Der Darmstadt-Cross schuf mehr Unklares in punkto Regensburger EM-Träume

harrercorinna4_darmstadt09-kiefnerfotoDarmstadt, 22. November 2009 (orv) –  Aus Regensburger Sicht sorgte die erste Cross-EM-Quali beim Darmstädter Rennen für einige faustdicke Überraschungen. Einzige Konstante war dabei die sich souverän qualifizierende U20-Vizeeuropameisterin Corinna Harrer (LG Telis Finanz) mit ihrem Parforceritt Richtung Platz zwei. Unerwartet fiel dagegen das Ergebnis bei den U23-Juniorinnen aus: Telis-Mittelstrecklerin Chrissy Danner muss nun nach ihrem tollen fünften Platz am Sonntag in Roeselare nur noch Ähnliches abliefern, dann ist sie in Dublin dabei. Teamkollegin Susi Lutz patzte hingegen mit Platz sieben, freilich im Vorfeld durch zwei grippale Infekte ausgebremst und Philipp Pflieger wurde mit Platz acht im deutschen Ranking gleich ganz auf dem falschen Fuß erwischt. Am Ende musste er sogar den lange verletzt gewesenen Telis Neuzugang Florian Orth vorbeiziehen lassen, der mit seinem sechsten Platz jetzt vage Aussichten auf einen EM-Platz in der U23 besitzt.

Für Telis-Sternchen Corinna Harrer blieb Darmstadt das, was es sein sollte, eben nur die eingeplante Qualifikation für Dublin. Die mit Trainer Kurt Ring vereinbarte Taktik, das Feld gleich einmal mit einem sehr schnellen Angang auseinanderzureißen, ging in Runde zwei der 4,4 km auf. Übrig blieb der derzeitige „Weizen“ des bundesdeutschen Laufnachwuchses, die Spreu hatte sich nach hinten verabschiedet, darunter aber auch einige Vorabfavoritinnen. Dass am Ende Dauerkonkurrentin Jana Sußmann noch an der Regensburgerin vorbeizog, lag sicher ein wenig an der fehlenden Rennpraxis, viel mehr aber an der aufreibenden Führungsarbeit gegen den lästigen Wind. Letztendlich hatte die alles nur Marginalwert, auch wenn die ehrgeizige Telis-Läuferin am Ende ein wenig grantelte: „Dass mich die Jana am Schluss abgezockt hat, hat mich doch ein wenig geärgert.“

dannerchristiane1_darmstadt09-kiefnerfotoWährend nach dem U23-Rennen über mächtige 6.7 Kilometer eine über beide roten Backen nur noch strahlende Christiane Danner die schon vorher dezent angesteuerten Formzuwüchse voll umsetzen konnte und klug von hinten kommend noch erstaunlich nah ans vorne einbrechende Führungsquartett heranlief, haderte Susi Lutz wieder einmal mit ihrem Herbst-Darmstadt-Syndrom. Trotzdem trug sie ihre Niederlage mit der Gelassenheit einer inzwischen bundesdeutschen Laufgröße, freilich nur im Sommer auf der von ihr heiß geliebten Tartanbahn: „In der Verfassung habe ich auch nichts im EM-Team zu suchen, irgendwie tret ich bei dem holprigen Wiesengeläuf immer nur ins Leere.“ Ihre gesundheitlichen Probleme mit mehreren grippalen Infekten im Vorfeld mochte sie da nicht gelten lassen: „Das trifft andere auch.“ Vorne düpierte die Triathletin Rebecca Robisch (LAC Quelle Fürth) als Siegerin die restlichen Spezialistinnen.

„Warum ich heute nicht vorwärts gekommen bin, weiß ich selbst nicht. Ich war schon während der ganzen Woche sehr müde und der Stress in der Uni ist ebenfalls derzeit recht hoch.“ Damit reihte Telis-Ass Philipp Pflieger ein weiteres Kapitel an die oft unerklärbaren Geschichten, die der Cross schreibt. „Die Bahn gibt dir im Rennen immer das zurück, was du trainiert hast, im Gelände ist das alles unwägbar.“ koller_grau1_darmstadt09-kiefnerfotoDies musste am Ende auch einer der haushohen Favoriten, Alexander Hahn vom TSV Bayer Leverkusen feststellen, als er völlig aussichtslos zurückliegend das Rennen in der vorletzten Runde vorzeitig beendete. Strahlender Sieger an diesem Tage mit einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg wurde Musa Roba Kinkal, ein gebürtiger Äthiopier vom TV Gelnhausen, seines Zeichens schon EM-Zehnter der U23 über 5000 m.

Von den übrigen Telis-Nachwuchsläufer/Innen sorgte bei der B-Jugend Jonas Koller für ein Ausrufezeichen. Mutig in der Spitze mitlaufend beendete er das Rennen über 4,4 km nur knapp geschlagen auf Rang drei.