Kenenisa Bekele geht nach WM-Tortur und Zürich für vier Tage in die Höhe

Regensburg, 5. September 2009 (orv) - Vor seinem Start am Freitagabend beim Golden-League-Meeting in Brüssel (Belgien) hat Doppel-Olympiasieger Kenenisa Bekele einen Abstecher in seine äthiopische Heimat gemacht. „Ich habe vier Tage in der Höhe trainiert. Ich fühle mich jetzt wieder fitter und erholter als gleich nach der WM“, sagte er. So das Erfolgsrezept des Doppelweltmeisters zur Regeneration, einschließlich zweier Flüge von Zürich nach Addis Abeba und von dort zurück nach Brüssel.

Damit hat der große Meister alle Regeln des systematischen Höhentrainings auf den Kopf gestellt. Also Jungs und Mädels, wenn ihr euch nach drei oder mehr Rennen innerhalb zwei Wochen wieder einmal richtig schlapp fühlt, rein in den Flieger und ab ins Hochland, möglichst dreieinhalbtausend Meter hoch. Ihr werdet wie neu geboren zurückkommen und neue Rekorde folgen lassen. All die mühselig gesammelte Erkenntnisse der Wissenschaftler hierzulande scheinen für Afrikaner keine Gültigkeit zu haben, schon gar nicht für so einen wie Bekele. „Er ist eben ein Familienmensch und verheiratet“, relativierte einer seiner glühenden Verehrer, Dirk Thiele von Eurosport, bei der Übertragung von Brüssel Bekeles Sehnsüchte nach der Heimat.

Überhaupt scheinen inzwischen wertvoll gewordene Regeln des modernen Sports, wie zum Beispiel die Doping-Trainingskontrollen für Afrikaner keine Rolle zu spielen. Lamine Diack, Präsident der IAAF mit afrikanischer Herkunft steckt lieber Millionen an Preisgelder ins Weltfinale oder als Prämien in die WM und jene Summen die die wackeren Langstreckler aus Kenia und Äthiopien jedes Jahr nach Hause laufen sind auch nicht von Pappe. Ach ja, da fehlen für ein ordentliches Kontrollsystem in Afrika die Kühlsysteme, wie es unlängst mal hieß und wohl auch die Zahnärzte, die Bekeles weitklaffende Lücke zwischen den beiden vorderen Schneidezähnen schließen würden. Ein Merkmal, mit dem der renomierte Dopingjäger Professor Franke viele Protagonisten von Wachstumshormonen zu erkennen glaubt.

Es ist in der Tat erstaunlich, dass auf kleinen Flecken der Erde, wie Jamaica oder Äthiopien, jedes Jahr die potentiellen Weltrekordler im Dutzend geboren werden. Noch erstaunlicher ist deren lupenreine Ethik gegenüber unerlaubten Mitteln. Mit hartem Training bereiten sie sich im Winter mit der Unterstützung westlichen Managements, so auch eines stets dopingfreien denkenden Jos Hermens aus Holland, ohne jegliche Kontrollen auf die neue Saison vor und zeigen dann jenen dekadenten Europäern, die auf Grund ihrer versifften Moral schon fast wöchentlich kontolliert werden müssen, die Haken. Strahlend weiß – pardon natürlich schwarz – im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit.

The show must go on – irgendwie erinnert mich das alles ein wenig an David Copperfield den großen Magier. In seiner Show sitzend, wusste ich natürlich, dass alles nur Illusion war. Erwischt, wie er das gemacht hat, habe ich ihn allerdings nicht. So funktioniert eben die große Show. Ein Schelm, der dabei Schlechtes denkt.