Der Telis-Langstreckler geht nicht immer einen leichten Weg

pflieger2_koblenz08-lutz-fotoRegensburg, 19. Mai 2009 (danner) - Saisonende schon im April? Für Philipp Pflieger stellt sich diese Frage gar nicht. Auch nicht mit einem Ermüdungsbruch im Kreuzbein. Der 21-jährige Regensburger kennt in diesem Jahr nur ein Ziel: Die Junioren-Europameisterschaften im Juli in Kaunas (Litauen). Im Dezember 2007 startete der Mittelstreckenläufer erstmals bei Cross-Europameisterschaften – damals noch für den VfL Sindelfingen (Baden Württemberg). 2008 gewann er – schon im blauen Trikot der Regensburger – die Bronzemedaille bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften über 5000m und im März diesen Jahres folgte der Deutsche Vizemeistertitel im Crosslauf.

Seit seinem elften Lebensjahr betreibt Philipp Leichtathletik im Verein, anfangs mit mäßigem Erfolg. In Kadersichtungen fiel er nicht auf – er konnte weder gut sprinten, noch springen oder werfen. Nachdem er aber bei diversen Langstaffelwettkämpfen seine Ausdauerstärke bewiesen hatte, nahmen die Trainer den 13-Jährigen in den württembergischen D-Kader für 3000 Meter auf. pfliegerphilipp1_dm10km08_kiefnerfotoDann verschwand Philipp Pflieger erst einmal von der Bildfläche des Laufsports. Vier Jahre lang hinderten ihn Wachstumsprobleme am gezielten Trainieren; und nach den ersten Spikeeinheiten im Frühjahr 2005 zog er sich zwei Ermüdungsbrüche in Schienbein und Mittelfuß zu. Nur seinem Freundeskreis in der Leichtathletik, dem engagierten Trainer und nicht zuletzt seinen Eltern verdankt er sein Durchhaltevermögen in der schwierigen Phase. Diese Krisenzeit hat ihn geprägt: „Ich freue mich über jede Laufeinheit und kann von Tempoläufen gar nicht genug bekommen“, schwärmt der 21-jährige. Selbst in der Sommerpause denkt er nur an seinen Sport, resümiert die vergangenen Wettkämpfe, plant sein Training, setzt sich Ziele für das nächste Jahr. „Mehr als zwei Wochen Ruhe halte ich nicht aus“, sagt er.

An Trainingsfleiß fehlt es ihm also nicht. Dass sein läuferischer Ehrgeiz zugleich Fluch und Segen für ihn ist, bekennt er selbst. Er würde gerne für sein Studium im selben Maße „Disziplin und Ehrgeiz aufbringen“ wie für den Sport. pflieger_leichtathletik-de__crossdm09_foto_kiefner„Ich gehe lieber laufen, als fünfzig Seiten für die Uni zu lesen“, sagt er mit einem Grinsen im Gesicht. Dieses Jahr im März machte ihm seine Gesundheit erneut einen Strich durch die Rechnung. Als die Ärzte im März, eine Woche vor dem Trainingslager, die Diagnose – Stressfraktur im Os Sacrum – stellten, begann nach kurzer Schockphase die Zeit des Wartens. Das Trainingslager in Italien nützte Philipp für intensive Saisonplanungen und Gespräche mit seinem Trainer Kurt Ring. So wird er am 12. Juni in Lugano (Schweiz) starten, um die EM-Norm zu laufen, da das Mini-internationale Meeting in Koblenz als Qualifikationswettkampf für ihn ausfällt.

Sein erstes und einziges Rennen vor Lugano ist die Sparkassen-Gala in Regensburg am 7. Juni, bei der er über 1500 Meter antreten wird. pflieger_philipp_dlvgala08_foto_gantenberg-fotoFür solch ein Großereignis wünscht er sich auch eine angemessene Medienpräsenz: „Ich finde es schade, dass Sportler, die so hart trainieren und schuften, in der Öffentlichkeit so wenig wahrgenommen werden.“ Er meint, die deutschen Leichtathleten sähen sich stattdessen ständig Dopingvorwürfen ausgesetzt, obwohl das deutsche Kontrollsystem das härteste der Welt sei. Dopingsünder verachtet er; deshalb hat er auch längst keine sportlichen Vorbilder mehr. Er glaubt, dass saubere Karrieren möglich seien. Vielleicht liefert er uns ein gutes Beispiel dafür.

von Christiane Danner