Der scheidende BLV Präsident Karl Rauh zieht Bilanz seiner Amtszeit

Regensburg, 24. Oktober 2009 (orv) - Im Umfeld der Heim-WM wurde viel geschrieben über die Stellung der deutschen Leichtathletik. DLV Präsident Dr. Clemens Prokop sieht dabei soviel Postives, dass er gleich noch eine weitere Amtsperiode anhängen will. In Bayern endet im Frühjahr 2010 jedoch eine Ära. Der seit 15 Jahren im Amt tätige BLV Präsident Karl Rauh räumt seinen Stuhl. Dies war Anlass für ihn, ein letztes Mal vor der versammelten Trainerschar des Freistaates seine Sicht der Dinge darzulegen.

Der Grundtenor des Referates war neben einiger postiver Aspekte im Nachwuchsbereich eher negativ. „Im Hochleistungsbereich in Richtung Weltmeisterschaften und Olympischer Spiele“ stagniert der Landesverband.“ Für Karl Rauh liegen die Gründe klar auf der Hand. Er sieht die Misere hauptsächlich im Fehlen der leistungsstarken Vereine. Damit rührt er erneut in den altbekannten Baustellen herum, die so nicht einfach änderbar sind, aber am Versagen der bayerischen Hochleistungsleichtathletik nicht unbedingt schuld sein müssen.

Ein Hauch von Resignation ist zu spüren bei Karl Rauhs Abschiedsrede, in der es hauptsächlich darum geht, was eben nicht geht. Visionen für die Zukunft, ein neuer Weg ist aus den Worten nicht herauszulesen. Der Zentralismus Richtung Fürth und München hat sich als bayernuntauglich erwiesen, sein liebstes Kind das LAC Quelle Fürth/München ist sich nicht erst seit der Quelle-Insolvenz mehr einig. Die Trennung der beiden Blöcke TV 1860 Fürth und TSV 1860 München war schon vorher beschlossene Sache und auch das über den Schellenkönig gelobte Stützpunktsystem taugt eben nicht für den Hochleistungssport.

Ausgerechnet im ungeliebten, stets etwas aufmüpfigen Regensburg hat sich die Leichtathletik in den letzten Jahren weiter entwickelt, nicht zuletzt, weil man dort immer wieder individuelle Lösungen für die allseits sichtbaren Probleme der olympischen Kernsportart Nummer eins suchte. G8 und die „Verhausung“ der Jugendlichen ist auch hier ein Störfaktor, aber warum soll man sich damit länger beschäftigen, wenn man es eh nicht ändern kann.

So haben sich die Domstädter auf das pragmatisch Machbare spezialisiert und können mit sieben internationalen Einsätzen, 16 deutschen Meistertiteln (vorerst noch hauptsächlich im Jugend- und Juniorenbereich) und einem Meeting, dass in ganz Deutschland Anerkennung findet, durchaus Ansehnliches vorweisen. Ihr Ansatz, die Dinge zu regeln ist ein ganz anderer als jener des scheidenden Präsidenten. Als ständig von den Schwierigkeiten der heranwachsenden Talente im Übergang von der Schule zum Studium zu reden, packen die Regensburger die Dinge an. So überwiegt denn auch die Freude über etwas Gelungenes gegenüber dem, was eben nicht machbar ist.

Mit der weitaus größten Anzahl von Top-ten-Platzierungen in der deutschen Bestenliste aller bayerischen Vereine lässt man sich nicht davon abbringen, dass mit bescheidenen Mitteln internationale Vergleichbarkeit erreichbar ist, wenn auch derzeit erst im Juniorenbereich. Indessen rührt der Präsident immer wieder und immer noch im für ihn faulen Ei Landesleichtathletik. Anscheinend scheint es darin noch nicht genug zu stinken, obwohl man sich darin schon recht umgemütlich fühlt. Zum Aufbrechen der verkrusteten Schale hat’s jedenfalls nicht gereicht. Es fehlt seit längerem der neue Masterplan, der Aufbruch zu neuen Taten, zu denen auch die bayerische Leichtathletik im neuen Jahrzehnt fähig sein sollte. Karl Rauh konnte jedenfalls quasi als sein Vermächtnis keine bleibenden Spuren in Richtung dorthin ziehen.