Ein konfuser Gedankenbericht über das Trainingslager 2009 in Cervia

tl_09_spikesCervia, 13.04.2009 (Florian Orth) – Eine kleine Gruppe der LG Telis Finanz Regensburg reiste mit zwei Kleinbussen schon am Montag, den 06. April ins gewohnte Ostertrainingslager nach Cervia bei Rimini (Italien). Mit dabei im Gepäck waren zwei Athleten aus dem bayerischen Ausland (Bastian Franz vom VfL Sindelfingen, Florian Orth vom ESV Jahn Treysa). Nach einer kurzweiligen Fahrt empfing uns in Cervia neben wunderschönem Wetter auch die bereits angereiste Trainingsgruppe der LG Neu-Isenburg/Heusenstamm. Hoffte ich bis kurz vor Ankunft noch auf hübsche Italienerinnen, die mir die folgende Schinderei etwas „erleichtern“ sollten, merkte ich doch schnell, schöne Italienerinnen sind rar. So waren wir zu Beginn eine 13-köpfige voll motivierte Gruppe, die sich gemeinsam die nächsten Tage zu Höchstleistungen antreiben wollte. Leider musste Philipp Pflieger schon vorab die Trainingsschuhe gegen Flip-Flops tauschen, da ihm sein Körper wieder einmal einen Strich durch die Rechnung machte – doch Philipp macht sich auch sehr gut als Co-Trainer, Fahrer und Flaschenträger, einfach Mädchen für alles...

Dem schlechten Beispiel Philipps folgend, entschied auch ich mich nach dem ersten Tag für eine Woche „Urlaub an der Adria“. Nach einem sehr guten Dauerlauf quälen mich nun überraschend wieder Knieprobleme – das Trainingslager schien einerseits erst einmal gelaufen, andererseits hatte Philipp nun endlich etwas Gesellschaft. Der Leidtragende war Bastian Franz, der in der Hoffnung auf eine gute Truppe mitgereist war und nun allein die Schindereien in Angriff nehmen musste – natürlich immer gejagt von den schnellen Mädels der LG. Bastians größte Angst bestand immer darin, überholt zu werden :-D Aber er hat sich wirklich wacker geschlagen, Hut ab, Basti !

Nun hieß es für mich, viel alternativ unterwegs zu sein, das Schwimmbad sah mich nun täglich – mehr oder wenig freudig drehte ich fleißig meine Runden beim Schwimmen und Aquajoggen. Ein bisschen Abwechslung boten hier Kurts kreative Wasserspielchen. Aber was hätte ich nicht alles dafür gegeben, diese Wasserrunden gegen „echte“ Runden auf einer schönen Tartanbahn im Stadion zu tauschen? Meine ganze Hoffnung setzte ich auf die Physiotherapeuten, deren Ankunft ich sehnlichst entgegen fieberte.

Die Physios waren auch kaum da, schon hatten sie uns Sorgenkinder mit ihren Wehwehchen zu versorgen, es verging kaum Zeit, bis jeder mit neuer Kriegsbemalung (oder treffender Kriegsbeklebung) in die weiteren Trainingsschlachten zog: Es war nun richtig „IN“, möglichst viel Kinesio-Tape in möglichst vielen verschiedenen Farben zu präsentieren - auch ich zählte dazu, nur blieben bei mir leider die Trainingsschlachten aus. Die LG Telis Finanz Regensburg denkt ernsthaft über eine Umbenennung in LG Kinesio Regensburg nach. Ich muss an dieser Stelle der Physiotherapeutin Sarah Tannheimer ein dickes Lob und Dankeschön aussprechen. Ihre Betreuung war sehr professionell – Übungen und Tipps hatte sie immer parat. Ich bin ganz guter Dinge, dass es wieder aufwärts geht. Es wird der Tag kommen, an dem ich wieder angreife, nehmt Euch in Acht! ;-)

Doch mit der Ankunft der Physios am Freitag, den 10. April war auch die sonstige Ruhe vorbei. Der Bus mit rund 50 weiteren Athleten fuhr vor. Jetzt war die Mannschaft des Trainingslagers Cervia 2009 der LG Telis Finanz Regensburg komplett, ein bunt gemischter Haufen von jung bis alt aus diversen Teilen Deutschlands (vorrangig Bayern, aber immer mehr auch Hessen - „Vorsicht, die Hesse komme“ - und Schwaben, um nur wenige zu nennen).

Damit verbunden war auch der Umzug ins andere Hotel. Mein Zimmernachbar war nun Felix Plinke, mein Staffelkollege. Positionskämpfe wurden nicht mehr nur im Wald oder auf der Bahn ausgetragen, nein, auch der beste Platz im Restaurant oder am Buffet war immer wieder ein Kampf, selbstverständlich wurde aber auch dies sportlich genommen.

Das Essen ist der einzige Kritikpunkt, oft dauern die Mahlzeiten viel zu lange, die größten Portionen sind es auch nicht gerade, aber mir half es so immerhin, bei der wenigen sportlich aktiven Betätigung die Figur zu halten – mein eh schon geschundenes Knie soll ja nicht unnütze Kilos herumschleppen müssen. Bei den anderen hatte ich da schon eher meine Bedenken, ob sie ohne Hungerast durch so manch langen Dauerlauf kommen würden.

Erste Ermüdungserscheinungen traten auch bereits bei LG-Athleten auf, so landete vor lauter Schwäche der Zahnputzbecher im Bad. Scherben bringen ja bekanntlich Glück, doch stellt sich das nicht immer sofort ein, so folgte  dem direkt ein Sturz im Pinienwald – nein, keine Angst, außer einer kurzen Schrecksekunde und anschließend großem Gelächter ist wohl nichts passiert.

Auch die Kommunikation mit dem Personal stellte sich als mehr als schwierig dar, man wollte mir einfach nicht mein so schön bestelltes „gelato straciatella“ bringen, ich muss wohl noch an meinem Italienisch arbeiten...

Wem die ganze Schinderei nicht genug ist, tobt sich abends noch bei diversen Spielen (Eierspiel, Activity, Halligalli...) oder Musikrunden aus, bis auch der Letzte müde ins Bett fällt. Wer eher seine Ruhe haben möchte, findet diese abends am besten bei wunderschönen Spaziergängen am Strand oder im Pinienwald. Mit dem Schlafen klappt es auch ganz gut, wenn nicht gerade eine wilde Truppe Salsa-Tänzer durchs Haus fegt...

Insgesamt kann ich trotz Verletzung ein wirklich positives Resümee über mein Trainingslager mit der LG Regensburg in Italien ziehen. Ich bin unheimlich nett in der Gruppe aufgenommen worden, vielen Dank, dass Ihr bei der Planung an mich gedacht habt! Auch Trainer Kurt Ring führte viele interessante Gespräche mit mir. So werde ich viele positive Eindrücke mit nach Hause nehmen! Der Teamgeist hat mir gut gefallen, hier zeigt sich, dass die Leichtathletik keineswegs nur eine Einzelkämpfer-Sportart ist.

Ich bin ganz wehmütig, dass ich am Mittwoch schon abreisen muss, aber ich werde wiederkommen, da könnt Ihr euch sicher sein! :-)

P.S. Heute hat es nun endlich geklappt, ich habe mein lang ersehntes Straciatella-Eis bekommen, gleich zwei Kugeln, ich war einfach nur glücklich - ein dickes Dankeschön an Doris! :-)