entscheidungskompetenz fest. Zugegeben, der Vorfall war für ansonsten schöne deutsche Hallenmeisterschaften ohne Bedeutung. Trotzdem im Mief des uralten Veranstaltungsmanagements der ewig Gestrigen muss kräftig entrümpelt werden. Dann bleibt es nicht nur bei den Absichtserklärungen des Präsidenten zur Modernisierung seiner Meisterschaften, dann tut sich auch endlich etwas.

von Kurt Ring