Susi Lutz schwarze Serie endet im Litauischen

lutz-susi-kaunas09-lutz-fotoRegensburg, 5. September 2009 (orv) – Wie Phönix aus der Asche stieg ein Sinzinger Schulmädel 2003 und 2004 in den nationalen Langstreckenolymp der weiblichen Jugend B auf. Nichts schien Susi Lutz von der damaligen LG Domspitzmilch (jetzt LG Telis Finanz) aufzuhalten auf dem Weg nach oben. Fünf deutsche Meistertitel in zwei Jahren, dazu noch der deutsche B-Jugendrekord über 1500 m Hindernis der U18 waren Spuren einer Himmelsstürmerin, die auch 2005 auf einen weiteren Erfolgskurs zu sein schien. Im litauischen Kaunas stürmte der kleine Wirbelwind völlig überraschend bei der U20-EM dann auf den Bronzeplatz vor.

lutzsusi_em-u23-siegerehrung09_henselfotoUm unmittelbar jäh ins Tal des Zauderns und Zweifelns zu fallen. Die nur eine Woche später stattfindenden Deutschen Jugendmeisterschaften waren der Wendepunkt. Klar auf Kurs Richtung deutschen A-Jugendrekord über 2000 m Hindernis laufend und schon mit einem leichten Vorsprung versehen, musste sie am Ende die Bestmarke Julia Hiller überlassen, selbst auch noch unter der alten Bestzeit bleibend. Was dann drei Jahre lang folgte war nicht selten ein Tränental, meist harte Arbeit und ein ständiges Streicheln des eigenen Glaubens, es doch noch zu können. 2006, das Jahr mit vielen Krankheitsunterbrechungen, der Quali und letztendlich auch Traumreise ins Land der Mitte zu der Junioren-WM nach Peking. Doch dort ereilte sie Montezumas Rache, die Tartanbahn konnte die Regensburgerin, inzwischen fünf Kilo abgemagert, nur auf den Zuschauerrängen betrachten.

2007 dann das Aufatmen Ende Mai in Dommelhof. 10:05,94, die Norm für die U23-EM in Debrecen auf Anhieb geschafft und doch musste sie wieder zuschauen, weil auf dem letzten Meter Carolin Lang den dritten deutschen Startplatz wegschnappte und beim Rennen in Regensburg, acht Tage später, erneut eieinhalb Sekunden bei weit schlechteren Bedingungen ohne direkte Konkurrenz fehlten. Zu allem Überfluss rasselte dann Susi Lutz bei der DM in Erfurt auch noch an einen Hindernisbalken, just in diesem Moment, als sie zur großen Aufholjagd auf eine Medaille ansetzen wollte. Aus, vorbei der Traum vom versöhnlichen Saisonabschluss. 2008 dann wieder der Anlauf zur Cross-EM in Brüssel. Eigentlich auf dem Qualiplatz sechs in Darmstadt einlaufend, wurde ausgerechnet in der weiblichen U23-Mannschaft jener sechste Platz gestrichen, weil nach DLV-Aussage jenes Team die geringsten Erfolgsaussichten im Belgischen haben sollte. Die Wahrheit sah dann ganz anders aus: Die Mädels holten mit Bronze die einzige Medaille.

lutzsusi1_koblenz09_buettgenfotoSusi Lutz aber saß zu Hause und musste sich mit einer knallharten Norm von 10:00,0 Minuten für die 2009 in Kaunas stattfindende U23-EM beschäftigen. Auch eine Intervention ihres Trainers unter Heranziehen einiger Fachleute half nichts. Die Normzeit, mit der man noch bei allen U23-EM’s unter die besten fünf gekommen war, wurde vom DLV-Sportdirektor bis zum Letzten verteidigt und aufrecht erhalten. Die Telis-Langstrecklerin trainierte und kämpfte indessen weiter, einmal mit ein wenig mehr Fortune, wie als Deutsche Juniorenmeisterin über die 10.000 m und 3000 m Hindernis, einmal mit etwas weniger, wie beim Quali-Rennen in Rehlingen (10:02,49) oder bei der DM-Hitzeschlacht über 5000 m in Ulm. Letzendlich wurde sie aber dennoch für die 3000 m Hindernis für Kaunas nominiert, weil ihre Formkurve ständig nach oben zeigte, zudem ein klares Unterbieten der Quali über 5000 m mit 16:12,84 zu Buche stand.

lutz1_kaunas-emu20-09_lutzfotoKanaus, mon amour – so könnte es kitschigerweise für Susi Lutz schließlich heißen. In einem begeisternden EM-Finale bei gar nicht idealen Witterungsverhältnissen (sehr heiß und windig) ließ die „Kleine“ von Hindernis zu Hindernis einen nach dem anderen Klumpen ihrer großen Plagesteine im wackeren Läuferherz fallen, holte Mitte der Strecke zur großen Aufholjagd aus und jubilierte schon auf der Zielgeraden zurecht über erneut Bronze - wie sich das so gehört in neuer Bestzeit von 10:01,87. Da flossen dann schon ein paar Tränchen und die nicht nur bei ihr. Momente die für die Sportlerin und ihr unmittelbares Umfeld unvergesslich bleiben werden. Als Bestätigung des neugewonnenen Status mag die Stellung in der nationalen U23-Bestenliste von heuer gelten: Dreimal steht dort Susi Lutz an erster Stelle (3000 m, 5000 m, 10.000 m) und viermal unter den Top-Fünf bei Deutschlands Frauen insgesamt.

lutz_susi_berlin_09-kiefnerAls die Rede auf die 2010 in Barcelona stattfindenden Europameisterschaften kam und ihr Trainer floppig den Satz „Ich bin dabei, ihr könnt es euch ja noch überlegen“ (gemeint waren in einem Anflug von manchmal wohl tuendem „Größenwahn“, der hier nicht so ernst genommen werden sollte, Corinna Harrer, Susi Lutz und Philipp Pflieger) flötete Susi Lutz ganz leise „und ich als Körbchenträgerin …“
So zu verstecken braucht sich das Telis-Talent nun wirklich nicht. Aus einer 9:22 flach kann sie auch eine 9:15 machen und mit einer 9:15 kann sie in einem idealen Rennen auch 9:45 laufen. Die Norm für Barcelona wird übrigens 9:48 sein. Die Chance ist klein, aber auch jene in Kaunas, dort eine Medaille zu packen, war ebenso winzig klein. Susi Lutz hat sie dennoch gegriffen mit allem, was inzwischen eine große Läuferin ausmacht, zumindest bei uns in der oberpfälzischen Provinz.