Die Leichtathletik hat ein Darstellungsproblem

lutzsusi1_bremen_dm10tausend09_boydefotoRegensburg, 06. Mai 2009 (orv) – Früher war alles ganz einfach. Die Deutschen Titelkämpfe über 10.000 m wurden innerhalb der eigentlichen Meisterschaften in den Monaten Juli oder August ausgetragen, freilich meist auch vor leeren Rängen, weil die Läufe bereits am Freitagabend stattfanden. Seit der Verlegung dieser Entscheidungen in den frühen Mai tut sich der DLV schwer, die 10.000 m entsprechend ihrer Bedeutung zu präsentieren. Bremen war wieder einmal ein Beispiel, wie es nicht sein sollte.

Dabei geht es nicht darum, die rührigen Bremer Ausrichter zu kritisieren. Die taten alles um mit einem minimalen Budget, das sich in der Hauptsache aus den Einnahmen der Startgebühren rekrutiert, doch noch etwas herauszuholen, wenn auch der eingebundene Volkslauf mit nur wenigen Teilnehmern mitten in den Meisterschaftsentscheidungen ein Flop war. So wurden denn die Anwesenden, eigentlich zu hundert Prozent Trainer, Betreuer und Verwandte der teilnehmenden Athleten/Innen, auf eine harte Geduldprobe gestellt. Von 15.15 Uhr bis beinahe 20 Uhr dauerte das Programm für die drei echten Titelkämpfe der Jugend (weiblich 5000 m), der Frauen (Frauen/Juniorinnen) und Männer (Männer/Junioren), was letzendlich auch in knapp zwei Stunden hätte ablaufen können. Das Unternehmen, mit einem vorgeschalteten Schülersportfest, dem sogenannten Volkslauf und den vom Verband neu eingeführten Entscheidungen der männlichen Senioren mehr Leben einzuhauchen, misslang gründlich. Der Stadionsprecher bemühte sich zwar redlich, die nicht vorhandenen Massen auf der Tribüne zum Klatschen anzuregen, lag aber mit seinen Fachkommentaren zum Renngeschehen meist heftig daneben, verwechselte permanent Namen und zeigte wenig Fingerspitzengefühl für die Momente, in denen Ruhe nötig gewesen wäre.
Entsprechend lieblos dann auch die Präsentation der Sieger. Musste man schon endlos auf gültige Ergebnisse warten, blieb die Überreichung der Medaillen gleich ganz aus. Eine Volkslaufmedaille – für alle die gleiche – um den Hals der Finisher, das war’s. Die Urkunden gab’s dann doch noch nach reichlich einer Stunde auf überdimensionellen Holzkisten, die als Siegerpodest dienten. Da wirkten die etwas verloren herumstehenden vier Lorbeerbäumchen im Gegensatz dazu fast feierlich.

Entsprechend dann auch das Echo der meist nicht vorhandenen Pressevertreter. Man konzentrierte sich eben auf die reine Ergebnisberichterstattung, was selbst im heimischen Printmedium, dem „Weser Kurier“ in seiner Sonntagsausgabe nur zu einem Einspalter mit vielleicht zwanzig Zeilen reichte. Randnotiz eben, ein Rolle, mit der sich die Leichtathletik immer mehr abfindet. Dem Dachverband dürfen aber auf Dauer seine „Randmeisterschaften“ nicht schnuppe sein. Die Verantwortung allein dem Ausrichter aufzubürden, kann zu keinem befriedigendem Ziel führen. Änderungen müssen her, zumindest nachgedacht muss werden. Denkbar wäre eine Verlegung der Entscheidungen in ein höherwertiges Abendmeeting im Juni oder vielleicht sogar wieder die Rückführung der Läufe ins übliche Stadionprogramm. Das würde allerdings auch bedeuten, dass auf der Langstrecke bei einer gleichzeitigen Durchführung der 5000 m und 10.000 m mangels Läufer/Innenmasse und –klasse unter Umständen der Offenbarungseid geleistet werden müsste.