Gerd Schneider von der Mittelbayerischen Zeitung entzaubert die Magie der ZDF Boxnacht

Regensburg, 27.04.09 (orv) – Bravo Gerd Schneider! Der Chefredakteur der Mittelbayerischen Zeitung findet in der heutigen Montagsausgabe endlich einmal klare Worte zum Zauber der regelmäßig wiederkehrenden Boxnächte in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern. „Speziell in Deutschland ist das Boxen zu einem unerträglichen Klamauk verkommen, woran die übertragenden Fernsehsender nicht unschuldig sind. Boxkämpfe sind für sie Quoten-Kühe, die sie beständig melken. Dass sich die Profiboxer einen feuchten Kehricht um Dopingbestimmungen scheren, dass oft genug Gegner im Ring stehen, die den Namen nicht verdienen – all das schert die Leute in den Sendern nicht. Das einzige, was sie interessiert ist die Einschaltquote. Am Samstag beim „Duell“ zwischen Felix Sturm und dem Japaner Koji Sato wurde ein neuer Tiefpunkt auf der nach unten offenen Skala markiert.“

Was den guten Schreiber der MZ so aufregt, sollte jeden Sportsmann die Zornesröte ins Gesicht treiben. Das alles hat nicht die Bohne mehr etwas mit Sport zutun. Der römische Zirkus war dagegen ein Waisenknabe. Wenn sich das Ego der jeweiligen millionenfachen Zuschauerschar nur noch auf diese Weise befriedigen lässt, na, dann servus für unsere Gesellschaft. Sind denn öffentlich-rechtliche Fernsehsender, die sich auch immer noch aus den Gebühren der Bürger finanzieren, dazu da, um beste Sendezeit für ein Spektakel der niedrigsten Art zu verschleudern?
In Zeiten, in denen Geiz geil ist, ist auch die Gewinnmaximierung für die Sender kein Unwort – Hauptsache der Rubel rollt. Ob’s dann sportlich zugeht, der Wettkampf vielleicht schon im Vorfeld verschoben wurde, scheint die Herrn Intendanten wenig zu berühren. Dann dreht auch ein ansonsten versierter Reporter wie Günter Peter Ploog am Rad und führt sich auf wie der Fischverkäufer am Hamburger Hafen. „Mit vibrierender Stimme pries er Sturms Qualitäten so inbrünstig an, dass man sich Sorgen um seinen, Ploogs, Gesundheitszustand machen musste“, kommentiert Gerd Schneider Ploogs „Expertise“ über den Berufsboxsport.


Ich kann mich da nur dessen Ratschlag an alle wahren Sportsfreunde, und speziell an jene, die den Boxsport als ehemals großen Sport liebten, folgen: Rasch abschalten!

von Kurt Ring