Die Degeneration der Leichtathletik muss in den Köpfen der Macher aufgehalten werden

Regensburg, 21. Juni 2009 (orv) – „Mehr Leichtathletik in weniger Zeit, ohne den Charakter zu verändern, heißt die Devise“, so die klare Ansage von Claus Dieterle in der FAZ zur Behebung der allgemeinen Leichtathletik-Wahrnehmungskrise in der heutigen Gesellschaft. Die olympische Kernsportart Nummer eins ist derzeit auf dem besten Wege zur medialen Randnotiz zu degenerieren. Hektisch der Ansatz ihrer Funktionäre, möglichst viele Pfründe zu bewahren und doch an Ansehen nicht zu verlieren. Den gordischen Knoten zu lösen, haben sie bisher noch nicht gefunden, weder mit der neuen „Diamond league“ noch mit der Chaosveranstaltung Team-EM im portugiesischen Leiria.

Dabei wäre vieles so einfach. Die Kralswächter der Leichtathletik müssten sich einfach aus ihrer geradezu arroganten geistigen Behäbigkeit verändern. Beim Besuch von Weltmeisterschaften wird man den Verdacht nicht los, dass das Drumherum um die „olympic family“ wichtiger ist, als das eigentliche Event. Man huldigt sich selbst und merkt gar nicht, dass das leichtathletische Fußvolk schon längst arg verärgert ist.

Der lasche Umgang des Weltverbandes mit der Dopingproblematik, die sein Präsisent Lamine Diack am besten mit  einem kleinen Wusu-Zauber unter den Tisch kehren möchte, das gerade sture Festhalten an Großevents mit gähnenden Längen, als ob Otto Normalverbraucher auch die Möglichkeit hätte, sich neun Tage lang zwei Stunden Leichtathletik anzusehen, ansonsten in den nobelsten 5-Sterne-Hotels der jeweiligen Ausrichterstadt den süßesten Verführungen des Lebens hinzugeben.
Da riecht’s geradezu nach den alten Römern, die wegen ähnlichem Verhalten schlicht und einfach von der Weltgeschichte wegradiert wurden. Der Fisch stinkt nicht nur vom Kopf weg, ein wenig darunter geht’s ebenso zäh weiter. Seit nunmehr zwei Jahren redet man von einer Straffung der Deutschen Meisterschaften, aufgeteilt in Vorkämpfe/-läufe und Finals und seit zwei Jahren kommt nur heiße Luft zu Tage. Was in Ulm, Braunschweig, Wattenscheid bei den jeweiligen DM’s zähfließend lange dauert, schaffen Provinzausrichter meist in einem Drittel der Zeit. Man wählt sich von Zeit zu Zeit, berät sich zu Tode und ist letztendlich wieder mit dem Alten zufrieden.

Man muss der alten Leichtathletik keine neuen Kleider kaufen, sie lediglich mit allen modernen Möglichkeiten wieder ordentlich anziehen und dieses Prozedere beginnt zu allererst beim Zeitplan. Kein Fernsehmann käme auf die Idee, bei einem Fußballendspiel nach 20 Minuten Qualifikations-Highlights einzuspielen, geschweige denn die Spielzeiten mit fünf oder sechs Werbeeinspielungen zu zerhacken. In der Leichtathletik bestimmen inzwischen die Sender den Zeitplan. Dort, wo König Fußball Stärke zeigt, verliert sich die Leichtathletik in ihrer eigenen Schwäche. Dort wo knallharte Professionalität angesiedelt sein soll, hat ehrwürdige Ehrenamtlichkeit nichts mehr verloren. Nur, welcher Top-Sportmanager geht schon ins defizitäre Leichtathletik-Geschäft.

Also liebe Leut, die ihr die Leichtathletik auch hier zu Lande macht: Aus mit dem Zukunftsgeschwätz – Taten müssen folgen – unmittelbar und eigentlich schon gestern!