Gelungene Saison für den Ehninger Langstreckenläufer Philipp Pflieger

pflieger_gala09_bruesselfotoBöblingen, 28. August 2009 (Böblinger Zeitung/Holger Schmidt) - Er war Deutscher Juniorenmeister, Achter bei der U23-Europameisterschaft und ist derzeit zweitbester deutscher 5000-Meter-Läufer. „Ich habe dieses Jahr das Optimale rausgeholt“, strahlt Philipp Pflieger. Dabei gab es Zeiten in diesem Frühjahr, da wollte der Ehninger Langstreckenläufer, der seit zwei Jahren im Trikot der LG Telis Finanz Regensburg läuft, seine Saison verletzungsbedingt schon beenden, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Ein Ermüdungsbruch am linken Kreuzbein zwang ihn ab März zu sechs Wochen völliger Sportpause, nachdem zuvor Ende 2008 schon eine Grippe seinen Start bei der Cross-Europameisterschaft, für die er eigentlich qualifiziert war, vereitelt hatte.

„Erst am 1. Mai konnte ich wieder anfangen 20 Minuten zu joggen“, erinnert er sich an die traurigen Tage zurück. Doch der Ehrgeiz siegte. Schließlich wollte sich der 22-Jährige in seinem letzten Juniorenjahr für die U23-EM qualifizieren und dazu musste unbedingt bis Ende Juni eine 5000-Meter-Zeit von mindestens 14:10 Minuten her. „Wir haben nur eine einzige Chance“, war ihm und seinem Trainer Kurt Ring aufgrund des späten Saisoneinstiegs klar. Doch die nutzte Philipp Pflieger am 12. Juni in Lugano umso konsequenter. 13:54,39 Minuten lief er dort und ließ dabei sogar den Schweizer Olympiateilnehmer Philipp Bandi hinter sich.

Zwei Wochen später sicherte er sich in Göttingen in überlegener Manier den Deutschen Juniorenmeistertitel und wenn er bei der U23-EM in Kaunas/Litauen auch „nicht den besten Tag“ erwischte, so war er hinterher mit Rang acht dennoch hochzufrieden. Als Zugabe gab’s Ende Juli in Leverkusen noch eine neue 1500-Meter-Bestzeit von 3:43,65 Minuten und nur zwei Tage später lief er in Wattenscheid die 3000 Meter erstmals unter acht Minuten (7:59,40 Min.)

Sensationelle Ergebnisse für einen, der bis 2007 bei seinem alten Verein VfL Sindelfingen eher in der zweiten Reihe stand und anderen den Vortritt lassen musste. Das hat sich längst geändert. Seine alten Clubkameraden haben sich kaum verbessert, er den Sprung in die nationale Spitze vollzogen. „Es kommt nicht darauf an wie viel, sondern wie man trainiert“, nennt er sein Erfolgrezept. „Spezifische Tempodauerläufe, Kraft- und Zirkeltraining, viel Leistungsdiagnostik und eine langfristige Planung“, beschreibt er die Änderungen zu früher.

„Super-Umfeld, sehr professionell!“

Aber das ist sicher nur der eine Teil der Erfolgsgeschichte. Der andere ist das „Super-Umfeld, sehr professionell!“, wozu natürlich auch Freundin Susi Lutz, Dritte der U23-EM über 3000 Meter Hindernis, gehört. Mit ihr und drei anderen Trainingskollegen wohnt Philipp Pflieger, der seit zwei Semestern vom VWL- zum Politikwissenschaftsstudium gewechselt hat, im Regensburger ‚Athletenhaus’, einer Art Wohngemeinschaft zu Fünft. Übrigens haben auch die anderen Mitbewohner in den vergangenen Monaten des öfteren mit sehr guten Leistungen von sich reden gemacht.

Philipp Pflieger aber denkt schon an kommende Aufgaben. Die deutsche Staffelmeisterschaft über 3 x 1000 Meter, für andere Saisonhöhepunkt, war für ihn Ausklang, ein Einsatz bei der Deutschen Straßenlaufmeisterschaft über zehn Kilometer soll im September noch folgen, bevor im Oktober zwei Wochen „Komplett-Pause“ angesagt sind. Dann beginnt die Vorbereitung für 2010. „Hoffentlich gut durchkommen, ohne Verletzung!“ hat für Philipp Pflieger, der dann 90 bis 120 Kilometer wöchentlich trainiert, oberste Priorität.

„Wenn möglich, in jeder Strecke Bestzeit und eine DM-Medaille über 5000 Meter“, heißen seine nicht unbescheidenen, aber durchaus realistischen Ziele fürs nächste Jahr. Ein erster 10.000-Meter-Lauf auf der Bahn soll dann übrigens auch dabei sein. 29:40,06 Minuten lief hier der Deutsche Meister 2009 Filmon Ghirmai (Tübingen). Ein eher bescheidenes Ergebnis, wissen nicht nur Insider. Wer wie Philipp Pflieger die halbe Distanz trotz Verletzungspause unter 14 Minuten rennt, müsste das eigentlich auch können

von H. Schmidt