Der Telis-Langstreckler nach schweren Monaten im Gespräch mit lg-regensburg.de

pflieger_lugano_meeting_2009Lugano/CH, 12. Juni 2009 (orv) – Philipp Pflieger hat nach nur fünfwöchigem Training die Qualifikationshürde für die U23-EM in Kaunas bei einem internationalen Rennen in Lugano locker gepackt. Als Achter erreichte er mit neuer Bestzeit von 13:54,39, erstmals unter 14 Minuten bleibend, das Ziel. Damit katapultierte er sich an die zweite Stelle der deutschen Bestenliste, drei Sekunden vor dem bei der Mannschafts-EM startenden Christian Glatting vom TV 01 Wattenscheid. Damit ist er bester Regensburger aller Zeiten, Grund genug, ihm deswegen ein paar Fragen zu stellen.

Philipp, Stressfraktur im Kreuzbein Mitte März, dann sechs Wochen absolute Sportpause, ein fünfwöchiges Aufbautraining. Wie erklärst Du dir deine Leistungssteigerung unter diesen außergewöhnlichen Voraussetzungen?

Wir haben schon im Herbst sehr gut gearbeitet und mein Ausdauerniveau stark anheben können. Durch die vielen Unterbrechungen wegen Grippe und Verletzungen war es nur schwer dies auch in Wettkämpfen umzusetzen. Außerdem war ich ja, mit Ausnahme der Stressfraktur, in meinen Verletzungspausen nicht untätig. Alternativ- und Krafttraining sorgten sicher dafür, dass ich in diesen Zwangspausen nicht zu stark an Form abgebaut habe.

Deine Mutter war ganz erstaunt, wie du die lauflose Zeit mental verarbeitet hattest. Im Gegensatz zu früheren Verletzungsabschnitten, schienst Du gerade zu sprühen mit Plänen für die nähere und weitere läuferische Zukunft. Wie erklärst Du dir diese derzeitige mentale Stärke?

Ich war in der Vergangenheit leider schon des Öfteren verletzt, was sicherlich damit zusammenhängt, dass mir der kontinuierliche Aufbau der Jugend-Zeit fehlt. So gesehen ist es zwar jedes Mal aufs Neue bitter, aber man gewinnt mit der Zeit eine gewisse Routine was man tun kann um die Zeit nicht sinnlos verstreichen zu lassen. Zusätzlich habe ich kurz vor der Stressfraktur mit Abstand die beste Leistungsdiagnostik meines Lebens absolviert. Ich wusste also ich werde trotz der sechs Wochen Pause nicht alles verlieren und habe daher schon dem Bahntraining und Feinschliff für den Sommer entgegengesehen.

Wie hast Du dein erstes Rennen nach der Pause vor den vollbesetzten Rängen der Sparkassen Gala empfunden? War der Sieg eine Hilfe für das fünf Tage später stattfindende Rennen in Lugano?

Das Rennen war einfach nur phänomenal. Wie letztes Jahr bei meiner Heimpremiere war ich auch dieses Mal von der Atmosphäre schlichtweg begeistert. So eine Kulisse puscht natürlich wahnsinnig. Das ist für mich auch eine ganz neue Erfahrung, das kannte ich so vorher nicht. Der Sieg mit den relativ lockeren 8:10 min gab mir dann natürlich auch jede Menge Sicherheit für das anstehende Rennen in Lugano. Ich wusste ungefähr, was ich drauf habe und was ich mir zumuten kann.

Die Quali für die U23-EM fast in der Tasche, aber keine 1500 m Norm für die Deutschen Meisterschaften in Ulm, weil keine Möglichkeit bestand, diese in der kurzen Zeit abzuleisten. Dort willst Du die 1500 m laufen, für dich ein wichtiger Baustein zum Formaufbau Richtung Kaunas. Hat sich da in der Zwischenzeit etwas getan?

Ja, ich sehe die 1500m eineinhalb Wochen vor meinem zu erwartenden Start bei der U23 EM als sehr wichtig an. So ein Unterdistanzrennen lässt sich nicht mit Training ersetzen und passt optimal in die Planung. Da es die deutschen Meisterschaften sind hoffe ich auch, dass das Rennen schnell wird. Nach meinem Rennen in Lugano habe ich noch einmal mit meinem Bundestrainer Werner Grommisch telefoniert, der jetzt für mich eine Ausnahmegenehmigung beantragen will.

Wie schaut der weitere Zeitplan bis zum EM-Rennen am 16. Juli aus, wann erfolgt die endgültige Nominierung?

In zwei Wochen werde ich bei den deutschen Juniorenmeisterschaften in Göttingen wieder über 5000m starten und die Woche darauf über die 1500m bei den deutschen Meisterschaften in Ulm. So wie mein Bundestrainer zuletzt am Telefon meinte, werden wohl noch einige der deutschen Junioren bei der DM in Ulm versuchen die 5000m EM Norm von 14:10min zu knacken. Ich gehe dann davon aus, dass im Anschluss nominiert wird.

Abschließend noch: Welchen Rat kannst Du Leidensgenossen geben, die verletzungsbedingt in ähnliche Situationen kommen, um die Rekonvaleszenz bestens zu überstehen?

Niemand wird wahrscheinlich verletzungsfrei Leistungssport betreiben können, weil man immer auf Messers Schneide trainiert und manchmal leider auch darüber hinaus. Aber das gehört vermutlich dazu, wenn man immer das Maximale aus sich heraus holen will. Ich kann nur sagen, versucht die Verletzung eher als Laufpause zu betrachten und versucht wenn möglich alternativ weiter zu arbeiten. Ihr könnt eure Fähigkeiten auch durch Aquajoggen, Rad- / Ergometerfahren und Krafttraining steigern oder zumindest im Rahmen halten. Verliert euer Ziel nie aus den Augen!

Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen dir für Kaunas eine weitere störungsfreie Vorbereitungsphase beziehungsweise den optimalen EM-Erfolg.