Öffentlichkeit und Erfolg ist bisweilen nicht immer ganz einfach

Regensburg, 06. März 2009 (orv) – Eigentlich könntest du dich nach solchen Meisterschaften wie in Markt Indersdorf ruhig zurücklegen. Alles richtig gemacht, eindrucksvoll Stärke gezeigt und Erfolg eingefahren. Mit Glück hatte das wenig zu tun. Harte, jahrelange akribische Feinarbeit kommt eben doch zum Tragen. Die ständige Verbesserung der Leistungsinfrastruktur mit deinen Partnern vom OSP Regensburg in Person von Philipp Weishaupt und Dr. Frank Möckel, dem nimmermüden Leistungsdiagnostiker, der Asklepios-Klinik in Bad Abbach mit Dr. Marr, Coaching.de mit meinem hoch geschätzten Mentor Lothar Pöhlitz, mein stets wuselnder Trainerstab unter Leitung meiner Frau Doris Scheck, die Physios Martin Fischer und Sarah Thannheimer, fast alle rund um die Uhr verfügbar, stets still im Hintergrund arbeitend und immer mit Rat und Tat verlässlich, zahlt sich eben doch langsam aus.

Eigentlich, wenn da nicht die immer mehr werdenden externen Experten wären, die zwar in dein Gefüge keinen Einblick haben, bei Erfolg und Misserfolg deiner Athleten/Innen aber stets gute Ratschläge parat haben, ob du sie hören willst, oder auch nicht. Da wirst du dann gefragt, „ob du dir das überhaupt zutraust, die Bundeskaderathleten weiter zu trainieren“ und „ob es nicht besser wäre, sie gleich dem Landestrainer zu überlassen“, der dann zwar nur alle 14 Tage vorbeischaut, aber natürlich Profi ist. Oder, „ob deine Athleten/Innen hier und dort die richtigen Strecken laufen“ und „ob sie nicht schon zu viel trainieren“. Und überhaupt, was sich die Regensburger nicht sonst noch alles erlauben. Die fahren an Ostern immer noch einschließlich ihrer Kaderathleten ins gemeinsame Trainingslager nach bella italia mit Meerbenutzung, Vollpension und gleich zwei Vereinsphysios, wo doch junge Deutschland-Vertreter im DLV-Camp bei weitgehendster Selbstverpflegung viel besser aufgehoben wären.

Keiner dieser lieben Berater hat jemals die Qualität unseres Trainingslagers abgefragt, geschweige ist dabei gewesen, es wird einfach davon ausgegangen, dass es ohne Qualität sein muss, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Aber das muss wohl alles so sein, wenn man irgendwie immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Obwohl du jeden Wettkampfplan deiner „Goldies“ akribisch zum zuständigen Bundestrainer schickst, nie Beanstandungen zurück bekommst, musst du dich für jeden Wettkampfeinsatz rechtfertigen. Jene netten, hoch geschätzten Berater, die ich meine, scheuen sich auch nicht, explizite Ratschläge zu Qualität und Quantität bzw. zu den gelaufenen Streckenlängen zu geben, obwohl sie vom tatsächlichen Befinden und Trainingsstand des jeweiligen Athleten/In nicht die leiseste Ahnung haben, nichts wissen über die Häufigkeit des Trainings, dessen Qualität, der leistungsdiagnostischen Werte und alles was so zu einem Athletenprofil dazugehört.

Langsam dämmert es mir auch, welchen „Dusel“ ich eigentlich haben muss, dass mir solche Sternchen seit einem Jahrzehnt immer wieder zulaufen und sogar mit einer hohen Erfolgsquote die Erwachsenenklasse der über 23-Jährigen erreichen. Es gibt schon so ruhige Minuten in ruhigen Zeiten, wo du die Zahl deiner „Überleber“ mit denen vom übrigen Bayern vergleichst und feststellst, dass du da allemal mithalten kannst. Dass sie nicht immer den allzu erfolgsorientierten Zukunftshoffnungen der Verbände entsprechen, liegt einfach in der Natur der Athleten/Innen. Deren Genetik lässt eben oft nicht mehr zu.

Mit Verlaub, mein liebes Team und ich werden auch weiterhin versuchen, den „Dusel“ herauszufordern, Kaderathleten/Innen auszubilden, dann gemeinsam ins Trainingslager fahren und hoffen, dass wir unsere Ziele verwirklichen können. Und noch eins: Unsere Athleten/Innen trainieren zwar viel, aber auch nicht mehr als vergleichweise erfolgreiche Youngsters anderer Nationen, sie verlassen keineswegs jedes Training heulend, werden keineswegs mundtot gemacht oder weggesperrt, dürfen, wenn sie wollen zu jedem Kaderlehrgang fahren, sich jede andere Meinung anhören. Wir versuchen eben, für sie da zu sein, wenn sie uns brauchen.

von Kurt Ring