Der Zugang zur Münchener Werner-von-Linde-Halle ist nun geklärt

Regensburg, 14. November 2009 (orv) – „Der Zugang zur Münchener Werner-von-Linde-Halle ist nun geklärt. Nach monatelangem Ringen um ein angemessenes Nutzungskonzept, das allen Beteiligten gerecht wird, konnten gestern die Verhandlungen im Tagungsraum der Halle zum Abschluss gebracht werden. Die Vertreter des Sport- und Kulturamtes der Stadt München, der Olympiapark München GmbH, des Olympiastützpunktes Bayern, der LG Stadtwerke München sowie weiterer Münchner Vereine, des BLV-Kreises München und des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes gaben damit grünes Licht für eine umfassende Nutzung der Trainingshalle neben dem Olympiastadion. BLV-Präsident Karl Rauh hatte diese schwierige Aufgabe zur Chefsache erklärt und sich in vielen Sitzungen und Streitgesprächen dafür stark gemacht, dass die Halle zwar nach leistungssportlichen Gesichtspunkten genutzt werden kann, dennoch für die Vereine einigermaßen bezahlbar bleibt, Nicht-Kaderathleten mussten ja bisher auch ihren Obolus entrichten. Der Leitende Landestrainer Dietmar Günther, zuletzt ebenfalls in die entscheidenden Sitzungen involviert, hatte neben der Erarbeitung des Grundkonzeptes jeweils die Sisyphusarbeit, neue Inhalte und Formulierungen einzuarbeiten und alte Regelungen zu entfernen. Die nachfolgende Fassung einer Nutzungs- und Beitragsordnung soll ab sofort greifen und damit den Trainingsbetrieb in vollem Umfang gewährleisten.“ So die erlösende Grundsatzerklärung zum seit längerem schwehlenden Streit um die Nutzungsrechte der vor zwei Jahren aufwändig renovierten Leichtathletik-Trainingshalle.

Eine niedere zweistellige Millionensumme hat damals der notwendig gewordene Neubau gekostet und wie das so ist in der Welt der öffentlichen Sportanlagen, konnte das Unternehmen nur mit den Zuschüssen des bayerischen Wissenschaftsministeriums, zuständig für derlei Bauten, geschultert werden. Nach der Devise „wer das Geld bringt, schafft auch an“ belegte man den Bau gleich mal mit der Auflage, keineswegs Veranstaltungsstätte zu sein, als vielmehr allein dem Trainingsbetrieb zur Verfügung zu stehen. Wie gesagt, wohl wissend, dass Deutschlands größtes Bundesland über keine einzige Veranstaltungshalle verfügt.  Da das gute Haus dank eines inzwischen nicht mehr tätigen kompetenten Leichtathletiktrainer zum wahren Prunkstück geworden ist, konnte jene Sportanlage unmöglich für Hinz und Kunz zur Verfügung stehen. Dem wurden die Verantwortlichen in den letzten Jahren wohl auch gerecht, die Halle war denn auch in den seltensten Fällen überfüllt.

Warum auch immer, die allgemein gängige Praxis passte den Verwaltungsbürokraten nicht ins Konzept und so ist man nun auf dem besten Wege „eine halbleere Halle allmählich zur ganz leeren zu machen“, wie süffissant ein verständlicherweise ungenannt bleiben wollender Mitarbeiter aus dem engeren Führungskreis meinte. Dem deutschen Bürokratieverständnis entsprechend hat man nun die betroffenen Athleten von erwachsenen Münchner Vereinen mit Kaderstatus angehörend bis jugendlichen Athleten von Nicht-Münchner Vereinen ohne Kaderstatus katalogisiert und die Preise auch gleich noch mit Mengenrabatt belegt. Was auf dem Papier so klar ausschaut wird für die meisten Vereinstrainer zur unüberwindbaren Rechenaufgabe. Selbst die vielleicht „dreikommafünf“ im Hochleistungssport ehrenamtlich arbeitenden Toptrainer jedes Disziplinblocks müssen in der täglichen Trainingsarbeit recht leistungsheterogene Gruppen bearbeiten, meist zum Hungerlohn von 3,79 Euro pro Stunde. Die mühsame Fahrt von bis zu hundert Kilometer einfach mit dem furiosen Endstück der Münchner Rushhour vor dem veranschlagten Training muss zudem in Eigenregie bezahlt werden, weil ein Großteil der bayerischen Vereine schon froh ist, allein die immer horender werden Wettkampfauslagen erstatten zu können.

Selbst meine gewiss nicht leistungsschwache Trainingsgruppe mit fünf Bundeskadern, einigen Landeskadern, aber eben auch fünf bis sechs Nachwuchsleuten bzw. Leistungsläufer/Innen, die sich Jahr für Jahr später bei nationalen Meisterschaften unter den Top-ten platzieren werden, stellt mich vor hohe finanzielle Hürden, obwohl wir uns nicht gerade zu den armen Vereinen zählen. Zwei Kleinbusse à 50 Euro Betriebskosten, rund 200 Euro für meine Nicht-Kaderathleten sind ein edler Preis für zirka zwei Stunden Rundherumlaufen in der Münchner Halle, ganz abgesehen von dem lästigen Schreib- und Verwaltungskram, der schon im Vorfeld zu erledigen ist.

Viel Schaden wird das Papier aber dennoch nicht anrichten. Die wenigen „Barcelona-Kandidaten“ haben sich längst in Richtung nichtbayerischer Hallen orientiert, studieren in der Fremde und halten dennoch der Heimat die Treue. Die Regensburger „Roadrunners“ schaffen ihr Pensum auch ohne Münchner Halle und das übrig gebliebene Münchner Athleten-Sammelsurium wird sich nach der neuen Hallenordnung noch weniger auf die Beine treten.