Riesige Felder bei den herbstlichen Cross-Ausscheidungen

kickjulia1_nittendorf-cross08_lutz-fotoRaleigh/USA, 20. Oktober 2009 (orv) – Mitte August ist Telis-Langstrecklerin Julia Kick nach erfolgreich abgelegter Abitur-Prüfungen nach Amerika aufgebrochen, genauer gesagt nach Raleigh, North Carolina. Was sie dort erwartete, war zunächst einmal eine ganz andere Philosophie von Leistungssport. Befindet sich hierzulande dieser im Umfeld von Schulen und Universitäten eher in der Peripherie des Interesses, ist dies auf dem neuen Kontinent ein wenig anders. In den jeweiligen Colleges wird großer Wert darauf gelegt, man ist stolz auf seine Teams, hegt und pflegt sie und befindet sich natürlich auch im harten Konkurrenzkampf mit benachbarten Colleges.

Grund genug, um auf die amerikanische Situation des Laufes ein wenig einzugehen. Die Erkenntniss, dass eine gut angelegte Sichtung die Mutter des Erfolges ist, ist wohl auch in Deutschland keine Binsenweisheit. Die offiziellen Versuche des DLV einschließlich der Landesverbände dazu sind allerdings verglichen mit dem amerikanischen Ansatz ganz bescheidene. Im föderalistischen System des DLV ordert er dies Unterfangen an seine Landesverbände ab und die geben jenes Problem einfach an die Vereine nach der Devise „nun macht mal“ weiter. Was dabei raus kommt ist nach amerikanischer Denkweise – think big – weniger als nichts.

Natürlich ist alles auch eine Frage des Geldes. Der DLV jammert, die Landesverbände auch und die meisten Vereine haben eh schon „weniger als nichts“, schon gleich nicht für eine vernünftige Investition in die Nachwuchssichtung, was sich dann auch bei den sogenannten Vorausscheidungen für die nationalen Crossmeisterschaften in Zahlen deutlich zum Ausdruck bringt. Treten sich bei Bezirksmeisterschaften gerade mal eine Handvoll Läuferinnen mit einer großen Leistungsspanne auf die Füße, ist das bei den Landesmeisterschaften auch nur geringfügig besser. Selbst deutsche Crossentscheidungen mit mehr als hundert Teilnehmerinnen pro Lauf können nur mehr in der Frauenklasse realisiert werden, wenn wirklich von 18 bis 80 alles am Start ist.

Da lohnt sich ein Blick über den Teich. Selbst bei einem „pre-national race“ tummeln sich weit mehr als drei hundert Läuferinnen an der Startlinie und wer das Rennen auf dem Video verfolgt, wird sehr schnell die hohe Leistungsdichte feststellen. Dass daraus eine gute Auswahl für weitere Fördermaßnahmen zu treffen ist, versteht sich von selbst. So mag es auch gar nicht verwundern, dass Amerikas Langstreckler/Innen stetig auf dem Vormarsch sind.

Sicher, dies ist alles nicht auf Deutschland zu übertragen. Der Zeitpunkt für neue Sichtungskonzepte und zwar zentral vorgetragen, ist jedoch überreif. Deutschlands Frauenleistungen im Mittel- und Langstreckenbereich sind stark rückläufig. Die Spitze über 800 m bewegt sich im Mittel bei 2:03, jene über 1500 m zwischen 4:15 und 4:20. Besonders prekär wird es nach der Ära Mockenhaupt wohl über die 5000 m werden, wo sich Deutschlands Elite derzeit – nimmt man Mocki einmal aus – zwischen 16 und 16:30 bewegt. Es wird also höchste Zeit, dass sich in der Sichtung etwas bewegt.