Dies und das von der Ingolstädter Meisterschaft

Der wackere Schwabe Philipp Pflieger links außen in BlauIngolstadt, 14. März 2009 (orv) – Ingolstadt erlebte ganz starke deutsche Crossmeisterschaften. Kaiserwetter, eine vorbildliche Strecke nebst hervorragender Organisation und spannende Wettkämpfe bestimmten einen kurzweiligen Querfeldein-Tag. Natürlich wurde auch am Rande des Parcours von Insidern und Experten, Trainern und deren Athleten, eigentlich der ganzen Crosslauf-Gemeinde dies und das ausgetauscht, Bemerkenswertes festgehalten und ein erster Ausblick auf die kommende Weltmeisterschaftssaison gewagt. Für den Bereich Lauf - wenn man mal Marathoni Irina Mikitenko und Sabrina Mockenhaupt ausnimmt - wohl in erster Linie in Richtung WM-Teilnahme. Wer schafft den Sprung nach Berlin? Wir wollen uns auch ein wenig am Ingolstädter Klatsch und Tratsch beteiligen, die eine oder andere Nuance, natürlich stark lokalkoloriert, herausstellen.

Da wäre zunächst einmal der Medaillenspiegel und die "Nationenwertung" (Vereinswertung auf der Basis der besten Acht - ohne Seniorenklassen). Nach einer der wohl kürzesten Anfahrten aller Teams und mit so mancher Kenntnis vergangener Ingolstädter Crossschlachten ausgestattet, zeigte sich die Cross-Mannschaft der LG Telis Finanz Regensburg bestens ausgeschlafen. Sowohl bei der Titelvergabe (3x Gold - hier noch anzahlgleich mit LAV asics Tübingen), als auch bei der Anzahl der Medaillen (3x Gold, 3x Silber) und in der Punktewertung (11 Platzierungen/57 Punkte - LAV asics Tübingen 7/37) hatten die Domstädter die Nase vorn. Dabei hatten die Regensburger bei der Titelvergabe noch Pech: Philipp Pflieger in der Einzelwertung der Junioren und die die Teams der Frauen bzw. Juniorinnen schrammten haarscharf an weiteren Titeln vorbei.

Drei Einzeltitelträger in den Jugendklassen und einer bei der Männer Langstrecke zogen auch ihre Mannschaftskollegen aufs oberste Podest. Dies waren bei der weiblichen Jugend B Frederike Straeten (LG Ratio Münster), bei der männlichen Jugend B Till Wöllenweber (Hallesche LF), bei der weiblichen Jugend A Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg) und bei den Männern Arne Gabius (LAV asics Tübingen).

Eine ganz ungewöhliche Titelsammlung weist Corinna Harrer auf. Nach zwei 400 m Titeln bei der B-Jugend zeigte sich die Bundeskaderathletin Langsprint auch im Crosslauf über 3,1 km titelreif. Freilich, eine Unbekannte ist sie bei den Läuferinnen wahrlich nicht mehr. Der achte Platz über 800 m der Frauen (2008), der vierte Platz bei den Frauen in der Halle (1500 m), eine Cross-EM-Teilnahme (U20) und der letztjährige Silberplatz querfeldein in der B-Jugend sprechen von hoher Vielfältigkeit. Sie will nun zu der Junioren-EM nach Novi Sad. Was sie dort laufen könnte, steht noch in den Sternen.

Von den Heinigs war nur Papa Wolfgang vorort. Seine Kathrin war schon wieder gut im Geschäft, mutete dank ihrer überragenden Physis aber ihren Waden zu viel zu. "Zwanzig Kilometer im Viererschnitt tun der Psyche gut, den Beinen aber inzwischen weniger". Töchterin Katharina, inzwischen in die Juniorinnenklasse aufgestiegen, musste wie so viele der Februar-Grippe Tribut zollen und rekonvaleszent noch zu Hause bleiben.

Als Telis-Coach Kurt Ring im Beisein ihres Trainers Heiner Weber Mocki gratulierte, erzählte der Mocki, dass in der A-Jugend eine gelernte Sprinterin wie sie loslegte und sich von Anfang an vom Feld absetzte. Da unterbrach Mocki vorschnell in ihrer typischen sprudelnden Art: "Und dann ist sie abgekackt". Heiner Weber darauf väterlich freundlich: "Nein Mocki, die hat genauso überlegen gewonnen wie du!" Im Übrigen ist die Siegerländerländerin wieder froh, in alter Trainingsbetreuung zu sein. Ein jahrelang eingespieltes System kann man eben nicht verändern und es kommt selten was Besseres heraus.

