Die Leichtathletik geht in der Flut ihrer verschiedenen Wertungen unter

Regensburg, 20. Juni 2009 (orv) – Der weniger in der Sportart involvierte Zuschauer von Leichtathletikveranstaltungen liebt den Kampf Mann gegen Mann auf der Zielgeraden, die ganz knappe Entscheidung bei einkommenden Läuferpulks. Freilich, der Zeitgeist hat es mit sich gebracht, dass volles Interesse meist nur am Sieger hängen bleibt. Wettkampfsport ist inzwischen zum Volkssport geworden. Man denke nur an die Volksläufe mit ihren „local heroes“, die allerorts spriesenden Jedermann-Zehnkämpfe, bei denen schon mal die Eingangssprunghöhe beim Hochsprung geringer liegt, als die offizielle Hürdenhöhe, die es später in zehnfacher Abfolge zu bewältigen gibt. Und jeder will nicht nur dabei sein, sondern sich zumindest im Glanz des Stockerls bewegen.

Irgendwie hat das aber zu einem Anachronismus geführt. Als ich unlängst in die Ergebnisliste der thüringischen Meisterschaften blickte, musste ich doch ein wenig ungläubig mit dem Kopf schütteln. Meisterschaften mit allen Altersklassen waren das, von den Jüngsten bis zu den Ältesten. Gelaufen sind sie wahrscheinlich schon miteinander, die Ergebnisliste warf allerdings meist nur eine/n Erste/n und eine/e Zweite/n aus, weil in den dutzenden von Altersklassen einfach nicht mehr gemeldet waren. Dem Zuschauer, sofern solche überhaupt kamen, wäre dieses System nur schwer zu vermitteln gewesen.

Dies ist keine Ausnahme: Bei den diesjährigen Bezirksmeisterschaften der Oberpfalz weist man mit Stolz darauf hin, dass 200 Teilnehmer/Innen um 90 Bezirkstitel kämpfen. Eine einfache Rechnung: Auf jeden Titel kommen zirka zwei Teilnehmer. Dies kann und soll nicht die Zukunft der Leichtathletik sein. In Zeiten des Rückgangs von Teilnehmern, Talenten und allgemein Wettkampfsport treibenden Jugendlichen muss sich auch das Klassen- und Wettkampfsystem reduzieren.

Motivierend ist dies jedenfalls nicht für Jugendliche, wenn sie unter zwei Teilnehmer/Innen zur/zum Meister/In gekürt werden. Einziger Anhaltspunkt ist dann wirklich nur noch die erbrachte Leistung in Zeit, Höhe oder Weite und wenn die einmal stagniert bzw. entwicklungsbedingt rückläufig ist, ist der Dropout vorprogrammiert. Man kann sich sprichwörtlich auch zu Tode siegen!