Drastische Regeländerungen bei den erstmals durchgeführten Mannschafts-Europameisterschaften im portugiesischen Leiria

Leiria/POR, 20. Juni 2009 (orv) - Vielleicht sollten es die Oberen der europäischen Leichtathletik einmal mit einer Fürbitte bei der ortsnahen Mutter Gottes von Fatima probieren. Die Sportart scheint den Machern der EAA dem jetzigen Zeitgeist nicht mehr zu entsprechen. Das Publikumsinteresse lässt nach, ein neues Gewand muss her. So hat man denn flugs aus dem früheren Europapokal der Nationalmannschaften schon vor Jahren die Super League gemacht, um ihr 2009 mit dem Titel Europameisterschaften der Mannschaften wieder einen neuen Titel zu verleihen. Und weil in einem neuen Ding auch Neues drin stecken muss, hat man auch noch kräftig an den leichtathletischen Regeln herumgemurkst.

Mag man die Null-Toleranz gegenüber den "Schiebern", sprich Fehlstartern noch verstehen und auf Grund der Bevorteilung des Ersttäters in jedem Sinne akzeptieren, wird das übrige Regelwerk nur zur Verwirrung sorgen, wenn zum Beispiel in Runde drei des 5000 m Rennens alle Teilnehmer wie von einer Tarantel gestochen losrasen, nach dem Zieldurchlauf unter Umständen in läuferische Agonie verfallen. Der letzte im Feld scheidet dann nämlich am Zielstrich aus dem laufenden Rennen aus. Der Präsident der EAA Hansjörg Wirz müsste jenen Blödsinn eigentlich einschätzen können, war er doch selbst einmal Läufer. Nicht auszudenken, es kommt beim letzten Ausscheidungssprint zum Fotofinish der Letzten und der eigentliche Looser gewinnt zwei Runden später, weil die Auswertung des Zwischenzielfotos zu lange gedauert hat.

Auch jener Unsinn bei den Horizontalsprüngen von Durchgang zu Durchgang das Springer-Feld zahlenmäßig zu vermindern, wird nicht mehr den Besseren zum Ersten küren, sondern eben bestenfalls den Glücklicheren. Bei den Unwägbarkeiten den Rücken- und Gegenwind beim Drei- und Weitsprung bzw. das Treffen des Bretts beinhalten, wird das "in die Weite" springen zum Lotteriespiel. und auch so mancher spannende Höhenpoker beim Stabhoch- und Hochsprung unmöglich, weil den Protagonisten die Sprünge ausgehen.

Es wäre einfach an der Zeit, dass jene wackeren Funktionäre einmal über ihren eigenen "Mist" nachdenken, den sie Jahr für Jahr produzieren. Beispiele gefällig: Neun furchtbar lange WM-Tage mit ewigen Pausen zwischen den einzelnen Wettbewerben, weil selbst die absolut umfangreiche Leichtathletik es nicht schafft, jene neun Tage sinnvoll zu füllen. Doch die Geldgier jener Oberen scheint unersättlich: Neun Tage WM sollen eben mehr Kohle in die Verbandskassen spülen, als vielleicht fünf oder sechs. Oder jene geradezu affige Kleinkrämerei mit den Plastelin am Ende der 20-zentimetrigen Gültigkeit am Weitsprungbalken. Soll es nun eine Neigung von 32 Grad oder eine von 45 Grad haben? Darüber können sich Funktionäre jahrelang den Kopf zerbrechen, obwohl es eigentlich nur um ihre eigene Rückständigkeit geht, endlich elektronische Verfahren einzuführen, die das Plastelin überflüssig machen. Auf die Güte der Sprünge hat es eh keinerlei Einfluss.

Dazu passt auch noch gut eine kleine Anektode im Vorfeld der Senioren-Europameisterschaften "non stadia" 2007 in Regensburg. Der zuständige europäische Funktionär wollte einfach nicht glauben, dass man für eine 10 km Straßenlaufentscheidung keine unattraktive 2 km-Schleife braucht. Dem Ausrichter waren dessen Ängste beim Lesen der Bewerbungsunterlagen bald klar. Dort war genau festgehalten, dass die offiziellen Funktionäre zwar im Fünf-Sterne-Hotel unter zu bringen seien, eine elekronische Chip-Zeitmessung, inzwischen bei allen größeren Volksläufen usus, wurde aber nicht verlangt. So hatte der gute Mann ganz einfach Furcht, die Regensburger würden die Teilnehmer nicht richtig ins Ziel bringen.

Daraus gilt es ein einfaches Fazit zu ziehen: Entweder wechselt man die Führungsköpfe schnellstens aus oder in deren Köpfen ändert sich etwas. Die Leichtathletik ist, so wie sie sie ist, einfach schön, man muss sie nur anders anrichten.