Von Telis-Seite debütierten zwei Athleten/Innen, für die breite Öffentlichkeit verborgen, ganz hervorragend. Der erstmals bei einer DM laufende Dominik Jakob lief zwar in dem für in viel zu langen A-Jugendrennen viel zu forsch an, kämpfte sich dann aber auf Rang 27 prächtig ins Ziel. Ähnliches gelang Steffi Volke in ihrem allerersten Crosslauf auf Rang 28 bei den Frauen. Zuvor war die Newcomerin nur auf Distanzen über 10 km gelaufen.

Großes Familientreffen natürlich auch beim Telis-Team: Familie Pflieger, Lutz, Harrer, Blößl, Kick, Piendl, Meingast, Zweck, Plinke waren von nah und fern angereist, um ihre Kinder lautstark zu unterstützen. Unser Thüringer Athlet René Manthee stellte erstmals seine große Liebe vor. Mit dem Cross hat er es allerdings nicht so. Trotzdem steuerte er seinen Teil zum sechsten Platz in der Männerwertung bei.

Große Freude natürlich bei den Lutzens. In der Juniorinen-Silbermannschaft stand auch Judith Lutz, die im Übrigen das Rennen ihres Lebens ablieferte und eiskalt die dritte Quelle-Juniorin, ihres Zeichens schon Cross-EM-Teilnehmerin, abzockte, was im Endeffekt ausschlagegend für den zweiten Stockerlplatz war. Die immer etwas im Schatten ihrer großen Schwester Susi stehende Sinzingerin strahlte denn auch über beide Ohren und durfte gleich zweimal zur Siegerehrung gehen, weil sie auch im auf Platz acht einkommenden Telis-B-Frauenteam stand.

Nachdem Württemberg-Coach Jens Boyde bei den Hallenmeisterschaften eine hemmungslos heulende Corinna Harrer noch tröstend in den Arm nehmen musste, weil seinem Schützling Kristina Schadt nach Protest zurecht Bronze zuerkannt worden war, durfte er nun eine strahlende Siegerin herzen."Das ist mehr als ein Ersatz für verlorenes Bronze" so die Dominatorin der weiblichen Jugend.

"Was habt ihr denn mit dem gemacht", so Mama Pflieger nach drei Runden des Juniorenlaufs, als ihr Filius Philipp immer noch vorne mitmischte. Der glaubt aber auch nach 364 Tagen ohne Training am 365. Tag beim Wettkampf an seine Siegchance, auch wenn er dafür die Hälfte der Distanz am Zahnfleich daher kommt. Der Wille versetzt eben Berge, auch wenn an solchen Tagen dann das Mundwerk des überaus gesprächigen, aber äußerst sympathischen Schwaben für drei Radiosendungen reicht. Einfach phänominal!

Seine bessere Hälfte, die Susi, war trotz ihres vierzehnten Platzes im wohl bisher leistungsdichtesten Frauenfeld zufrieden. Mit der diesjährigen Wintervorbereitung und den vor allem für sie so wichtigen, diesmal fehlenden GA2-Einheiten, geht einfach noch nicht mehr. Gerade bei der immer solide laufenden Hindernisspezialistin muss also nicht gleich bei jedem Nicht-Stockerl-Platz die Frage nach der großen Krise gestellt werden, auch eine Julia Viellehner landete "nur" auf Platz zwölf. Deshalb freut uns die Aussage vom DLV-Teamchef Adi Zaar: "Wir glauben an Susi Lutz, auch wenn es nicht direkt nach Berlin geht."

Der anwesende DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop brachte Ingolstadt dann in den Status eines potentiellen Cross-EM-Bewerbers. Die Schanzerer denken nun aber zuerst einmal wieder an eine Ausrichtung von Bayerischen Meisterschaften auf der Bahn. Im Smalltalk mit seinem ehemaligen Vereinskollegen Kurt Ring, der die drei verpassten Goldchancen ansprach, bemerkte er: "Eure Ansprüche sind im Vergleich zu früheren Jahren enorm gestiegen, die Klasse des Teams aber auch." Ja, ja - der Clemens -trotzdem freut es uns, auch wenn für den jetzigen Präsidenten zu seiner Aktivenzeit 200 m schon ein Marathon waren und er so von der langen Lauferei nur periphär etwas versteht. Marathonqualitäten muss er nun als Funktionär zeigen: Er will über 2009 hinaus weiter regieren, aber nur dann, "wenn sich da einiges beim DLV verändert."

Für die Jungtalente Julia Kick, Theresa Piendl, Jonas Zweck und Sebastian Zundler wars der erste deutsche Meistertitel ihrer Karriere, Philipp Pflieger stand schon mal in Sindelfingen im Meisterteam und Corinna Harrer hat sich inzwischen schon fünf Mal DM-Gold umhängen lassen. Bayerische Einzelmeister in ihren Altersklassen waren sie alle schon mehrmals.